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Gepäck - Darf's ein Kilo mehr sein?

In Zeiten explodierender Energiepreise nehmen Airlines die Koffer ins Visier

Foto: Patricia Lozano

In den siebziger Jahren wurden Flugreisende in den USA je nach ihrem Körpergewicht in der Maschine platziert. Was damals beim Treibstoff sparen half, ist jenseits des Atlantiks auch heute wieder im Gespräch und soll auch im Ticketpreis berücksichtigt werden. Schon jetzt müssen Übergewichtige auf inneramerikanischen Strecken zwei Sitzplätze buchen.

In Europa haben die Airlines in Zeiten der Wirtschaftskrise und explodierender Energiepreise zwar noch nicht die Passagiere im Visier, wohl aber deren Koffer. „Die Intransparenz bei den Flugpreisen wird angesichts der vielen kostenpflichtigen Zusatzoptionen von Jahr zu Jahr größer. Das gilt insbesondere auch für das Thema Übergepäck", sagt Dr. Michael Haberland vom Verkehrsverein mobil e.V., der seit 2006 in einem jährlich erscheinenden Flugatlas die Leistungen der Billigflieger miteinander vergleicht.

In der Tat scheinen die Airlines auch 2011 verstärkt Ausschau nach Zusatzeinnahmen zu halten: Im Juli erhöhte Air Berlin seine Übergepäckrate von zehn auf 15 Euro pro Kilo, während Condor, Tuifly oder Vueling (vorerst) bei zehn Euro bleiben. Easyjet (zwölf Euro) oder Ryanair (20 Euro) kassieren bereits seit Längerem überdurchschnittliche Aufschläge.

Gab es früher noch eine recht großzügige Toleranz, so hat sich das Handling-Personal inzwischen zunehmend penibel an die Regelungen zu halten. Für Überschreitungen bleibt nur noch wenig Spielraum - laut Insidern oft nur noch bis zu maximal 0,5 Kilo.

Wobei sich die Pressesprecher von Lufthansa, Condor & Co. allesamt weigern, eine offizielle Toleranzgrenze zu kommunizieren. „Vor allem in der Hochsaison sollte man sich bitte genau an die Vorgaben halten und mit Souvenirs vorsichtig sein", lässt sich Air-Berlin- Sprecherin Alexandra Bakir als Einzige eine etwas weitergehende Aussage entlocken.

Manche Fluggäste sind inzwischen so erbost, das bei MM bereits Beschwerden über angeblich falsch geeichte Waagen am Flughafen von Palma eingegangen sind - was von der Betreiberfirma Aena energisch dementiert wird und möglicherweise damit zu tun hat, dass die Waagen zu Hause für einen Koffer einfach nicht geeignet sind.

Wirklich genau sind ausschließlich spezielle Gepäckwaagen, die am Handgriff angebracht werden und ab etwa sieben Euro erhältlich sind. Nachwiegen kann man in Zweifelsfällen übrigens für 20 Cent auf den extrabreiten Personenwaagen in vielen Apotheken Mallorcas - oder einfach kostenlos auf einem Band am Flughafen. Die digitalen Waagen bleiben stets auch dann in Betrieb, wenn der Schalter unbesetzt ist.

Gefragt sind in der Hauptsaison aber auch die Dienste einer Station, die im Abflugbereich Gepäckstücke mit Klarsichtfolie umhüllt. In der Gebühr von sechs Euro ist auch das Wiegen inklusive. Möglicherweise eine lohnende Investition, wenn man bedenkt, dass durch das sogenannte „Stückkonzept" bei Airlines wie der Lufthansa inzwischen schon ab dem ersten Kilo Übergepäck eine Einmalgebühr von 50 Euro fällig wird. Auf Interkontinentalflügen sind es sogar 150 Euro.

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