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Wenn die Welt für einen Moment in Ordnung ist

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So stärken Glimmer unsere mentale Gesundheit und unser Wohlbefinden

Das heutige Wetter mit Wind und Regen ist perfekt geeignet, um mich in eine herbstliche Stimmung zu versetzen. Dabei ist es hier auf Mallorca aber trotzdem angenehm warm und auch das Grau des Himmels ist weit weniger bedrohlich, als beispielsweise am Bodensee, wo es um diese Jahreszeit auch schon mal deutlich rauer zugehen kann. Diese Stimmung erinnert mich an gemütliche Stunden auf dem Sofa oder lange Gespräche mit Freunden in meinem Lieblingscafé mit Tee und hausgemachtem Küchen. Ich fühle mich wohl. Aber dazu später mehr.

Ich möchte heute über ein Thema schreiben, das ich selbst erst vor ein paar Tagen für mich entdeckt habe. Vermutlich haben Sie schon einmal etwas von sogenannten "Triggern" gehört. In Medizin und Psychologie versteht man darunter Auslöser für einen Vorgang, der eine Empfindung, einen Affekt (ein Gefühl), ein Symptom oder eine Erkrankung auslösen kann.

Gerade im Zusammenhang mit in der Vergangenheit erlebten traumatischen Erfahrungen, kann durch einen solchen Schlüsselreiz ein Flashback ausgelöst werden. Die betroffene Person hat dabei ein durch den Trigger ausgelöstes plötzliches, intensives Wiedererleben an vergangene Erlebnisse oder frühere Gefühlszustände; das kann so stark sein, dass die Person unfähig ist, dieses als Erinnerung zu erkennen und erlebt es geradezu als aktuelles Ereignis.

Im Internet und den sozialen Medien gibt es heutzutage zahlreiche "Trigger-Warnungen", die Betroffene alarmieren sollen, dass durch das Lesen eines Textes oder Anschauen eines Bildes oder Videos starke, meist unangenehme Gefühle und Erinnerungen auftreten können. Diese sind mitunter so stark, dass die Leidtragenden professionelle Hilfe brauchen, um damit umgehen zu können. Auch einige Fernsehserien und Spielfilme warnen im Vorspann, wenn es in der Geschichte beispielsweise um Essstörungen oder Suizide geht. So weit dazu.

Die gute Nachricht ist: Das Ganze funktioniert auch umgekehrt. Vor ein paar Jahren hat die Therapeutin und Beraterin Dr. Deb Dana in ihrem Buch "The Polyvagal Theory in Therapy" zum ersten Mal das Phänomen "Glimmer" beschrieben und dem Begriff "Trigger" gegenübergestellt. Sie führt aus, dass positive Stimmungen und heilsame Erinnerungen durch kleine Anstupser verstärkt werden können. Ein Glimmer ist demnach das Gegenteil eines Triggers – und kann für einen flüchtigen Moment Leichtigkeit, Entspannung und Sicherheit in uns auslösen oder uns das Gefühl geben, dass die Welt in Ordnung ist. Dr. Deb Dana erklärt, dass Glimmer sogar noch mehr können: "Diese Mikro-Momente formen auf sanfte Weise unser Nervensystem um." Wer also lernt, Glimmer zu nutzen, verstärkt nach und nach sein Gefühl von innerer Ruhe und Sicherheit.

Wie wir uns fühlen, hängt unter anderem mit einem besonderen Nerv in unserem Gehirn zusammen, dem Vagusnerv. Er übermittelt Nachrichten von unserem Gehirn zu anderen Teilen unseres Körpers. Auf diese Weise kann er uns in den Flucht- oder Kampfmodus versetzen, wenn wir uns bedroht fühlen. Besonders interessant daran ist, dass derselbe Nerv auch ein völlig anderes Gefühl in uns stimulieren kann: Ruhe. Da wir Menschen eher eine "Negativitätsneigung" haben, das heißt, wir fokussieren uns auf negative Dinge, gehen also vom Worst Case aus, sind wir eher in Alarmbereitschaft, als in der Entspannung.

Doch das lässt sich ändern – mit der Hilfe von "Glimmern". Dazu erklärt die Psychologin Dr. Justine auf TikTok: "Durch das bewusste Wahrnehmen von Glimmern können Sie Mikro-Momente der ventralen Vagalenergie (ein Zustand der Erdung und Verbundenheit) anzapfen." Dafür sollten wir auf Reize achten, die einen kleinen Funken, ein Gefühl der Wärme oder Freude in uns auslösen – und dann halten wir dieses Gefühl fest. Bilder, Gedanken, Emotionen sollen nicht einfach weiterziehen, sondern so lange wie möglich bei uns bleiben. Indem wir diese Gefühle mindestens 30 Sekunden lang festhalten, können wir unserem Gehirn beibringen, eher auf positive Gedanken zu fokussieren. Oder, wie Dr. Justine es ausdrückt: "Verwandeln Sie diesen Glimmer in ein Leuchten."

Um jetzt mit Hilfe der Glimmer (noch) glücklicher zu werden und ein Gefühl von Ruhe, Glück und Gelassenheit zu etablieren, müssen wir die Glimmer aber erst einmal finden. Das ist für viele Menschen eine echte Herausforderung. Beginnen Sie damit, verschiedene Situationen auszuprobieren und horchen Sie in sich hinein, was das mit Ihnen macht: Kuscheln Sie mit Ihrem Haustier, machen Sie einen Waldspaziergang oder betrachten Sie den Sternenhimmel, lauschen Sie am Morgen dem Vogelgezwitscher, dem Rauschen des Meeres oder des Windes oder Ihrem Lieblingssong.

Dr. Deb Dana empfiehlt, eine "glimmernde Absicht" festzulegen und sich zum Beispiel vorzunehmen: "Ich werde vor dem Mittagessen nach einem Glimmer suchen. Wenn Sie dann einen Glimmer entdeckt haben, können Sie ihn in ein Glimmer-Tagebuch schreiben oder vor dem Schlafengehen darüber nachdenken. Sie werden sehen, mit der Zeit werden es immer mehr." Und das ist ein gutes Zeichen, laut Dr. Deb Dana: "Das ist Ihr Nervensystem, das beginnt, sich in Richtung der (neuen) Verbindungsmuster zu formen, die von Natur aus darauf warten, vertieft und zum Leben erweckt zu werden."

Gerade für traumatisierte Menschen, die öfter unter erhöhter Alarmbereitschaft stehen, sind Glimmer besonders hilfreich. Aber auch für alle anderen kann die Glimmer-Suche von Vorteil sein. Wir konzentrieren uns dabei nicht immer nur auf lauernde Gefahren, sondern achten auch auf die positiven, sicheren Aspekte unseres Lebens. Das verändert unsere Sichtweise auf Probleme und baut emotionalen Stress ab. Wie wir das schaffen? Augen, Ohren, Herzen öffnen für die Glimmer überall, die uns trotz allem sagen, wie schön das Leben ist. Und dann: Uns selbst erlauben, diese Wohlfühl-Emotionen voll und ganz anzunehmen.

Meine Glimmer sind etwa: Der Geruch von gekochtem Vanillepudding, ein Foto von Strand und Meer oder einem Sonnenuntergang, eine schnurrende Katze oder das Gefühl der ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut. Jeder hat seine eigenen, sehr persönlichen Mini-Erlebnisse, die das Herz kurz zum Leuchten bringen. Welche sind Ihre?

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