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Das Bett von 
Otto Skorzeny und andere Möbel: MM-Besuch im Mallorca-Haus des berüchtigten SS-Obersturmbannführers

Sein ehemaliges Sommerhaus im Inselnorden hat den 
Besitzer gewechselt. MM durfte einen Blick in die Bleibe werfen

Otto Skorzeny (1908-1975) wurde im Dritten Reich zur Berühmtheit,als dem SS-Mann 1943 die Befreiung Mussolinis aus italienischerGefangenschaft gelang.

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Rötlich glühen die Rosen am Kopfende des Bettes, umfasst von bäuerlich-barocker Ornamentik. Und mit einem Mal ist man sprachlos. Hier soll der ehemalige SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny das Reich des Schlummers aufgesucht haben? Hier hat der von den Alliierten einst als „Europas gefährlichster Mann” gefürchtete österreichische Offizier Bett an Bett neben seiner Gattin die Sommernächte verbracht?

„Die Banalität des Bösen” – unweigerlich kommt einem das geflügelte Wort der US-Publizistin Hannah Arendt in den Sinn, als sie als Beobachterin des Eichmann-Prozesses den Organisator des millionenfachen Judenmordes zu beschreiben hatte.

Rote Rosen also, und gedrechselte Kopfteile in Gold und Lindgrün. „Das sind die Originalmöbel von Otto Skorzeny”, versichert José Santamaria. Der Festlandspanier hatte die Immobilie 1990 gekauft und sie 35 Jahre selbst als Sommerhaus genutzt – samt einer Reihe von Möbeln wie etwa den Betten und den geflochtenen Sonnenliegen des berüchtigten Vorbesitzers.

Innenaufnahmen noch nie öffentlich im Umlauf

Dass Otto Skorzeny (1908-1975) als Rentner ein Sommerhaus in Alcudía besaß, ist seit Jahrzehnten bekannt. Innenaufnahmen davon sind indes nie öffentlich in Umlauf gewesen. Erst jetzt hat sich die Gelegenheit geboten, die Heimstätte des 
SS-Mannes am Meer, der 1943 durch die Befreiung Mussolinis aus dessen Haft am Gran Sasso schlagartig berühmt geworden war, in Augenschein zu nehmen.

Möglich wurde dies durch die beharrliche Recherche von Markus Harmann und Joachim Heinz, zwei freie Journalisten für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), unter Beteiligung des Mallorca Magazins. Insbesondere Markus Harmann hat einen engen Bezug zu Alcúdia. Der Onkel seiner Frau hatte bereits 1980 ein Haus in jener Wohnsiedlung am Meer erworben, die Familie verbringt dort oft die Ferien. „Ich konnte es kaum glauben, als ich erstmals von Skorzenys Immobilie hörte, und bin dem Thema nachgegangen”, erinnert sich Harmann.

Irgendwann gelang es ihm dann, mit José Santamaria in Kontakt zu treten. Den Spanier hat die Vergangenheit des bereits 1930 errichteten Sommerhauses nie groß belastet. Schließlich sei Skorzeny von keinerlei Gericht jemals verurteilt worden. Viel schwieriger sei es damals gewesen, die Geliebte des SS-Mannes aus dem Haus zu bekommen.

"Er war ein Mann wie ein Schrank"

Skorzeny verbrachte seine Aufenthalte in dem Strandhaus mit der Ehefrau im Erdgeschoss, der französischen Freundin im ersten Stock, und auch seine persönliche Sekretärin sei stets mit von der Partie gewesen, wie Santamaria seinerzeit von der Hausverkäuferin und Skorzeny-Witwe erfahren hatte. Das alte Strandhaus hat indes vor wenigen Wochen erneut den Besitzer gewechselt. Jetzt ist es wieder in mallorquinischer Hand. Ein Unternehmer soll es dem Vernehmen nach für seine Frau erworben haben. Der Preis habe bei über zwei, aber unter vier Millionen Euro gelegen.

Noch heute erinnern sich in Alcúdia hochbetagte Mallorquiner an Skorzeny. „Er war ein Mann wie ein Schrank”, sagte ein Zeitzeuge einmal gegenüber MM. Markus Harmann fällt kein mildes Urteil über den Umgang der Justiz mit Skorzeny. Man wisse bis heute nicht so recht, was bei dem „totalen Aufschneider” Legende sei und was der Wahrheit entspreche. „Es ist schockierend, wie wenig man sich mit den Verbrechen dieses Mannes beschäftigt hat”, so Harmann.

Info

Der Radiobeitrag der Journalisten Markus Harmann und Joachim Heinz, „Mallorca und das Erbe der Nazis” ist seit dem 9. April auf WDR 5 in der Sendung „Neugier genügt” abrufbar. Hier geht es zu dem Beitrag

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