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Flüge nach Mallorca

Kerosin-Sorgen vor dem Mallorca-Sommer: Müssen deutsche Urlauber jetzt zittern?

Während internationale Organisationen vor möglichen Problemen warnen, zeichnen Airlines und Politik ein differenzierteres Bild. MM fasst zusammen

Urlauber am Flughafen Palma de Mallorca. | Foto: Archiv

| Palma, Mallorca |

Droht Europa und damit auch Mallorca wegen des Iran-Kriegs und der blockierten Straße von Hormus ein Kerosin-Engpass – oder bleibt der Sommer stabil? Während internationale Organisationen vor möglichen Problemen warnen, zeichnen Airlines und Politik ein differenzierteres Bild. Für Urlauber auf den Balearen stellt sich vor allem eine Frage: Wird man im Sommer überhaupt noch problemlos fliegen können?

Aus Sicht der Fluggesellschaften gibt es zunächst Entwarnung. Ein Lufthansa-Manager bestätigt zwar die angespannte Lage. "Ja, es ist kritisch", sagt er gegenüber der BILD-Zeitung. Gleichzeitig stellt er klar: "Das heißt aber nicht, dass der Flugverkehr zusammenbricht". Für Mallorca bedeutet das derzeit: Der Flugverkehr läuft stabil, und es gibt keine akuten Einschränkungen bei der Versorgung mit Kerosin.

Auch andere Airlines sehen kurzfristig keinen Anlass zur Sorge. "Wir sehen aktuell keine Probleme bei der Treibstoffversorgung und unsere Flüge laufen planmäßig", sagt eine Sprecherin von EasyJet. "Für den Sommer sind wir zu etwa 70 Prozent abgesichert und planen keine Änderungen am Flugprogramm". Diese Aussagen deuten darauf hin, dass zumindest in den kommenden Wochen ausreichend Treibstoff vorhanden ist und der Reiseverkehr nicht gefährdet ist.

Dennoch bereiten sich die Airlines im Hintergrund auf mögliche Verschärfungen vor. Bei Lufthansa könnten bis zu 40 ältere Flugzeuge stillgelegt werden, unrentable Strecken gestrichen und Flugpläne ausgedünnt werden, sagt der Manager gegenüber BILD. Auch andere Anbieter prüfen Anpassungen. "Wir prüfen fortlaufend mögliche Flugplananpassungen", sagt eine Sprecherin von Condor. Solche Maßnahmen würden Mallorca nicht unmittelbar vom Netz trennen, könnten aber dazu führen, dass Verbindungen möglicherweise seltener angeboten werden oder bestimmte, eher unrentable Strecken ganz wegfallen.

Spanien in besserer Position

Ein entscheidender Vorteil für Mallorca liegt in der besonderen Position Spaniens. Das Land ist deutlich weniger abhängig von Energieimporten aus dem Nahen Osten als viele andere europäische Staaten. Ein Großteil des benötigten Kerosins wird in spanischen Raffinerien selbst produziert. Dadurch ist die Versorgungslage stabiler als in Regionen, die stärker auf Importe angewiesen sind. Zudem haben Inselregionen wie die Balearen im Fall von Engpässen eine hohe Priorität, da der Luftverkehr dort unverzichtbar ist.

Auch von anderer Seite wird die Lage derzeit noch als stabil eingeschätzt. "Aktuell ist die Versorgung mit Flugtreibstoff an unserem Drehkreuz in Zürich sichergestellt", heißt es von Swiss gegenüber der BILD-Zeitung. "Aktuell sind keine Anpassungen unseres Flugprogramms geplant". Gleichzeitig wird jedoch betont: "Die Lage ist dynamisch und kann sich kurzfristig verändern". Diese Unsicherheit zeigt, dass die Situation zwar unter Kontrolle ist, sich aber rasch verändern kann, wenn der Iran-Konflikt anhält.

Während die physische Versorgung bislang gesichert ist, macht sich die Krise bereits deutlich bei den Kosten bemerkbar. Der Preis für Kerosin hat sich seit Beginn der Spannungen massiv erhöht. Für Fluggesellschaften ist Treibstoff einer der größten Kostenfaktoren, weshalb steigende Preise direkt an die Kunden weitergegeben werden. Auch wenn viele Airlines einen Großteil ihres Bedarfs im Voraus zu niedrigeren Preisen abgesichert haben, bleibt ein erheblicher Anteil den aktuellen Marktpreisen ausgesetzt. Für Reisende bedeutet das vor allem eines: Fliegen wird teurer.

Parallel dazu zeigt sich ein weiterer Effekt, der für Mallorca besonders relevant ist: die Entwicklung der Nachfrage. Viele potenzielle Urlauber reagieren auf die Unsicherheit und die steigenden Kosten, indem sie mit Buchungen abwarten. Gleichzeitig könnte Spanien kurzfristig sogar profitieren, da es im Vergleich zu anderen Regionen als sicheres Reiseziel gilt. Mittel- bis langfristig hängt die Entwicklung jedoch stark davon ab, wie sich die wirtschaftliche Lage insgesamt entwickelt und ob sich die Menschen weiterhin Reisen leisten können.

Fluganpassungen möglicherweise ab Juni

Auch die Branche selbst warnt vor möglichen Problemen, ohne jedoch von einem unmittelbaren Engpass zu sprechen. "Die aktuelle Lage im Nahen Osten und die Unsicherheit über ihre Dauer sorgen für zunehmende Bedenken hinsichtlich der Verfügbarkeit von Kerosin in Europa in den kommenden Wochen und Monaten", sagt der Airline-Verband A4E. Gleichzeitig fordern die Airlines politische Unterstützung, etwa durch bessere Koordination und geringere regulatorische Belastungen.

Unterm Strich ergibt sich ein klares Bild: Für den Moment ist Mallorca gut erreichbar, und es gibt keine Hinweise auf kurzfristige Probleme mit dem Flugverkehr. Sollte die Krise jedoch länger anhalten, könnten sich die Auswirkungen vor allem ab Juni verstärken. Möglich sind dann weiter steigende Preise, reduzierte Flugfrequenzen und punktuelle Anpassungen im Angebot. Für Urlauber bedeutet das: Der Sommer ist nicht unbedingt in Gefahr – aber er könnte teurer und etwas weniger flexibel werden als gewohnt.

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