Als die Bucht von Palma de Mallorca am gestrigen Montagmorgen (23.3.) noch im Nebel lag, schob sich ein Dreimaster langsam aus dem Grau: die Danmark. 77 Meter lang, schnörkellos, fast aus der Zeit gefallen – und doch bis heute im Einsatz. Seitdem liegt das Segelschulschiff der dänischen Marine im Stützpunkt Porto Pi vor Anker, ein kurzer Zwischenstopp auf einer Route, die zuletzt über den Atlantik führte.
Gebaut wurde die „Danmark“ 1933 in Nakskov. Sie gehört heute zum maritimen Ausbildungszentrum in Frederikshavn und dient der Schulung von Kadetten – klassisch unter Segeln, aber ergänzt durch moderne Navigation. Dass ein Schiff aus dieser Zeit noch aktiv genutzt wird, ist selten. Dass es dabei eine derart bewegte Vergangenheit hat, eher ungewöhnlich.
Als Dänemark besetzt wurde, segelte die „Danmark“ einfach weiter
Die wohl prägendste Episode begann 1939 – ausgerechnet auf der anderen Seite des Atlantiks. Während eines Ausbildungstörns in New York wurde die Besatzung vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überrascht. Nach der deutschen Besetzung Dänemarks konnte das Schiff nicht zurückkehren. Stattdessen wurde es den USA zur Verfügung gestellt.
Dort schrieb die „Danmark“ ein Kapitel, das man eher einem amerikanischen Schiff zuschreiben würde: Sie wurde zur schwimmenden Ausbildungsstätte für die United States Coast Guard. Rund 5000 Kadetten wurden an Bord ausgebildet – mitten im Krieg, fern der eigentlichen Heimat des Schiffes. Erst 1945 kehrte die „Danmark“ nach Europa zurück. Dass ein dänisches Segelschiff einen Teil der US-Militärgeschichte mitgeschrieben hat, gehört zu den kurioseren Wendungen der Seefahrt. Später folgten deutlich friedlichere Einsätze, etwa als repräsentatives Schiff bei internationalen Veranstaltungen, unter anderem bei der Weltausstellung 1964 in New York.
Kleiner als gedacht – aber mit großer Rolle
Mit ihren 77 Metern wirkt die „Danmark“ imposant, gehört aber nicht zu den Giganten unter den Schulschiffen. Die spanische Juan Sebastián Elcano bringt es auf 113 Meter, die deutsche Gorch Fock immerhin auf 82 Meter. Die „Danmark“ segelt also eher im Mittelfeld – historisch spielt sie allerdings in einer anderen Liga. Auch ihre aktuelle Reise passt zu diesem Bild: gestartet auf den Azoren, Zwischenstopp in Algeciras, nun im Mittelmeer unterwegs. Kein großes Spektakel, sondern routinierter Ausbildungsbetrieb. Gerade das macht ihren Reiz aus – sie ist kein Museum, sondern ein funktionierendes Stück Geschichte.
Als ein Politiker die „Danmark“ zur Sparlösung erklärte
Für einen der ungewöhnlichsten Momente in der jüngeren Geschichte des Schiffes sorgte nicht die Marine, sondern die Politik. 2019 schlug ein Abgeordneter der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag vor, Deutschland und Dänemark könnten sich künftig ein Schulschiff teilen – als Reaktion auf die Kostenexplosion rund um die deutsche „Gorch Fock“.
Die Begründung war ebenso pragmatisch wie provokant: Ein gemeinsames Schiff wäre günstiger, symbolisch sinnvoll und würde Kooperation statt Konkurrenz fördern. Die „Gorch Fock“ wurde in diesem Zusammenhang mit dem Berliner Flughafen verglichen – teuer, problembehaftet, nie ganz fertig gedacht. Die Idee verschwand jedoch schnell wieder in der politischen Schublade. Geblieben ist eine Randnotiz, die gut zur „Danmark“ passt: ein Schiff, das immer wieder in unerwarteten Zusammenhängen auftaucht – im Krieg, bei Paraden oder eben in Spar-Debatten.
Noch bis Mittwoch bleibt die „Danmark“ in Palma, dann setzt sie ihre Reise fort. Für die meisten ist sie ein ungewöhnlicher Anblick im Hafen. Für die Kadetten an Bord ist sie Alltag – Ausbildung unter Bedingungen, die sich seit fast einem Jahrhundert kaum verändert haben.