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Deutsche Segel-Nationalmannschaft kämpft vor Palma um Medaillen

Ab Montag beginnt die Regatta "Trofeo de Princesa Sofia" mit den besten Seglern weltweit aller olympischen Klassen

Zu den spektakulärsten und schnellsten Seglern zählen die Kite-Foil-Surfer, die man von der Strandpromenade in Arenal gut beobachten kann. | Foto: GST

| Mallorca |

Die Bucht von Palma de Mallorca ist ab Montag (30.3.) kein Ort für Spaziergängerblicke, sondern ein Prüfstand. Wer hier besteht, darf vom Sommer träumen – und von Medaillen. Bis zum 4. April versammelt die Trofeo Princesa Sofia Mallorca die Weltelite der olympischen Segelklassen. Für viele ist sie das, was Wimbledon für Tennisspieler oder Kitzbühel für Skifahrer bedeutet: ein Gradmesser, früh im Jahr, unerbittlich ehrlich.

Wie immer ist die Sofía der Startschuss“, sagt Bundestrainer Dom Tidey, der mit dem gesamten deutschen Olympia-Kader angereist ist. Rund 50 Athletinnen und Athleten hat er im Gepäck – und große Erwartungen. „Die Bucht von Palma ist vielleicht das beste Revier überhaupt. Hier müssen die jungen Profis zeigen, was sie können.“

Das klingt nach sportlicher Floskel, ist aber präzise gemeint. Denn Palma liefert, was Trainer lieben und Segler fürchten: konstante, aber anspruchsvolle Winde, die Fehler sichtbar machen wie ein Scheinwerfer auf offener Bühne. Wer hier patzt, tut es öffentlich.

Die Deutschen kommen vorbereitet. Wintertraining auf den Kanaren, danach ein fünfwöchiges Trainingslager auf Mallorca – der Aufwand ist beträchtlich. Die Tage beginnen früh, enden spät, dazwischen Videoanalysen, Materialchecks, Fitnessprogramme. Segeln ist längst Hochleistungssport mit minutiöser Planung. Und doch entscheidet am Ende oft ein einziger Moment: die richtige Böe, die bessere Linie, ein sauber gesetzter Start.

Die Ergebnisse aus dem Vorjahr geben Anlass zur Zuversicht: Vize-Europameister im ILCA 7, Silber im iQFOiL, dazu gleich vier Titel bei der Junioren-WM im 49er-Bereich. Namen wie Ole Schweckendiek oder Emma Schleicher stehen für eine Generation, die sich nicht mehr verstecken muss. Besonders in den Klassen 470 Mixed, Windsurf und 49erFX sieht Tidey seine Mannschaft gut aufgestellt. „Da haben wir im vergangenen Jahr Europa- und Weltmeister gestellt“, sagt er, fast nüchtern.

Doch Palma wäre nicht Palma ohne Konkurrenz. Mehr als 1150 Seglerinnen und Segler aus 59 Nationen haben gemeldet, 470 Boote kämpfen um Positionen, Linien, Sekunden. Bemerkenswert: Der Frauenanteil liegt bei 46 Prozent – ein Spiegel der olympischen Realität seit Paris 2024, wo erstmals vollständige Geschlechterparität herrschte. Vier Klassen für Frauen, vier für Männer, zwei gemischt. Gleichstand auf dem Wasser, zumindest formal.

Eine, die diesen Wandel verkörpert, segelt gewissermaßen zu Hause: Marta Cardona, 20 Jahre alt, von World Sailing zur besten Nachwuchsseglerin des Jahres 2025 gekürt. Wer ihr zuhört, hört keine Pathosreden, sondern erstaunliche Gelassenheit. „Ich bin einfach ein Mädchen, das hart gearbeitet hat“, sagt sie.

Ihre Karriere liest sich dennoch wie ein Beschleunigungsrausch: Europa- und Weltmeisterin im 420er, dann der Wechsel in die olympische 470er-Mixed-Klasse – und sofort wieder ganz oben. Gemeinsam mit Jordi Xammar gewann sie binnen weniger Monate EM und WM. Ein neues Duo, das wirkt, als segle es seit Jahren zusammen.

Vielleicht liegt das auch an Palma. „Mallorquinerin zu sein, ist ein Privileg“, sagt Cardona. Hier hat sie das Segeln gelernt, hier sah sie als Kind ihre Vorbilder – von britischen Olympiasiegerinnen bis zu spanischen Legenden. Heute ist sie selbst eine.

Für die deutschen Segler ist sie damit nicht nur Konkurrentin, sondern auch ein Maßstab. Denn die Sofía ist mehr als ein Wettbewerb: Sie ist ein Versprechen auf das, was kommt. Los Angeles 2028 wirft seine Schatten voraus, und selbst das Reglement wird hier bereits getestet. Neu ist vor allem das Finale: zwei Medal Races statt einem, mehr Chancen, mehr Wendungen, mehr Drama.

„Jedes Team soll eine echte Chance auf eine Medaille haben“, heißt es von den Organisatoren. Das klingt demokratisch – und erhöht den Druck.

Während draußen auf dem Wasser die Segel knattern, bleibt an Land kaum Zeit für große Analysen. Die Tage sind lang, die Rennen dicht getaktet. Wer einmal aus dem Rhythmus fällt, findet ihn schwer wieder.

Und doch liegt über allem eine eigentümliche Leichtigkeit. Vielleicht, weil Segeln trotz aller Professionalität ein Sport geblieben ist, der vom Elementaren lebt: Wind, Wasser, Timing. Keine Arena, kein Netz, kein Gegner zum Anfassen – nur die Natur und die eigene Entscheidung im richtigen Moment.

Für Dom Tidey ist das keine Romantik, sondern Alltag. „Hier sieht man sofort, wer bereit ist“, sagt er. Palma verzeiht nichts.Und genau deshalb beginnt hier jedes Jahr alles von vorn.

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