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Konzertführer: Liszt, Glasunow und Franck im 4.Abokonzert im Trui Teatre

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„Passió en color“ – Leidenschaft in Farbe – lautet das Motto, unter das Pablo Mielgo das 4.Abokonzert im Trui Teatre am kommenden Donnerstag (9.Februar) gestellt hat. „Les Préludes“ von Liszt, die Sinfonie in d-Moll von César Franck und - zusammen mit dem Geiger Sergei Dogadin – das Violinkonzert von Alexander Glasunow wird er aufführen. Leidenschaft und orchestrale Farbigkeit zeichnen alle drei Werke des Abends aus.

Les Préludes ist, wie auch Beethovens Neunte und manche andere Klassiker, ein Beispiel für politische Vereinnahmung durch die Nazis: die Fanfaren darin dienten als Intro in die „Deutsche Wochenschau“. Fast noch peinlicher ist, dass Karl Böhm, nach dem Krieg als großer Mozartinterpret gefeiert, sich dazu hergab, das Werk im Auftrag Goebbels‘ zu dirigieren, betont bombastisch und ganz nach dem Geschmack der Reichmusikkammer. Davon gibt es eine Filmaufnahme. – Ich hoffe, Ihnen nicht den Appetit verdorben zu haben. Was Liszt komponiert hat, zwischen 1848 und 1854, also rund 80 Jahre vor der Machtübernahme durch die Nazis, hat mit dem Heldenpathos, in dessen Dienst es die nationalsozialistische Kulturbürokratie gestellt hat, nichts zu tun. Der Beginn ist völlig unmartialisch, eine wehmütige Melodie erscheint quasi aus dem Nichts. Was folgt, ist von der Gedichtsammlung Méditations poétiques des französischen Dichters Alphonse de Lamartine inspiriert und stellt die Phasen des Lebens als Vorspiele (Préludes) zur Melodie des Todes dar: Kämpfe, Stürme, Liebesglück und Schmerz, Trost und Erleben der Natur werden hier programmatisch in Musik gesetzt. Die „Nazi-Fanfare“ klingt im Original weit weniger bombastisch als in dem unseligen Wochenschau-Jingle.- Trotz der Stimmungsgegensätze, die sich in dem Werk widerspiegeln, ist Les Préludes von großer Geschlossenheit. Die Instrumentierung ist von Berlioz beeinflusst und gibt dem Orchester die Möglichkeit, seine ganze Farbpalette auszuspielen. Wenn Sie die Struktur erfassen wollen, hören Sie sich am besten mal die Klavierfassung (mit eingeblendetem Notentext) an. Eine Gesamtaufführung der Orchesterversion gibt’s als Viedeo hier.

Das Violinkonzert in a-Moll ist eines der beliebtesten Werke von Alexander Glasunow. Es entstand 1904 und wurde ein Jahr später in St.Petersburg uraufgeführt. Es ist repräsentativ für den technisch brillanten Stil des Komponisten. Es hat keine Pausen und nummerierte Abschnitte, dennoch wird es oft als dreisätztig beschrieben. Eine formale Finesse besteht darin, dass der langsame zweite Satz vom Komponisten nahtlos in die Mitte des ersten eingefügt wurde. Die Hauptkadenz am Ende dieses Kopfsatzes stammt von Glasunow selbst und stellt mit ihrer umfangreichen Doppelgrifftechnik einen der schwierigsten Teile des Konzerts dar.

Einen Gesamteindruck können Sie sich bei YouTube verschaffen. Und Karten gibt’s auf der Website des Trui Teatre.

César Franck (1822-1890) wird oft als der „französische Brahms“ bezeichnet. Er hat deutsche Wurzeln, aber das und vielleicht noch die Instrumentierung ist auch schon alles an Gemeinsamkeiten. Im Gegensatz zum Freigeist Brahms war er tief religiös und wurde deshalb von seinen Bewunderern der Heilige Franziskus der Musik genannt. Aber mit Heiligem war da, wie Konrad Beikircher in seinem ziemlich kabarettistischen Konzertführer meint, nicht viel los, „so brodelt das Freud’sche Unbewusste unter der Oberfläche.“ Ähnlich wie Bruckner ist er ein „gefundenes Fressen“ für Psychoanalytiker. Aber das nur am Rande. Wichtiger für uns ist, dass er auf sehr weltliche Manier den französischen Komponisten den Weg zu einer eigenen symphonischen Sprache gewiesen hat. – 1886 fing er mit ersten Skizzen zur d-moll-Sinfonie an und stellte die Partitur 1887 fertig. Einem seiner Schüler hat er über sein Werk gesagt: „Es ist eine klassische Symphonie. Zu Beginn des ersten Satzes findet sich eine Reprise, wie man sie früher anwandte, um die Themen eindringlicher erscheinen zu lassen.“ Hören Sie sich diesen Beginn einmal an. Fällt Ihnen etwas auf? Richtig, die Ähnlichkeit mit dem Anfang der Liszt’schen Préludes ist unverkennbar. Das mag Zufall sein, erscheint mir aber trotzdem der Erwähnung wert, zumal dieses Anfangsmotiv im weiteren Satzverlauf eine bedeutende Rolle spielt. Als Hauptthema (Allegro) klingt es dann so. – Franck weiter an seinen Schüler: „Dann folgen ein Andante und ein Scherzo, die miteinander verknüpft sind. Dabei hat mir vorgeschwebt, dass eine Zählzeit des Andante einem Scherzotakt entspricht, so dass nach der vollständigen Entwicklung der zwei Abschnitte beide übereinandergeschichtet werden können.“ Das klingt kompliziert, hört sich aber im Endeffekt einfacher an, als es ist. – Das Finale greift wie in der Neunten von Beethoven alle Themen wieder auf, aber sie erscheinen nicht als Zitat. „Ich habe sie so angelegt, dass sie die Rolle neuer Elemente einnehmen. Ich glaube, dass es gut geworden ist.“

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