Wenn auf Mallorca künftig Tennis gespielt wird, geschieht das unter Bedingungen, die eher an Hochadel als an Hochsommer erinnern. Die Mallorca Championships, ein ATP-250-Rasenturnier der Herren vom 20. bis 27. Juni sowie ein WTA-125-Event der Damen im Oktober, sollen nicht weniger sein als die mediterrane Antwort auf die Wimbledon Championships. Was bislang ein sportlich solides Doppel im Kalender war, bekommt nun eine architektonische Aufrüstung, die aus dem Turnier ein Gesamterlebnis machen soll.
Der neue „VIP-Superdome“ am Center Court in Santa Ponça ist dabei mehr als nur ein bauliches Detail – er ist das sichtbare Versprechen eines Turniers, das sich neu erfinden will. „Wir hatten in der Vergangenheit stets das Problem mit der Hitze“, sagt Turnierveranstalter Edwin Weindorfer, CEO der e/motion group. „Im Juni knallt am späten Nachmittag die Sonne erbarmungslos – für Zuschauer eine Belastung, insbesondere aber für Spieler und VIPs.“ Dass ausgerechnet letztere in einem Atemzug mit Profis genannt werden, ist kein Versprecher, sondern Programm. Es geht längst nicht mehr nur um Aufschläge und Returns, sondern um Aufenthaltsqualität, Schattenwurf und Servicepersonal.
Die Antwort auf das meteorologische Dilemma fällt entsprechend großzügig aus: Überdachte, transparente Zeltanlagen und Glaskonstruktionen sollen fortan für ein Klima sorgen, das eher an Business-Class als an Balearen-Sommer erinnert. „Aus diesem Grund haben wir uns zu der Installierung von überdachten, transparenten Zeltanlagen und Glaskonstruktionen entschlossen“, erklärt Weindorfer. Gebaut werden diese von der portugiesischen Firma „Irmarfer Structures”, einem global tätigen Spezialisten für temporäre Großarchitektur, der bereits bei Olympischen Spielen, Papstbesuchen und Champions-League-Endspielen zum Einsatz kam. Wer dort ein Dach errichtet, denkt selten in Sonnenschirmen, sondern in Spannweiten, Klimazonen und VIP-Flüssen.
Dabei geht es nicht nur um Schutz vor der Sonne, sondern um die Inszenierung eines Gesamterlebnisses. Klimatisierung, akustische Abschirmung und exklusive Zugänge verwandeln den Center Court in eine Art halböffentliche Bühne, auf der sich Sport und Status gegenseitig bestätigen. Das Publikum wird nicht mehr nur Zeuge, sondern Teil eines kuratierten Settings.
Doch der eigentliche Kern der Expansion liegt nicht im Glas, sondern im Zugang dahinter. 90 VIP-Boxen, jeweils für sechs Gäste ausgelegt, werden künftig an allen Turniertagen zur Verfügung stehen. Die Preise liegen je nach Abstand zum Rasen zwischen 12.000 und 16.000 Euro, Catering, Getränke, Spielerpartys und Parkplätze inklusive. „Es wird damit definitiv mehr Platz für Firmen und Unternehmen geben, die ihren Kunden und Mitarbeitern ein besonderes Sport-Highlight ermöglichen “, sagt Weindorfer. Wer es noch exklusiver mag, kann sich in eine der VIP-Suiten zurückziehen – zwölf Plätze für 34.900 Euro plus Mehrwertsteuer. Tennis als Gesellschaftsspiel, mit klar definierten Eintrittsbarrieren und ebenso klar kalkulierten Zielgruppen.
Dass sich ein solches Konzept finanzieren lässt, ist weniger der Ticketnachfrage als vielmehr dem Engagement eines Sponsors geschuldet. Hauptpartner ist seit diesem Jahr „Vanda Pharmaceuticals”, ein US-Unternehmen, das laut Weindorfer „rund sechs Millionen Euro investiert – ein Spitzenwert im internationalen Tennissponsoring“. Geld, das nicht nur in Infrastruktur fließt, sondern auch in die Strahlkraft des Events. Oder, wie Weindorfer es formuliert: „Dank unseres Hauptsponsors haben wir die nötige Finanzkraft für neue Investitionen.“
Der Anspruch geht dabei deutlich über kosmetische Verbesserungen hinaus. „Die Mallorca Championships sind das größte Sportevent auf den Balearen, wir sind das beste Rasenturnier in Spanien“, sagt Weindorfer und legt nach: „Langfristig sollen wir auch weltweit die Nummer eins auf Rasen werden – durch unser unschlagbares Konzept aus Sport und Lifestyle.“ Ein Satz, der weniger nach Understatement klingt als nach strategischem Selbstbewusstsein – und nach einem Markt, in dem sich sportlicher Wettbewerb und Erlebnisindustrie längst überlagern.
Tatsächlich ist das Turnier längst mehr als ein Vorbereitungsevent vor Wimbledon. Die Kombination aus ATP-Turnier im Juni und WTA-Ausgabe im Oktober schafft eine seltene Doppelpräsenz im Kalender. Austragungsort bleibt der Mallorca Country Club in Santa Ponça, eine der wenigen Anlagen Europas mit allen drei Belägen. Während die Herren auf Rasen antreten, spielen die Damen auf Sand – eine pragmatische Trennung, die sportliche Identität und infrastrukturelle Effizienz verbindet, ohne das Gesamtbild zu stören.
Alles auf viel höherem Level
Auch sportlich will man aufrüsten. „Wir werden das Turnier ab diesem Jahr auf ein neues, viel höheres Level heben“, kündigt Weindorfer an. „Das wird sich auch an den Top-Spielern zeigen, die an den Start gehen.“ Dass bereits Spieler wie Novak Djokovic auf Mallorca aufgeschlagen haben, dient dabei als Referenz – und als Versprechen für die Zukunft. Namen wie Frances Tiafoe oder Yannick Hanfmann sollen diese Linie fortsetzen und dem Turnier jene internationale Dichte verleihen, die für den Anspruch als „Mini-Wimbledon“ notwendig ist.
Parallel bleibt das Event bemüht, seine lokale Verankerung nicht völlig dem VIP-Ausbau zu opfern. Formate wie der „Familientag“ oder das Nachwuchsprogramm „MC Teen“ sollen weiterhin ein Publikum ansprechen, das weder 12.000 Euro noch zwingend eine Suite benötigt. Schulen, Vereine und junge Talente werden gezielt eingebunden – nicht zuletzt, um dem Event jene Bodenhaftung zu geben, die zwischen Glasdach und Champagnerempfang leicht verloren gehen könnte.
Die Reichweite wächst derweil weiter. Übertragungen in mehr als 160 Länder sorgen für globale Sichtbarkeit, die Mallorca nicht nur als Urlaubsziel, sondern als festen Bestandteil des Tenniskalenders positionieren sollen. Der Ball wird damit zum Botschafter, das Turnier zur Plattform, und die Insel zur Marke.
Zur Inszenierung gehört inzwischen auch ein Netzwerk prominenter Partner. So verweist Weindorfer auf die enge Verbindung zu Red Bull und auf persönliche Kontakte zu Mallorca-Resident und Ehrenclub-Mitglied Jürgen Klopp, der seit 2025 als globaler Fußballchef des Unternehmens agiert. „Dank unserer Freundschaft zu Jürgen Klopp werden wir diese Partnerschaft in diesem Jahr weiter ausbauen“, sagt Weindorfer. Was das konkret für ein Tennisturnier bedeutet, bleibt offen – aber Expansion ist offenbar kein Zufall mehr, sondern Prinzip.
Am Ende entsteht so ein Turnier, das weniger improvisiert wirkt als kalkuliert: mit Glas, Geld und globalem Anspruch. Mallorca liefert die Kulisse, das Klima wird reguliert, und der Rest folgt einer Logik, die im modernen Spitzensport längst zur Regel geworden ist. Tennis als Themenwelt – und der Ball als Nebendarsteller.
Ticketvorverkauf unter www.championshipsmallorca.com