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Konzertführer: Wagner im Teatre Principal - ein Highlight der Saison

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Der „Fliegender Holländer« auf der Bühne des Teatre Principal: darauf mussten Wagner-Fans lange warten. Im Jahr 2001 war das Theater in einer Umbauphase, weshalb es die Oper „nur« konzertant im Auditorium zu hören gab. Nun also endlich eine szenische Bühnenpräsentation, in einer Produktion des Teatro Municipal de Santiago de Chile. Premiere ist am 18. Februar. „Der „Holländer« zählt zu den bedeutendsten Werken Richard Wagners, der auch das Libretto verfasste. Die zwischen 1840 und 1841 komponierte Oper gilt als Wendepunkt in Wagners Karriere und markiert den Beginn seiner künstlerischen Reife sowie den Übergang zu philosophischeren und poetischeren Themen in der Oper«, wie in der Vorschau des Theaters zu lesen ist.

Und weiter: „Sie erzählt die Geschichte eines gotteslästerlichen Mannes, der dazu verdammt ist, ewig auf den Weltmeeren umherzuirren und nur alle sieben Jahre an Land zu gehen, um eine Geliebte zu finden, die ihn erlöst und so von diesem Fluch befreit.«

Die Oper war und ist bis heute nicht unumstritten. Die Komponistenkollegen hörten darin stets etwas anderes: Liszt die „poetische Wahrheit«, Berlioz die Überhitzung, Debussy die Zukunftsluft, die allerdings durch ein paar schwere deutsche Vorhänge dringt. Dirigenten wiederum lieben den Holländer wie einen ungezogenen Erstgeborenen: roh, aber begabt. Furtwängler sah darin archaische Wucht, Boulez ein unfertiges Genie, Toscanini schlicht Ehrlichkeit, ein Wort, das man mit Wagner sonst eher selten verbindet. Philosophen, naturgemäß misstrauisch gegenüber jeder Form von Erlösung, hörten im Werk die Symptome einer Krankheit: Nietzsche „die ersten Fieberschübe« des Komponisten, Adorno die Dialektik von Sturm und Stube, Bloch das utopische Flackern eines Noch-Nicht. Und die Dichter? Baudelaire sog die „satanische Schönheit« ein, Thomas Mann das „jugendliche Ungestüm«, während Heine, der Urheber des Stoffs, sich darüber wunderte, wie gründlich Wagner ihm den Witz aus der Geschichte herausgewaschen hatte. Denn was bei ihm in ironischer Brechung als freche Glosse daherkam, wurde von Wagner bierernst genommen und romantisch verklärt. Es lohnt sich, Heines Version kennenzulernen, um dann zu sehen, was der geniale Sachse daraus gemacht hat. Eine Hörfassung gibt’s bei Spotify . Vielleicht ist es genau das, was den Holländer so eigentümlich macht: Er ist ein Werk, das sich selbst zu ernst nimmt und gerade dadurch eine merkwürdige Modernität gewinnt. Ein Stück über einen Mann, der nicht sterben kann, geschrieben von einem Komponisten, der nicht scheitern wollte. Ein Sturm, der nicht vergeht — und vielleicht auch nicht vergehen soll.

Die Regie im Teatre Principal hat Marcelo Lombardero übernommen. Er gehört zu jener Generation lateinamerikanischer Regisseure, die Oper nicht als museales Ritual, sondern als lebendige, politische Kunstform begreifen. Seine Arbeiten sind filmisch, präzise, oft mit dokumentarischer Schärfe. Er interessiert sich weniger für romantische Nebel als für Strukturen: Macht, Ausbeutung, Isolation, ökonomische Zwänge. Auf den „Holländer« bezogen bedeutet das, dass wir eine Inszenierung erwarten dürfen, die den Fokus vom Übernatürlichen zum Menschlichen verschiebt, den Holländer zueinem Fremden macht, der nicht wegen eines Fluchs scheitert, sondern weil die Welt keinen Platz für ihn hat.

Guillermo García-Calvo. Der Dirigent der drei Abende, ist auf Mallorca kein Unbekannter: 2024 sprang er für den erkrankten Pablo Mielgo ein und dirigierte Mahlers Fünfte. Ich schrieb damals über ihn: „Seine Beschäftigung mit Wagner in Bayreuth und wohl auch die Zusammenarbeit mit Christian Thielemann haben ihn hörbar geprägt, und so gelang die Synthese aus Schönklang und schroffen Eruptionen bestens, was dabei herauskam, war eine beglückende Aufführung, die das Publikum mitriss und bezwingend in den Strudel des Mahler'schen Gefühlskosmos zog. Dass dies auf handwerklich höchstem Niveau geschah, versteht sich bei einem Dirigenten dieses Kalibers von selbst.

In Kürze können Sie an dieser Stelle mehr über die Besetzung lesen. Außerdem wird es ein Interview mit George Gagnidze, dem Sänger der Titelpartie geben. Einstweilen können Sie sich von der Strahlkraft seiner Stimme bei Spotify überzeugen. Dort gibt es ein Album mit großen Arien aus meist italienischen Opern.

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