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Sündenfall Urdangarin

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Laut der Chronistin, Buchautorin und Königshaus-Insiderin Pilar Urbano soll bereits im Jahr 2011 bei einem „Geheimtreffen” der Staatsspitze eine Haftstrafe für Iñaki Urdangarin befürwortet worden sein. Das klingt nebulös, doch es steht fest, dass Infantin Cristina mit der aktuellen Entscheidung wesentlich besser weggekommen ist als ihr Gatte. Ob zu Recht oder nicht: Man muss das Ganze nicht als „Musterfall der Gewaltenteilung” feiern. Man kann es auch als Zynismus im Interesse der Staatsräson sehen. Urdangarin taugt den Institutionen als Sündenbock, um ihre Glaubwürdigkeit wiederherzustellen und sich weiß zu waschen. Wo kämen wir hin, wenn alle mit dem Finanzamt so umgehen würden wie die Stiftung Nóos? Das Ergebnis täuscht jedoch darüber hinweg, dass der Luftikus und ehemalige Sportler die Nähe zum Königshaus zwar auf dreiste Art maßlos ausgenutzt hat, er aber nicht die seit Jahrzehnten in Spanien grassierende Korruption erfunden hat. Dabei geht es nicht nur um illegale Bereicherung. Es fängt zum Beispiel damit an, dass ein junger Handballer durch seinen gesellschaftlichen Status auch ohne Abitur den Abschluss der Elite-Hochschule ESADE erwerben konnte. Sein Professor Diego Torres wird es heute sicher bereuen! Ein System aus den Zeiten von Juan Carlos und der nun in die Opposition verbannten Volkspartei PP – der auch der Balearen-Politiker Jaume Matas angehörte – oder einfach Symptome, die tief in der Gesellschaft verwurzelt sind? Für Urdangarin und Cristina ist jedenfalls zu hoffen, dass ihre Familie nicht an Dingen zerbricht, die offenbar vor wenigen Jahren noch als (fast) „normal” angesehen wurden. Überhaupt sollte man überlegen, inwieweit Privilegien und Adelstitel wie der „Herzog von Palma” noch zeitgemäß sind. Erst recht, wenn es um den kürzlich für Diktatoren-Erben bestätigten „Herzog von Franco” geht. Die Frage zwischen Monarchie und Republik könnte sich sonst schneller stellen als manche glauben. Selbst wenn es im Interesse der politischen und wirtschaftlichen Stabilität wohl besser wäre, damit noch eine halbe Generation abzuwarten. Autor: Michael Maier

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