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Testlauf für den Ernstfall

Eine Ölpest würde Mallorca hart treffen

José Ramón Bergueiro ist Chemiker an der Balearen-Universität und leitet das Forscherteam.

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José Ramón Bergueiro rechnet mit dem Schlimmsten: Der Chemiker an der Balearen-Universität leitet ein Forscherteam, das die möglichen Folgen einer Ölpest für Mallorca untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Selbst wenn bei einem Unfall im Rahmen der geplanten Bohrungen im Golf von Valencia nur vergleichsweise geringe Mengen Erdöl ins Meer und an die Küste der Insel gelangen würden, könnten die Kosten leicht mehrere Milliarden Euro betragen.

Im Golf von Valencia - etwas mehr als 100 Kilometer von Mallorca entfernt - sucht ein schottisches Unternehmen nach Erdöl, ab 2015 sollen Probebohrungen stattfinden. Das Forscherteam hat verschiedene Szenarien durchgerechnet und die möglichen Auswirkungen auf die Balearen-Inseln untersucht.

Da Ibiza und Formentera nur rund 40 Kilometer vom Schürfgebiet entfernt sind, laufen die Pitiusen-Inseln die größte Gefahr, von einer Ölpest betroffen zu sein. Bei entsprechenden Wind- und Strömungsverhältnissen könnte aber auch Mallorca direkt in Mitleidenschaft gezogen werden (siehe Grafiken der möglichen Szenarien).

Die Forscher haben fünf Simulatoren mit den entsprechenden Daten gefüttert. Zumindest drei der möglichen Szenarien würden die Balearen-Inseln direkt betreffen. Je nach Windrichtung und Strömung könnte der Ölteppich aber auch in Richtung Festland oder nach Nordafrika treiben.

"Der Sinn der Studie ist, Daten darüber zu bekommen, wie die Orte geschützt werden können, die von einer Ölpest betroffen wären", sagt Bergueiro. Sollte ein Ölteppich in Richtung Mallorca treiben, würde aller Voraussicht nach besonders der Südwesten der Insel in Mitleidenschaft gezogen. Von Santa Ponça bis hinauf nach Fornalutx würde die Küste diesem Szenario zufolge verschmutzt.

Bei den möglichen Auswirkungen einer solchen Ölpest haben die Forscher vor allem die finanziellen Folgen im Blick. Ausfälle im Tourismusgewerbe, in der Fischerei, Reinigungskosten, die Entsorgung des Öls - selbst bei einem vergleichsweise kleinen Leck würden sich die Kosten rasch auf "viele, viele" Milliarden Euro summieren, warnt Bergueiro.

Dabei seien gar nicht alle Schäden messbar: Sollte etwa nur eine der Balearen-Inseln betroffen sein, würde zweifellos der Tourismus in der gesamten Region leiden. Bergueiros Berechnungen liegt ein Ölteppich von 5000 Tonnen zugrunde - verglichen mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexico ein Klacks. Dort flossen im Jahr 2010 mehrere Hunderttausend Tonnen Öl ins Meer. "Wenn hier ein Unfall dieser Größenordnung geschehen sollte, dann gute Nacht", sagt Bergueiro.

Parallelen gibt es durchaus: Denn wie vor der Küste von Florida soll auch im Golf von Valencia in deutlich mehr als 1000 Meter Tiefe gebohrt werden. Die spanische Zentralregierung hat dem schottischen Unternehmen Cairn Energy PLC im Dezember 2010 eine Schürflizenz erteilt. Bei dem schottischen Konzern wartet man derzeit auf die Genehmigung, unter Einsatz von Schallwellen den Meeresboden untersuchen zu dürfen. Erste Bohrungen können frühestens 2015 stattfinden. Auf Mallorca ist die Ablehnung des Vorhabens einhellig: Das Balearen-Parlament hat sich im Frühjahr 2011 einstimmig gegen das Projekt ausgesprochen.

"Ich bin nicht gegen die Bohrungen", sagt Bergueiro. "Allerdings müssen die Regeln eingehalten werden." Unabhängige Experten müssten die Arbeiten zu jedem Zeitpunkt überwachen und die Einhaltung der Sicherheitsstandards garantieren. Außerdem müssten Notfallpläne erarbeitet werden, um auf eine mögliche Ölpest vorbereitet zu sein. Damit allerdings scheint es die balearische Regional-Regierung nicht besonders eilig zu haben. Bisher habe man sich mit diesem Thema nicht befasst, teilt eine Sprecherin des Umweltministeriums mit.

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