Auf Mallorca nimmt die Zahl der Immobilien zu, deren Eigentümer gestorben sind, ohne dass die Erben bekannt oder erreichbar sind. Eine Anwaltskanzlei auf der Baleareninsel zahlt nach eigenen Angaben inzwischen 3.000 Euro und mehr an Personen, die entscheidende Hinweise auf bislang unbekannte Erbberechtigte geben – sofern die Erbschaft anschließend erfolgreich abgewickelt wird.
Wie die Kanzlei Navarro y Navarro gegenüber der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" bekanntgab, haben sich derartige Fälle in den vergangenen Jahren zunehmend gehäuft. Nach Darstellung von Anwalt Guillermo Navarro gehört Mallorca inzwischen zu den Regionen Spaniens, in denen besonders häufig nach Erben gesucht werden muss. Ursache sei auch ein gesellschaftlicher Wandel: Viele der heute Verstorbenen besäßen Immobilien, hätten aber über Jahrzehnte den Kontakt zu ihren Familien verloren.
Oft handle es sich um Menschen, die einst vom spanischen Festland auf die Insel gekommen seien und später kaum noch Verbindung zu Verwandten gehabt hätten. Hinzu kämen zahlreiche ausländische Eigentümer auf Mallorca, deren Angehörige "mitunter gar nichts von den Immobilien auf der Insel" wüssten, so Navarro.
Für Eigentümergemeinschaften könne das Fehlen eines Erben erhebliche Folgen haben. Navarro zufolge meldeten sich häufig Nachbarn oder Hausverwaltungen, weil nach dem Tod eines Eigentümers über Monate keine Gemeinschaftsgebühren mehr gezahlt würden. "Das kann große finanzielle Löcher in deren Kasse reißen, bis hin zur existenziellen Bedrohung einer Eigentümergemeinschaft", sagt der Anwalt.
Zugleich will die Kanzlei einen weiteren Trend beobachtet haben: leerstehende Wohnungen, die besetzt werden. Gerade Immobilien ohne bekannte Erben seien zunehmend Ziel von Hausbesetzern. In einem aktuellen Fall habe man sogar eine Wohnung in Palma zumauern lassen, um eine Besetzung zu verhindern, während noch nach den Erben gesucht werde.
Nicht jede gefundene Erbengemeinschaft nehme das Erbe letztlich an. Manche lehnten es wegen bestehender Schulden oder anderer Belastungen ab. Häufig werde die Erbschaft jedoch trotz geringer finanzieller Gewinne akzeptiert. Mitunter seien außergewöhnlich viele Menschen beteiligt. "Wir hatten schon Fälle mit bis zu 60 Erben", berichtet Navarro.
Es gebe allerdings auch positive Geschichten. Mitunter könne eine unerwartete Erbschaft das Leben grundlegend auf den Kopf stellen – etwa wenn jemand dadurch genug Geld erhalte, um sich auf Mallorca überhaupt noch Wohneigentum leisten zu können. Die Suche nach den Berechtigten sei oft aufwendig. In der Kanzlei arbeiteten deshalb Anwälte und Genealogen eng zusammen, um Familienlinien nachzuverfolgen und mögliche Erben ausfindig zu machen.