Nach einem chaotischen Saisonfinale mit handfesten Schlägereien in der Spielerkabine und ohne Titel hat Real-Patron Florentino Pérez Neuwahlen angekündigt. Zum möglichen Kandidatenkreis für das Präsidentenamt bei den „Blancos“ wurde umgehend auch Mallorcas Tennislegende Rafa Nadal auserkoren.
Der 22-malige Grand-Slam-Sieger sah sich deshalb am Donnerstag in seiner Heimatstadt Manacor veranlasst, den Spekulationen öffentlich entgegenzutreten. Dabei geriet der Hauptgrund für den Pressetermin, die Eröffnung seines erweiterten und modernisierten Museums, fast in den Hintergrund.
Der 22-fache Grand-Slam-Sieger stellte klar, dass er derzeit "keinerlei Ambitionen" auf ein Amt bei Real Madrid hege. "Ich mache so etwas normalerweise nicht, aber ich wollte die Spekulationen beenden", sagte der frühere Weltranglistenerste, der Anfang Juni 40 Jahre alt wird. Die Gerüchte seien wohl auch deshalb aufgekommen, weil er mit dem Unternehmer Enrique Riquelme geschäftlich verbunden sei. Wahr seien sie jedoch nicht.
Riquelme ist ein millionenschwerer spanischer Unternehmer, dem Ambitionen nachgesagt werden, das Präsidenten-Urgestein Pérez beerben zu wollen.
Nadal-Museum erweitert
Zugleich vermied Nadal jede Konfrontation mit Pérez. Er habe "größten Respekt" vor dem langjährigen Präsidenten und dessen Verdiensten für den Verein. Er wisse zwar nicht, was irgendwann in der Zukunft geschehen werde, erklärte der Mallorquiner. "Im Moment bin ich aber mit meinen eigenen Dingen beschäftigt." Ob Riquelme tatsächlich kandidieren werde, wisse er selbst nicht, sagte er der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Grundsätzlich begrüße er allerdings "demokratische Wahlen", damit die Mitglieder über die Zukunft des Klubs entscheiden könnten.
Dass der pensionierte Tennisstar und Langzeit-Weltranglisten-Erste sich zu Fußballthemen äußerte, überraschte hingegen nicht. Nadal gilt seit Jahrzehnten als leidenschaftlicher Anhänger von RCD Mallorca und verfolgt die derzeit prekäre Lage seines Heimatvereins intensiv. Der Verein befindet sich in der Endphase der Liga im Abstiegskampf. Er glaube jedoch weiterhin an den Klassenerhalt, sagte er am Donnerstag.
Im Mittelpunkt des Auftritts am Donnerstag stand allerdings die Erweiterung seines Museums in Manacor, das künftig noch stärker als multimediale Erlebniswelt konzipiert ist. Nadal führte Journalisten persönlich durch die neuen Räume, die weniger als klassische Trophäenschau angelegt sind denn als emotionale Rückschau auf eine außergewöhnliche Karriere. Zu sehen sind Pokale, Schläger, Trikots, Schuhe und zahlreiche Erinnerungsstücke aus mehr als zwei Jahrzehnten Weltklasse-Tennis.
Keine Comeback-Gedanken
Der Spanier erzählte, Sport löse "Begeisterung und Emotionen" aus und vermittle Kindern wichtige Werte. Besonders am Herzen liege ihm der Teil der Ausstellung, der seiner Kindheit auf Mallorca gewidmet sei. Videos und interaktive Elemente sollen Besucher zudem unmittelbar in zentrale Momente seiner Laufbahn eintauchen lassen. Auch seine langjährigen Rivalen und Kompagnons Novak Djokovic und Roger Federer kommen dabei zu Wort.
An ein mögliches Comeback denkt Nadal nach eigenen Worten indes nicht mehr. Seine Karriere sei "abgeschlossen", sagte der 39-Jährige. Er sei glücklich, im richtigen Momente den Tennisschläger an den Nagel gehängt zu haben.