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Wenn das Reisen zur Qual wird

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Jeder, der in diesen Sommertagen zum Flughafen von Mallorca kommt, einen pünktlichen Flug erwischt und dann auch noch ohne längeres Warten durch die Sicherheitskontrolle gelangt, ist gut beraten, ob seines Glücks zu jubilieren. Denn dies kommt momentan nicht allzu oft vor. Zu sehr werden die coronabedingt weiterhin unterbesetzten Airports in Europa derzeit von urlaubswütigen Menschenmassen gestürmt. Alles gerät durcheinander, taucht ein Problem auf, löst es eine weitere Kette von Unregelmäßigkeiten aus – etwa am Kofferband, an der Sicherheitsschleuse oder, wenn man das Pech hat, Brite zu sein, bei der obligatorischen Passkontrolle.

Dass es so kommt, wie es gekommen ist, hätte man in den Airports und auch bei massenhaft Flüge streichenden Airlines wie etwa Eurowings oder Lufthansa zumindest erahnen können, zumal sich Unternehmen wie Tuifly oder Condor offenbar besser vorbereiteten. Es war halt so, dass sich schon im Spätwinter eine durchgreifende Entspannung an der Pandemiefront abgezeichnet hatte. Deswegen wurden auf breiter Front Einreiseregeln gelockert. Und man konnte auch prognostizieren, dass dieses Jahr besonders viele Menschen einfach nur das Eine wollen, nämlich mit Spaß an der Sache zu verreisen, koste es, was es wolle. Jetzt ist die Lage, wie sie ist (S. 6) , und man muss als Passagier irgendwie mit den Problemen klarkommen. Viele werden sich in Grund und Boden ärgern, wenn ihnen ein Flug annulliert wird, wenn der Koffer plötzlich weg ist (S. 36), oder wenn man sich am Taxistand des Insel-Flughafens bei 35 Grad die Beine in den Bauch steht.

Es ist das nicht ganz überraschende Wiedererwachen des reisefreudigen Teils der Menschheit in der Endphase der Pandemie, das zu konstatieren ist. Umgangssprachlich kann man vom sogenannten Ketchup-Effekt sprechen: Zwei Jahre durfte man nicht wie früher ungehindert reisen, jetzt darf man es, und man tut es mit noch erheblich mehr Lust als in den Zeiten vor Corona.

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