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Konzertkritik: Joy to the World - Weihnachtskonzert im Teatre Principal

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„JOY TO THE WORLD“ oder, wie es auf Katalan heißt, „Joia en el món“, war das Motto des Weihnachtskonzerts der Sinfoniker gestern Abend im Teatre Principal. Das Orchester (Leitung Pablo Mielgo) wurd stimmgewaltig unterstützt von der mallorquinischen Gesangsformation Cap Pela. Die sechs cantantes – zwei Männer und vier Frauen – liehen ihre ausdrucksstarken Stimmen weihnachtlichen Gesängen, großenteils Traditionals in raffinierten Arrangements von J.Domènech.

Das Konzert begann rein instrumental mit den Nadals Catalans, einem Potpourri aus Weihnachtsliedern, für Orchester gesetzt von S.Brotons. Dem schloss sich Nadala Menorqina für Singstimmen und Orchester, arrangiert von J.Domènech an. Bereits hier zeigte der kleine Chor, welch gewaltiges stimmliches Potenzial in ihm steckt. Mit Encén els llums wurden dann die musikalischen Lichter entzündet, für die physikalische Bühnen-Illumination sorgte die Lichttechnik, erfreulich unkitschig, dennoch stimmungsvoll. Überhaupt hob sich das Konzert angenehm von dem pseudofeierlichen Muzak ab, wie er zur Zeit in Kaufhäusern und Fahrstühlen aus den Lautsprechern wabert. Mielgo hatte stattdessen bei der Programmgestaltung auf swingende Musizierfreude gesetzt, Joy tot he People of Palma im restlos ausverkauften Teatre Principal! Das stichwortgebende Weihnachtslied, eines der bekanntesten aus dem englischen Sprachraum, stammt aus Händels „Messias“ und wurde vielfach adaptiert, unter anderen von Johnny Cash, der Kelly Family, Boney M., Neil Diamond, Placido Domingo und Mahalia Jackson. Gestern Abend erklang es im Arrangement von J.Domènech. – An „Bressol de pobre“ (Die Wiege des armen Mannes) schloss sich „Fairytale of New York“ an. Danach wurde es wieder rein instrumental: „Sleigh ride“ des originellen amerikanischen Komponisten Leroy Anderson schilderte eine fröhliche, glöckchenklingende Schlittenfahrt.

Mit dem „Gesang der Sibylle“ – katalanisch Cant de la Sibilˑla – wurde es für einen Moment ernst. Seine bis ins Mittelalter zurück reichende Tradition wird heute nur noch auf Mallorca gepflegt und ist zentraler Teil der Mitternachtsmesse an Heiligabend und wurde 2011 von der UNESCO zum Weltkultuerbe erklärt. Ohne ihn wäre Weihnachten auf Mallorca unvollständig Vorgetragen wird er ohne instrumentale Begleitung von einer einzelnen Frauenstimme.

Danach wurde es wieder beschwingt. Mit „És desembre“, „Campana sobre campana“ (Glocke über Glocke“, spanisch gesungen) und „El noi de la mare“ (Mutters Sohn, altes katalanisches Weihnachtslied) ging der offizielle Teil zu Ende. Der begeisterte Applaus des Publikums erzwang natürlich Zugaben. Die erste spendierte Mielgo mit „A Christmas Festival“ von Leroy Anderson, in dem endlich auch das Weihnachtslied aller Weihnachtslieder, „Stille Nacht“, und die unverwüstlichen „Jingle Bells“ enthalten waren. Der Chor wollte sich auch nicht lumpen lassen und knüpfte mit einer a capella-Version von „Stille Nacht“ an das Anderson-Stück an. Da durfte dann auch das Publikum mit einstimmen. –

Das nächste Konzert (außerhalb der Abo-Reihen) findet am 22.Dezember um 20 Uhr in der Kathedrale statt. Pablo Mielgo dirigiert Teile aus Bachs Weihnachtsoratorium. Leider ist es mittlerweile ausverkauft – Ebenfalls außer der Reihe ist das Neujahrskonzert (unter der Leitung von Pablo Mielgo), am 1.Januar im Kongresspalast in Palma und am 2.Januar im Auditorium von Manacor. Das genaue Programm und Karten für Palma gibt’s hier, zum Vorverkauf für Manacor führt dieser Link.

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