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Urlaub auf Mallorca

"Seuchenschiff" legt in Spanien an: Muss ich im Mallorca-Urlaub Angst vor dem Hantavirus haben?

Der aktuelle Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "MV Hondius" sorgt weltweit für Aufmerksamkeit – und wirft auch auf Mallorca Fragen auf

Auf den Kapverden wurden mehrere Passagiere des Schiffs versorgt. | Foto: D. Sequeira (REUTERS)

| Palma, Mallorca |

Der aktuelle Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff "MV Hondius" sorgt weltweit für Aufmerksamkeit – und wirft auch auf Mallorca Fragen auf. Nachdem mehrere Menschen an Bord erkrankten und drei Passagiere starben, hat Spanien zugestimmt, das Schiff aufzunehmen und die Betroffenen über die Kanaren medizinisch zu versorgen.

Inzwischen kündigte Verteidigungsministerin Margarita Robles an, dass die Rückführung der 14 betroffenen spanischen Passagiere bereits vorbereitet werde. Sie sollen mit einem speziell ausgestatteten Militärflugzeug nach Madrid gebracht und dort freiwillig unter Quarantäne im Militärkrankenhaus Gómez Ulla gestellt werden. Nach Angaben der Regierung seien die Rückkehrer derzeit symptomfrei, dennoch würden strenge Sicherheits- und Hygieneprotokolle gelten.

Was ist das Hantavirus?

Im Mittelpunkt des Ausbruchs steht das Hantavirus, eine seltene, aber potenziell lebensgefährliche Infektionskrankheit, die vor allem über Nagetiere übertragen wird. Menschen infizieren sich meist durch das Einatmen von Viruspartikeln aus Urin, Kot oder Speichel infizierter Mäuse und Ratten. Besonders riskant gelten geschlossene Räume wie Keller, Lagerhallen oder Schuppen, in denen kontaminierter Staub aufgewirbelt werden kann.

Die Krankheit beginnt häufig mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Übelkeit. In schweren Fällen entwickelt sich daraus jedoch das sogenannte Hantavirus-Lungensyndrom mit akuter Atemnot und schwerem Lungenversagen. Die Sterblichkeitsrate kann bei schweren Verläufen bis zu 40 Prozent betragen. Eine spezifische Therapie oder Impfung gibt es bislang nicht.

Um welche Variante handelt es sich?

Besondere Aufmerksamkeit gilt derzeit der sogenannten Anden-Variante des Virus, die vor allem in Argentinien und Chile vorkommt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Hantavirus-Arten kann diese Variante in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Genau diese Möglichkeit wird aktuell beim Ausbruch auf der "MV Hondius" untersucht. Das Schiff war Anfang April im argentinischen Ushuaia gestartet. Die engen Räume an Bord und der dauerhafte Kontakt zwischen Passagieren und Crew gelten grundsätzlich als günstige Bedingungen für eine mögliche Übertragung.

Kann eine neue Pandemie ausgelöst werden?

Experten betonen jedoch, dass Hantavirus trotz der aktuellen Schlagzeilen keine neue Pandemie wie Covid-19 auslösen werde. Ramón García, Leiter des epidemiologischen Dienstes der balearischen Gesundheitsbehörde, erklärt, dass das Virus deutlich schlechter übertragbar sei als das Coronavirus. Für eine Ansteckung zwischen Menschen sei nach bisherigem Kenntnisstand ein sehr enger und längerer Kontakt notwendig.

Zudem gebe es auf Mallorca keine natürliche Infektionsquelle. Die besonders gefährliche Anden-Variante ist auf bestimmte Regionen Südamerikas begrenzt und wird dort vor allem durch wilde Nagetiere übertragen. Auf den Balearen wurden bislang keine Fälle registriert. Auch der starke Tourismus auf der Insel ändere daran aktuell nichts, da die bekannten Infektionen eng mit Aufenthalten in Risikogebieten und Kontakt zu infizierten Nagetieren verbunden seien.

Dennoch zeigt der Fall, wie schnell lokale Infektionskrankheiten in einer global vernetzten Welt internationale Auswirkungen haben können. Experten beobachten zudem mit Sorge, dass steigende Temperaturen und der Klimawandel die Ausbreitung bestimmter Nagetierpopulationen begünstigen könnten, was langfristig auch das Risiko zoonotischer Krankheiten erhöht.
Die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt deshalb Prävention: geschlossene Räume gut lüften, Kontakt mit Nagetierkot vermeiden und potenziell kontaminierte Bereiche nur mit Schutzmaßnahmen reinigen.

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