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Benzin

Zwei Zapfsäulen, zwei Welten: Warum Tanken auf Mallorca trotz Iran-Krieg viel billiger ist als in Deutschland

Während Autofahrer in Deutschland seit Beginn der Nahost-Eskalation mehr als zwei Euro pro Liter zahlen, bleiben die Preise auf der Insel deutlich niedriger. Das sind die Gründe

Trotz Insellage fällt die Preiserhöhung an den Tankstellen auf Mallorca aufgrund des Konfliktes im Nahen Osten weniger drastisch aus, als in Deutschland. (Symbolfoto) | Foto: ALEX SEPULVEDA

| Mallorca |

Der Blick auf die Preistafel an einer Tankstelle kann derzeit zur kleinen geopolitischen Lehrstunde werden. In Deutschland steht dort vielerorts eine Zwei vor dem Komma, während auf Mallorca eine Eins blinkt. Trotz des Kriegs im Nahen Osten, trotz der Nervosität an den Ölmärkten – Tanken ist auf der Insel weiterhin spürbar günstiger als in der Bundesrepublik.

Ein Vergleich der Zahlen vom 11. März zeigt die Unterschiede besonders deutlich. In Deutschland kostete Super E10 im bundesweiten Schnitt rund 2,01 Euro pro Liter, Diesel etwa 2,13 Euro. Vor allem im bevölkerungsreichen Bundesland Nordrhein-Westfalen lagen viele Preise sogar leicht darüber. An zahlreichen Tankstellen zwischen Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet wurden 2,03 bis 2,05 Euro für Super und bis zu 2,18 Euro für Diesel aufgerufen.

Auf Mallorca wirkt dieselbe Zapfsäule plötzlich fast wie aus einer anderen Zeit. Auf den Balearen lag der Durchschnittspreis für 95-Oktan-Benzin zuletzt zwischen 1,72 und 1,78 Euro, Diesel bewegte sich meist zwischen 1,65 und 1,72 Euro pro Liter. Selbst in touristischen Gegenden rund um Palma bleibt damit ein Abstand von rund 35 bis 40 Cent pro Liter zu Deutschland.

Zwei Tankstellen, 40 Cent Unterschied

Rechnet man das auf eine Tankfüllung hoch, wird die Differenz greifbar. Wer einen Mittelklassewagen mit 60 Litern volltankt, zahlt in Nordrhein-Westfalen derzeit bis zu 24 Euro mehr als auf Mallorca. Der Unterschied ist besonders bemerkenswert, weil Inseln normalerweise als teure Energie-Standorte gelten. Treibstoff muss per Tanker angeliefert werden, Raffinerien stehen auf dem Festland. Doch selbst dieser logistische Nachteil hebt die Preise auf den Balearen nicht auf deutsches Niveau. Für viele Urlauber wirkt das fast absurd: Am Flughafen einen Mietwagen übernehmen, zum ersten Mal tanken – und feststellen, dass die Zapfsäule auf Mallorca deutlich gnädiger ist als die heimische Tankstelle.

Der Krieg treibt die Märkte

Auslöser der jüngsten Preissprünge ist der Konflikt im Nahen Osten. Die militärische Eskalation rund um den Iran hat eine der sensibelsten Energie-Routen der Welt ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt: die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge zwischen Iran und Oman fließt rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls. Die Angst vor Versorgungsproblemen ließ den Preis der Nordsee-Sorte Brent zeitweise über 120 Dollar pro Barrel steigen. Inzwischen pendelt er wieder um die Marke von 100 Dollar – doch die Preisschocks sind längst an den Zapfsäulen angekommen.

In Deutschland zeigt sich das besonders deutlich: Seit Beginn der Angriffe Ende Februar ist Super E10 rund 23 Cent teurer, Diesel sogar fast 40 Cent pro Liter. Diesel reagiert in Krisenzeiten traditionell stärker als Benzin – und in Deutschland noch einmal stärker als anderswo. Der Grund: Die deutsche Wirtschaft ist in hohem Maß auf den Kraftstoff angewiesen. Lastwagen, Industrieanlagen und teilweise sogar Heizsysteme greifen darauf zurück. Gleichzeitig muss Deutschland einen erheblichen Teil seines Diesels importieren. Wenn internationale Lieferketten unter Druck geraten, schlägt sich das deshalb schnell in steigenden Preisen nieder. Der Effekt ist im Güterverkehr besonders deutlich zu spüren: Transportverbände melden bereits drastisch steigende Betriebskosten.

Steuern als heimlicher Preistreiber

Der vielleicht wichtigste Unterschied zwischen Mallorca und Deutschland steckt jedoch nicht im Ölmarkt, sondern im Steuersystem. In Deutschland bestehen rund zwei Drittel des Benzinpreises aus Steuern und Abgaben – Energiesteuer, Mehrwertsteuer und die CO₂-Abgabe eingeschlossen. Diese Struktur sorgt dafür, dass jeder Preisanstieg beim Rohöl besonders stark beim Endverbraucher ankommt.

Spanien verfolgt traditionell eine moderatere Besteuerung von Kraftstoffen. Dadurch bleibt der Endpreis selbst dann niedriger, wenn der Ölpreis weltweit steigt. Das führt zu der paradoxen Situation, dass Autofahrer auf einer Mittelmeerinsel – weit entfernt von den großen europäischen Raffinerien – derzeit günstiger tanken als im industriellen Kernland Deutschlands.

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