Die Unsicherheit rund um die Treibstoffversorgung an europäischen Flughäfen sorgt auf Mallorca zunehmend für Unruhe – und macht sich auch in den Reisebüros deutlich bemerkbar. "Es gibt derzeit kaum einen Kunden, der nicht fragt, ob er seine Reise wie geplant antreten kann", erklärt Pedro Fiol, Präsident des Reisebüroverbands Aviba. Die Sorge sei keineswegs unbegründet, betont Fiol. Die Berichterstattung über mögliche Engpässe verunsichere viele – besonders auf den Balearen, wo der Flugverkehr eine zentrale Rolle spielt. "Für uns ist das kein Randthema, sondern von grundlegender Bedeutung", so der Branchenvertreter.
Hinzu kommt, dass sich viele Reisende über soziale Netzwerke informieren – oft ohne den nötigen Kontext. Das verstärke die Verunsicherung zusätzlich. In der Praxis bedeutet das: Nahezu jede Buchungsanfrage geht derzeit mit der gleichen Frage einher – ob ein Flug überhaupt wie geplant stattfinden wird.
Vorsichtige Entwarnung
Trotz der angespannten Lage gibt Fiol jedoch vorsichtig Entwarnung. Ein Sommer mit stillstehenden Flugzeugen sei aktuell nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher seien Anpassungen bei den Flugplänen. "Die Airlines werden verstärkt auf Wirtschaftlichkeit achten", erklärt er. Weniger rentable Strecken könnten gestrichen werden, während stark nachgefragte Verbindungen ausgebaut werden.
Ein gewisser Puffer besteht laut Branchenangaben dennoch: Ein Großteil des in Spanien verwendeten Flugkraftstoffs wird im Inland raffiniert. Doch auch das hat seine Grenzen. "Ein Flug endet nicht am Abflugort – auch am Ziel muss getankt werden. Wenn sich die Lage zuspitzt, kann niemand ausschließen, dass es Auswirkungen gibt", gibt Fiol zu bedenken.
Die Verunsicherung schlägt sich bereits in den Zahlen nieder. Die Umsätze der Reisebüros auf den Balearen liegen derzeit fünf bis zehn Prozent unter den ursprünglichen Erwartungen. Von einem Einbruch könne zwar keine Rede sein, wohl aber von spürbarer Zurückhaltung. "Die Menschen überlegen genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben", so Fiol. "Die Reiselust ist weiterhin da – aber Unsicherheit bremst."
Besonders betroffen sind Ziele in der Nähe aktueller Krisenregionen, etwa die Vereinigten Arabischen Emirate oder Gebiete rund um den Iran. Andere Destinationen zeigen sich hingegen robuster: Ägypten behauptet sich weiterhin gut im Markt, nicht zuletzt dank attraktiver Angebote. Auch die Türkei, zunächst von einem Nachfragerückgang betroffen, erholt sich inzwischen wieder – nicht zuletzt wegen ihrer Rolle als wichtiges Drehkreuz zwischen Europa und Asien.
Etwas schwieriger gestaltet sich die Lage für Fernreisen nach Asien. Um den Luftraum über dem Golf zu meiden, müssen Airlines teils auf längere Routen ausweichen – mit spürbaren Mehrkosten. Diese schlagen sich letztlich in den Reisepreisen nieder und dämpfen die Nachfrage. Umso wichtiger sind stabile Direktverbindungen wie die Strecke Madrid–Bangkok, die vielen Kunden ein Stück Sicherheit geben.
Wann sich die Lage entspannt, ist derzeit schwer abzusehen. "Entweder gewöhnen sich die Menschen an die Situation – oder die echte Normalität kehrt erst mit einem Ende der Konflikte zurück", sagt Fiol. Aktuell befinde man sich in einer Phase, in der die Unsicherheit überwiegt. Klar sei jedoch: Die Nachfrage werde zurückkehren. Entscheidend dafür sei vor allem eines – Vertrauen.