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Immobiliencoup in Palma: Kult-Kaufhaus Rialto Living wird verkauft

Der Unternehmer Víctor Madera baut sein Palma-Portfolio damit weiter aus. Mit dem Kauf von Rialto Living wächst sein Einfluss im historischen Zentrum

Rialto Living gilt seit seinem Start 2014 als eines der inspirierendsten Einzelhandelskonzepte der Insel: Ein Mix aus Mode, Wohnaccessoires, Kunst und Café in historischen Mauern | Foto: Patricia Lozano

| | Mallorca |

Der Unternehmer Víctor Madera, CEO des größten privaten Gesundheitskonzern namens Quirón in Spanien, hat nach einem Bericht der MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“ das Gebäude des legendären Rialto Living im Altstadtzentrum von Palma de Mallorca übernommen. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht, doch es handelt sich um eine der wertvollsten Adressen im historischen Kern der Hauptstadt. Zuvor beherbergte das Ensemble das ehemalige Rialto-Kino und davor ein Landhaus aus dem 18. Jahrhundert. Für Madera ist dies der neueste Coup in einer Reihe spektakulärer Transaktionen. Seine Aktivitäten reichen von der Übernahme historischer Bildungszentren über Umnutzungen bis hin zur touristischen Nutzung denkmalgeschützter Gebäude.

Vom Kino zum Konzept-Store: Die Geschichte von Rialto Living

Rialto Living gilt seit seinem Start 2014 als eines der inspirierendsten Einzelhandelskonzepte der Insel: Ein Mix aus Mode, Wohnaccessoires, Kunst und Café in historischen Mauern – heute ein Magnet für anspruchsvolle Bewohner und Besucher. Das Gebäude selbst verbindet mediterrane Geschichte mit modernem Lifestyle: In seinen Mauern waren bereits im Jahr 1926 Filme zu sehen, lange bevor es zur Galerie-artigen Shopping-Adresse wurde. Die Schweden Käll und Bergman, mit Wurzeln im internationalen Design-Business – unter anderem Mitgründer der Marke Gant - haben den Laden über Jahre zu einem kulturellen Knotenpunkt ausgebaut, der Mode, Kunst und lokale Kreativität vereint. Im Zuge des Verkaufs wurde vereinbart, dass das schwedische Gründerpaar den Geschäftsbetrieb von Rialto Living für mehrere Monate fortführt – ein Zugeständnis, das die kulturelle Kontinuität im Herzen Palmas sichern soll.

Can Alomar: Das spektakuläre Schwergewicht am Passeig del Born

Parallel zu dieser Transaktion steht ein anderes historisches Schwergewicht in direkter Nachbarschaft im Rampenlicht der Immobilienspekulation: der Stadtpalast Can Alomar am Passeig del Born. Dieses prachtvolle Ensemble mit rund 7000 Quadratmetern– inklusive Luxus-Hotel, exklusiven Shops und Büroflächen – ist seit längerem im schwedischen Besitz und derzeit das teuerste zum Verkauf stehende Objekt auf Mallorca.

Medienberichten zufolge liegt der geforderte Preis bei 100 Millionen Euro und könnte je nach Angebot bis etwa 140 Millionen Euro erreichen. Damit übertrifft Can Alomar alle bisherigen Top-Objekte am Immobilienmarkt der Insel. Wie bei vielen Palästen Palmas erzählt auch die Geschichte von Can Alomar von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Dynamik: Ursprünglich im Besitz einer wohlhabenden Familie aus Puerto Rico im 19. Jahrhundert, wechselte das Anwesen mehrfach seine Besitzer. Später wurde es zu einem Symbol der exklusiven Einkaufsmeile am Borne mit internationalen Luxus-Brands wie Louis Vuitton und Massimo Dutti.

Die Rolle schwedischer Investoren auf Mallorca

Sowohl Rialto Living als auch Can Alomar reflektieren die Rolle skandinavischer Investoren im palmesanischen Immobilienmarkt: Käll und Bergman prägten über ein Jahrzehnt das Retail- und Kulturangebot der Altstadt, während der aktuelle Eigentümer von Can Alomar ebenfalls schwedische Wurzeln hat und nun einen Teil seines Engagements veräußert. Solche Transaktionen stehen exemplarisch für einen breiteren Trend: Palma wird immer mehr zu einem internationalen Hotspot für Luxusimmobilien, Boutique-Hotels und Konzeptflächen – ein Markt, in dem historische Substanz und moderne Nutzung zunehmend Hand in Hand gehen.

Die Entwicklungen werfen aber nicht nur wirtschaftliche Fragen auf, sondern auch kulturelle: Historische Bauten werden zu Kapitalanlagen, während Stadtzentren sich wandeln. Kritiker sehen darin eine Tendenz zur Gentrifizierung, die lokale Identität und soziale Strukturen verändert. Befürworter hingegen betonen, dass viele dieser Objekte nur durch internationale Investitionen nachhaltig erhalten worden seien. Für Mallorca bedeutet dies: Die Insel bleibt ein hoch attraktiver Markt für globale Investoren – doch der Balanceakt zwischen Bewahrung des kulturellen Erbes und wirtschaftlicher Nutzung wird zunehmend zum Prüfstein für Politik und Gesellschaft.

Mit dem Verkauf von Rialto Living an Víctor Madera und dem potenziell größten Verkaufsobjekt aller Zeiten am Passeig del Born rückt Palmas historisches Zentrum einmal mehr ins Scheinwerferlicht der internationalen Immobilienwelt. Die jüngsten Transaktionen zeigen: Historische Substanz ist längst nicht nur Kulturgut – sie ist Kapital, Prestige und zunehmend strategischer Bestandteil globaler Investitionsentscheidungen.

Was ist die Quirón-Unternehmensgruppe?

Die Quirón-Gruppe ist Spaniens größter privater Gesundheitskonzern. Unter dem Namen Quirónsalud betreibt die Gruppe landesweit ein dichtes Netz aus Privatkliniken, Krankenhäusern und medizinischen Zentren. Dazu gehören große High-End-Kliniken in Metropolen wie Madrid oder Barcelona ebenso wie spezialisierte Häuser in Urlaubsregionen – auch auf Mallorca.

Eigentümer und prägende Figur ist Víctor Madera, der das Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut hat. 2016 wurde Quirónsalud mehrheitlich vom deutschen Gesundheitsriesen Fresenius (Helios) übernommen, Madera blieb jedoch als Präsident an Bord und lenkt weiterhin die strategische Entwicklung. Bemerkenswert: Neben dem Kerngeschäft Gesundheit investiert Madera privat stark in historische Immobilien, Hotels und Stadtpaläste – vor allem auf den Balearen.

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