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Konzertführer: Grieg und Bruckner im Auditorium am 21.März

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Ein geniales Jugendwerk, Griegs (einziges) Klavierkonzert op.16, und eine Sinfonie von Bruckner, genauer gesagt die Siebente, WAB107, also die Sinfonie, mit der Bruckner endlich, nach sechs (langen) Versuchen der Durchbruch als anerkannter Sinfoniker gelang, stehen am kommenden Donnerstag, 21.März, auf dem Programm des Konzerts im Auditorium. Am Flügel wird Lise de la Salle, hier keine Unbekannte, sitzen; den Taktstock schwingt Christoph Koncz als Gastdirigent.

Edvard Grieg weilte auf Urlaub in Dänemark, als er, gerade mal 25, beschloss, ein großes Konzert für Klavier und Orchester zu komponieren. Zehn Jahre zuvor hatte er Clara Schumann das Klavierkonzert ihres Mannes in Leipzig spielen hören und war hingerissen. Dieses Konzerterlebnis war so nachhaltig, dass sein eigenes Klavierkonzert in vielerlei Hinsicht unüberhörbare Parallelen zu dem großen Vorbild erkennen lässt. Dennoch ist es weit davon entfernt, bloßes Plagiat zu sein. Es steckt voller eigener frischer Ideen und hübscher folkloristischer Anklänge an seine norwegische Heimat. Wie Schumann beginnt er mit einem furiosen Paukenschlag, gefolgt von Akkord-Kaskaden. Auch das Hauptthema kann seine Ähnlichkeit mit Schumann nicht verleugnen.Ein tänzerisches Motiv schließt sich an. Keck virtuos spielt Grieg mit seinem Material – eine technische Herausforderung für den Pianisten. Der zweite Satz ist von lyrischer Schönheit. Hören Sie nur, wie schwelgerisch das Klavier einsetzt! Im Finale dominiert von Anfang anjugendliche Spielfreude. Die Flöte stimmt ein kontrastierendes zweites Thema an, das dann gegen Ende zu voller Power aufläuft und auch die wirkungsvolle Coda bestimmt. - Es war übrigens Wilhelm Backhaus, der das Konzert erstmals auf Tonträger aufnahm, technisch bedingt damals natürlich stark gekürzt. Das und mehr erzählt Ihnen der Kabarettist Michael Lohse in seinem wdr3-Podcast „Meisterstücke“ sehr anschaulich und amüsant.

„Unter Tausenden hat mich Gott begnadigt und dies Talent mir, gerade mir gegeben.“ Man muss nicht katholisch sein, um zu erfassen, welche höheren Mächte Anton Bruckner zum Komponieren seiner Sinfonien getrieben haben. Er war tief religiös – und hatte dabei ein geradezu pathologisches Verhältnis zu allem, was mit Tod, Sterben und Jenseits zu tun hatte. Dvoraks fanatische Vorliebe für Dampflokomotiven ist harmlos dagegen. Man kann im Nachhinein Bruckners Todes-Tick belächeln, aber ganz schön schaurig ist es schon, was seine Biografen da alles zu berichten wissen. Ob amüsiert oder ergriffen wie von einem Stephen King-Roman – tauchen Sie ruhig in dem BR-Podcast „Musikgeschichte“ in Bruckners morbide Fantasiewelt mit ihrem Hang zum Makabren ein. Sie werden danach manches an seinem Werk besser verstehen. – Ob Beethovens Geist tatsächlich über ihn gekommen ist, als er dessen Totenschädel berührte, mag dahingestellt bleiben. Fest steht aber, dass er Musik von Beethoven’scher Größe zu erschaffen wusste. Von „Sinfonien wie Kathedralen“ schwärmen seine Fans, von „großen, auf Überwältigung ausgerichteten Klangräumen“ von „zeitlosen Hochgebirgen aus Ideen“, die er in einsamer Handarbeit auf Notenlinien gebannt habe, ist die Rede. Nicht alle mochten und mögen das. Sein schärfster Kritiker Eduard Hanslick sah in des Meisters Musk einen „traumverwirrten Katzenjammerstil“. Und Leonard Bernstein, sonst geradezu ein begeisterter Trommler für Musik aller Art, fand Bruckner „impossiblyy boring, without personality, awkward and dull, masked in solemnity“. An anderer Stelle wurde Lenny noch deutlicher: „Look, there are no orgasms in Bruckner’s music. He doesn’t reach a climax.“

Sicher, Höhepunkte wie dieser Beckenschlag im zweiten Satz seiner 7. Sinfonie sind eher selten. Und wenn sie denn einmal auftreten, sind sie lang vorbereitet, manche sagen auch „langatmig“. Auf jeden Fall ist seine Musik von Weiträumigkeit geprägt. Hören Sie einmal den riesigen melodischen Bogen zu Beginn des ersten Satzes. So weit hat er den Bogen in keinem seiner Werke gespannt. Zwanzig Minuten später endet der Satz dann so. – Der zweite, "Adagio. Sehr feierlich und sehr langsam“, hat auf sehr direkte Weise mit dem Tod zu tun. Als Bruckner ihn in Arbeit hatte, erreichte ihn die Nachricht vom Tod seines abgöttisch verehrten Idols Richard Wagner. Er konzipierte daraufhin den Satz komplett neu und erweiterte die Instrumentation, in memoriam sozusagen, um eine Wagnertuba. Er wurde mit 23 Minuten zu seinem längsten Satz überhaupt. Satz Nummer drei ist ein Scherzo. Es beginnt piano und endet fortissimo. Das Finale hat einen ähnlichen Verlauf: es fängt ganz leise an und erreicht dann in einer regelrechten Berg- und Talfahrt dieses bombastische Ende.Auch zu diesem Werk gibt es einen sehr hörenswerten und informativen Podcast. Karten können Sie hier erwerben.

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