Barcelona war ähnlich wie Palma de Mallorca lange der Sehnsuchtsort für ausländische Städtereisende – jetzt wird der Besuch spürbar teurer. Die Regionalregierung in Katalonien hat beschlossen, die Touristenabgabe drastisch zu erhöhen. Ab April könnten Übernachtungsgäste in Barcelona bis zu 15 Euro pro Nacht zusätzlich zahlen. Für ein Paar im Viersternehotel summiert sich das schnell auf über 40 Euro für ein Wochenende – nur an Steuern. Die Botschaft ist klar: Massentourismus soll gebremst, die Stadt entlastet werden.
Proteste, Wohnungsnot, politische Härte
Hinter der Entscheidung steckt mehr als nur fiskalisches Kalkül. Barcelona kämpft seit Jahren mit den Schattenseiten seines Erfolgs. Millionen Besucher strömen jährlich in die Mittelmeer-Metropole – zuletzt waren es weit über zehn Millionen Gäste pro Jahr. Die Folgen: steigende Mieten, überfüllte Altstadtgassen, wachsender Unmut bei Einheimischen. Immer wieder kommt es zu Protesten gegen den Tourismus, teils mit drastischen Bildern von Wasserpistolen-Attacken auf Besucher. Die Politik reagiert – vor allem unter linkem Einfluss der sozialistischen Landessegierung in Barcelona – zunehmend restriktiv. Neben der Steuererhöhung wurde auch gegen Plattformen wie Airbnb vorgegangen. Ein Teil der zusätzlichen Einnahmen soll nun gezielt in den Wohnungsmarkt fließen, um die Lage für Einheimische zu entspannen.
Balearen: Abwarten statt Zuschlagen
Ganz anders die Lage auf den Balearen. Dort hat die konservativ geführte Regierung eine mögliche Erhöhung der sogenannten Ökosteuer (ITS) vorerst vertagt. Statt schneller Entscheidungen setzt man auf Konsens – und auf Zeit. „Keine Eile“, lautet die Devise aus dem Tourismusministerium in Palma. Die aktuelle Abgabe liegt deutlich unter dem katalanischen Niveau: Zwischen einem und vier Euro pro Person und Nacht zahlen Urlauber derzeit auf Mallorca, je nach Saison und Unterkunft. Selbst in Luxushotels bleibt die Belastung moderat. Kinder unter 16 Jahren sind komplett befreit, Langzeiturlauber profitieren von Rabatten.
Streit um Verwendung
Doch die eigentliche Debatte dreht sich nicht um die Höhe der Steuer – sondern um ihre Verwendung. Gewerkschaften fordern, die Einnahmen stärker in sozialen Wohnungsbau, öffentliche Dienstleistungen und die Bekämpfung illegaler Ferienvermietung zu investieren. Unternehmer hingegen drängen auf Investitionen in Infrastruktur und touristische Modernisierung. Die Fronten sind verhärtet. Während Arbeitnehmervertreter eine deutliche Erhöhung als „Investition in Nachhaltigkeit“ sehen, warnen Hotelverbände vor Wettbewerbsnachteilen. Ein externer Experte soll nun helfen, die Interessen zu bündeln – ein politischer Kompromiss auf Raten.
Kommt die Mallorca-Abgabe à la Barcelona?
Die entscheidende Frage bleibt: Wird Mallorca dem Beispiel Barcelonas folgen? Der Druck wächst. Auch auf den Balearen ist der Tourismusrekord längst Normalzustand, die Belastungsgrenzen sind vielerorts erreicht. Wohnraum ist knapp, die Infrastruktur ächzt in der Hochsaison. Doch anders als in Katalonien fehlt bislang der politische Wille zum großen Wurf. Die konservative Regierung setzt auf Feinjustierung statt Schocktherapie. Eine Verdopplung der Abgabe, wie sie Barcelona jetzt vormacht, ist kurzfristig unwahrscheinlich.
Gleichzeitig zeigt der Blick nach Barcelona, wohin die Reise gehen könnte. Wenn Proteste zunehmen und die sozialen Spannungen wachsen, dürfte auch auf Mallorca der Ruf nach strengeren Maßnahmen lauter werden. Die Ökosteuer ist längst mehr als eine kleine Zusatzgebühr – sie ist ein politisches Instrument geworden. Für Urlauber bedeutet das: Mallorca bleibt vorerst günstiger als Barcelona. Doch wie lange noch?