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Angst vor dem Krieg: So sehen Dubai-Deutsche und Iraner auf Mallorca den Konflikt

Der Nahostkrieg sorgt auch auf der Insel für Sorge. "Die Situation ist seltsam, aber nicht unsicher", sagt Maler Domingo Zapata aus Dubai. Niloufar Kolai aus Mallorca betont: "Krieg bringt überall gleich viel Leid."

Eine Rauchsäule steigt über Teheran nach dem Einschlag einer Bombe auf | Foto: ABEDIN TAHERKENAREH

| Mallorca |

Obwohl die zentrale Konfliktregion im Nahen Osten mehr als 3000 Kilometer von den Balearen entfernt liegt, sind die Auswirkungen der jüngsten Eskalation auch auf Mallorca spürbar. Seit den am 28. Februar begonnenen Angriffen der USA auf den Iran verfolgen viele Menschen auf der Insel die Ereignisse mit wachsender Sorge. Für auf dem Eiland lebende Iranerinnen und Iraner sowie für deutsche Residenten mit persischen Wurzeln ist die Lage zutiefst belastend – Familienangehörige und Freunde befinden sich in einem Krisengebiet, das erneut zum Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen geworden ist. Doch nicht nur sie sind betroffen.

Auch Reisende mit Ziel Dubai und Expats am Persischen Golf, darunter zahlreiche Spanier und Deutsche, sehen sich mit den Folgen der angespannten Sicherheitslage konfrontiert. Flugverbindungen, Reisepläne und berufliche Perspektiven geraten ins Wanken. Was wie ein ferner Konflikt erscheint, rückt damit für viele Menschen auf Mallorca plötzlich sehr nah.

Eine Rauchsäule steigt über Teheran nach dem Einschlag einer Bombe auf. (Foto: UH)

Wie die spanische Tageszeitung Última Hora berichtete, sind infolge der iranischen Angriffe auf US-Ziele im Nahen Osten rund 600 Balearen-Bürger von Flugausfällen und Verspätungen betroffen. Etwa die Hälfte konnte seit Samstag zurückkehren, viele weitere warten noch auf ihre Heimreise. Pedro Fiol, Präsident des Reisebüroverbands Aviba, spricht von "Hunderten" Betroffenen. Die tatsächliche Zahl könne höher liegen, da Geschäftsreisende und im Ausland lebende Personen nicht erfasst seien. Zwar wurden alternative Flugrouten eingerichtet, doch der Luftraum über Katar bleibt voraussichtlich mindestens eine Woche gesperrt. Umleitungen führen zu längeren Reisezeiten und zusätzlichen Zwischenstopps. Fiol mahnt zur Ruhe und rät von vorschnellen Stornierungen ab. Eine vollständige Rückführung aller Betroffenen sei kurzfristig nicht zu erwarten und könne sich über Wochen hinziehen.

Spannungen in der Straße von Hormus wirken sich auf die Insel aus

Mit großer Sorge wurde auf der Insel die Lage eines Mallorca- Paares (Sandra Horrach und César Piñero) verfolgt, das nach einer Thailand-Reise festsaß, weil sein über Iberia gebuchter und von Qatar Airways durchgeführter Rückflug wegen der Luftraumsperrung in Doha gestrichen wurde. Umbuchungen scheiterten ebenfalls, Alternativen hätten bis zu 6000 Euro gekostet. Weder Airline noch Versicherung übernehmen die Zusatzkosten. Insgesamt waren zahlreiche Mallorquiner betroffen, wobei die spanische Botschaft nur begrenzt helfen kann.

Eine weitere Familie aus Mallorca konnte dagegen aus Dubai mit einem umgebuchten Flug von Emirates über Madrid zurückkehren. Trotz teilweiser Wiederaufnahme des Flugbetriebs bleibt die Lage angespannt. Das spanische Außenministerium prüft derzeit alle Optionen zur Evakuierung der rund 13.000 Spanier in den Vereinigten Arabischen Emiraten und insgesamt 30.000 in Ländern des Nahen Ostens. Auch ökonomisch und psychologisch trifft der Krieg die Balearen. Für Toni Riera, Direktor der Fundació Impulsa Balears, wirkt der Konflikt wie ein zweischneidiges Schwert: Während die Inseln als sicherer Hafen Nachfrage aus Krisenregionen im östlichen Mittelmeer und im Golfraum anziehen könnten, drohen steigende Flugpreise diesen Vorteil zu schmälern.

Immobilienmakler Daniel Garofoli erklärt, wie er die Situation in Dubai erlebt. Foto: privat

Kurzfristig belasten vor allem Unsicherheit, angepasste Flugrouten sowie vereinzelte Stornierungen das Geschäft. Bei einer raschen Deeskalation dürften sich diese Effekte jedoch verflüchtigen, und die Nachfrage verschiebt sich eher, als dass sie verschwindet. Entscheidend ist, wie sich die Touristenströme im Mittelmeer neu ordnen. Erfahrungsgemäß profitieren in instabilen Zeiten westliche Destinationen wie Spanien – auch auf Kosten von Kroatien, Griechenland, der Türkei oder Ägypten. Zum Risiko wird der Ölpreis: Eine Eskalation mit Folgen für die Straße von Hormus könnte Treibstoff verteuern, Tickets und Betriebskosten in die Höhe treiben und preissensible Gäste abschrecken. Das würde den möglichen Standortvorteil der Balearen rasch relativieren.

Finanzexperte Georg W. Mehring-Schlegel kennt die Nahost-Region bestens. Foto: privat

Mitten in der internationalen Messesaison wächst daher die Nervosität. Auf der ITB in Berlin mahnten Spaniens Industrieminister Jordi Hereu und Balearen- Präsidentin Marga Prohens zu Besonnenheit, während die ersten Auswirkungen auf Luftverkehr und Logistik bereits spürbar sind. Auf Mallorca verfolgen die rund hundert lebenden Iraner die Lage nach den Angriffen der USA und Israels auf Teheran mit großer Sorge.

"Wir wissen nicht, was passieren wird", sagt Sedi Behvarrad, Vorsitzende der persischen Gemeinde. Viele hoffen auf mehr Freiheit und Demokratie, zweifeln jedoch daran, dass das seit Jahrzehnten herrschende Regime gestürzt werden könnte. Gleichzeitig wächst die Angst vor einer Eskalation in der Region und möglichen Vergeltungsschlägen. Auch Chinas Unterstützung für Teheran bereitet Sorge. Aus Furcht vor Repressionen wollen nur wenige Betroffene offen sprechen, wie Última Hora berichtete.

Hypnose- Therapeutin Niloufar Kolai macht sich Sorgen um Angehörige. Foto: privat

Der persische Unternehmer Jamil Missaghian, Eigentümer des bald schließenden Ladens Persépolis in Palma, äußert sich hingegen positiv zu den Entwicklungen und sieht den Iran an einem Wendepunkt. Der Tod des langjährigen Führers Ali Chamenei markiere den Beginn einer Phase der Neudefinition zwischen Religion, Politik und Militär. Missaghian betont, dass Stabilität nur durch Vertrauen und Dialog, nicht durch Zwang, entstehen könne.

Unabhängig von den Geschehnissen wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass die Erben des Schahs von Persien ihre Luxusimmobilien auf Mallorca bereits verkauft hatten. In der Vergangenheit besaßen sie Villen bei Cala Rajada und Santanyí, die die Familie seit den 1970er Jahren genutzt hatte. Mögliche Gründe für den Verkauf seien die gestiegene Aufmerksamkeit und der Verlust der Anonymität auf der Insel.

Reality-Star Janina Youssefian sorgt sich um ihre ältere Schwester in Teheran. Foto: privat

Die eskalierende Lage im Nahen Osten wird auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten spürbar. Mallorquiner in Dubai berichten von nahe erlebten Kriegssituationen, bleiben aber überwiegend ruhig. Der bekannte Maler Domingo Zapata hat sich vorsorglich in seiner Wohnung in Downtown Dubai zurückgezogen. "Die Situation ist seltsam, aber nicht unsicher", sagt er und nutzt die Zeit zum Malen. Zapata beobachtete von seiner Wohnung aus den Himmel und Wahrzeichen wie den Burj Khalifa. Er erhielt zahlreiche besorgte Nachrichten von Freunden: "Wir sind gesund und munter. Alles ist sehr ruhig." Ständige Kommunikation helfe den Betroffenen, Ruhe zu bewahren.

Der in Dubai lebende deutsche Immobilienmakler Daniel Garofoli sagte MM: "Der Begriff 'Krieg' ist meiner Meinung nach nicht ganz korrekt. Iran greift gezielt Länder an, die mit den USA verbündet sind, nicht pauschal die ganze Region. Aktuell sehen wir Angriffe auf verschiedene Nachbarländer, darunter auch Dubai und die VAE, die aber eher symbolischer oder strategischer Natur sind. Viele der Einschläge hier in Dubai wurden abgefangen." Die Angriffe, so Garofoli, seien eher zufällig oder punktuell: "Eine Baustelle in der Innenstadt und ein Luxushotel auf der Palme waren betroffen."

Georg W. Mehring-Schlegel, der als früherer langjähriger Finanzvorstand eines großen europäischen Elektronikhändlers den Vorderen Orient bestens kennt, sagte dieser Wochenzeitung: "Der Krieg im Nahen Osten war leider lediglich eine Frage der Zeit. Das Mullah-Regime im Iran ist eine instabile Bedrohung für die Stabilitätsbemühungen der gesamten Region, aber auch insbesondere für Israel, die Nationen Europas und die USA."

Die Wahlmallorquinerin Niloufar Kolai hat persische Wurzeln und arbeitet auf der Insel als Hypnosetherapeutin und Schauspiel- Coach. Sie hat Familienangehörige sowohl in Dubai als auch im Iran, daher machen sie die aktuellen Ereignisse bestürzt, berichtete sie: "Es macht für mich keinen Unterschied, wo ein Krieg stattfindet – ob in meiner ehemaligen Heimat, hier in Europa oder weit entfernt in Russland. Das Leid wiegt gleich schwer."

Ähnlich problematisch sieht es die iranisch-deutsche Reality-TV-Teilnehmerin Janina Youssefian, die viel Zeit des Jahres auf Mallorca verbringt. Sie sagt: "Ich glaube, der Krieg wird lange dauern. Wir werden auch erleben, wie mehrere europäische Länder in den Krieg verwickelt werden." Dem fügte sie hinzu: "Krieg bringt nur Leid und Zerstörung. Der Verlust von unschuldigen Menschenleben ist eine schreckliche, unausweichliche Realität. Große Sorgen mache ich mir um meine ältere Schwester, die mit ihrer Familie im Teheran lebt."

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