Mitten im Zentrum des Palma-Stadtteils Son Roca auf Mallorca ist eine ehemalige Bankfiliale seit Jahren besetzt. Derzeit lebt dort eine Familie mit schulpflichtigen Kindern. Nach Angaben von Anwohnern haben in den vergangenen fünf Jahren bereits mehrere unterschiedliche Gruppen oder Familien die Räumlichkeiten genutzt.
Wie die spanischsprachige MM-Schwesterzeitung Ultima Hora berichtete, gilt das ehemalige Bankbüro an der Kreuzung der Straßen Cap de Formentor und Cap Enderrocat als eines der sichtbarsten Beispiele für das Hausbesetzerphänomen in diesem Teil der Balearenkapitale.
Die Bewohner verfügen über Strom, haben aber kein Wasser
Von außen lassen sich durch Öffnungen im Eingangsbereich und an der ehemaligen Geldautomatenstelle Einrichtungsgegenstände wie Sofas, Betten, Tische, Stühle und ein Fernseher erkennen. Auch Spielzeug deutet darauf hin, dass Kinder in den Räumen leben. Nach Schätzungen aus der Nachbarschaft halten sich dort derzeit etwa vier Erwachsene und zwei Minderjährige auf.
Die Bewohner des Viertels im Westen von Palma beschreiben die aktuelle Familie als unauffällig. "Sie machen keinen Lärm, sie sind friedlich", berichtet eine langjährige Anwohnerin. Nach Aussagen aus der Umgebung verfügen die Bewohner über Strom, allerdings nicht über fließendes Wasser.
Die Besetzung der Filiale begann kurz nach deren Schließung und reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle in Son Roca ein. In dem Viertel kommt es immer wieder zu Versuchen, leerstehende Wohnungen oder Geschäftsräume zu besetzen. Das Thema beschäftigt die Nachbarschaft bereits seit Jahren und war schon vor der Pandemie Gegenstand politischer Debatten über soziale Ausgrenzung und Wohnungsnot in dem Stadtteil am Rand von Palma. Trotz der anhaltenden Situation scheint sich ein Teil der Anwohner inzwischen an die Präsenz der Besetzer in der ehemaligen Bankfiliale gewöhnt zu haben.