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Konzertführer: Eine sängerfreundliche Inszenierung...

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Im zweiten Teil des Interviews (Teil 1 können Sie HIER noch einmal lesen)sprach ich mit dem Künstler über die Vereinnahmung Wagners durch die Nationalsozialisten, seine Zusammenarbeit hier mit Dirigent und Regisseur. Auch die Frage nach seinem Lieblingskomponisten und seine Erwartungen an das mallorquinische Publikum waren ein Thema.

Martin H. Müller: Nun ist Wagner ja nicht unumstritten, er war es schon zu Lebzeiten nicht, und im 20. Jahrhundert kam die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten dazu. Er war Hitlers Lieblingskomponist. Wie gehen Sie als Sänger damit um?

George Gagnidze: Das ist eine schwere Frage. Ich möchte folgendes dazu sagen: Nehmen Sie Karajan. Er war in dieser Hinsicht auch nicht unbelastet, die Nazis haben ihm Orden verliehen. Aber er hat sie nicht getragen. Er hat Kunst gemacht, das allein zählte. Und Wagner, der konnte sich ja nicht gegen dieser Vereinnahmung wehren, weil er längst tot war. Wenn wir heute ein Konzert spielen, haben wir keinen Einfluss darauf, ob vielleicht Nazis oder Rassisten im Saal sitzen. Wir spielen für alle. Ich meine, Kunst muss von Politik unabhängig sein.

MHM: Das sehe ich auch so. - Lassen Sie uns auf die Inszenierung zu sprechen kommen. Sie arbeiten gerade mit dem Südamerikaner Marcelo Lombardero zusammen. Können Sie kurz sein Regiekonzept erklären?

GG: Ich habe noch nicht viel Wagner gemacht, das ist nach Wien meine zweite Wagnerproduktion. Lombardero kommt aus Lateinamerika, in Wien war es eine sehr deutsche Lesart, meiner Meinung nach näher an Wagners Original. Auf jeden Fall ist Lombarderos Inszenierung sehr sängerfreundlich, ich stehe oder sitze beim Singen.

MHM: Ja ja, manche Regisseure verlangen von den Sängern geradezu akrobatische Leistungen, was dem Singen gewiss nicht förderlich ist…

GG: Ich habe kürzlich in einer Inszenierung in einem Steinbruch gesungen, die Bühne war riesig, und ich war ständig in Bewegung. Es war regelrechter Sport. Aber vielleicht hat das ja meinem Körper gutgetan (lacht)… Aber hier musste ich nur ein paar Schritte nach rechts, ein paar nach links, ganz gemächlich. – Hauptsache ist doch, was man mit seinem Körper ausdrücken kann. Das war immer so. Als die Oper geboren wurde,, war sie ja auch keine Zirkusnummer!

MHM: Der Dirigent, Guliermo García-Calvo gilt als Wagner-erfahren. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

GG: Er hat sofort gemerkt, dass ich eine gute Aussprache habe und war sehr freundlich zu mir. An manchen Stellen hätte das Tempo etwas langsamer sein können. Da denkt er anders als ich, aber das ist ok. Er ist der Dirigent. Und unterm Strich habe ich mich unter seiner Leitung sehr wohl gefühlt.

MHM: Kommen wir zum Orchester. Die Balearen-Sinfoniker sind ja kein ausgesprochenes Wagner-Orchester…

GG: Wir wissen alle, dass ein Wagnerorchester natürlich wesentlich größer sein muss, doppelt so groß wie dieses Orchester. Aber sie haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen wirklich guten Klang zustande gebracht, die Musiker wirkten sehr professionell, was mich wirklich beeindruckt hat.

MHM: Herr Gagnidze, Sie sind an den größten Opernhäusern der Welt zu Hause. Was hat Sie dazu gebracht, auf unsere kleine Insel zu kommen und uns damit eine große Freude zu machen?

GG: Das ist kein Problem. Ein wirklicher Künstler muss überall sein Bestes geben, egal, wie groß die Bühne ist, egal, wie viele Zuschauer im Saal sitzen. Ich finde es großartig, wie die Stadt Palma die Kunst fördert, ein ganz großes Dankeschön dafür! Die Arbeitsatmosphäre war sehr freundlich, die Zusammenarbeit mit den lokalen Kräften war ausgezeichnet. Ich möchte mich ganz herzlich beim Intendanten für die Einladung bedanken.

MHM: Für uns ist es eine Ehre, Sie hier zu haben. Und was Sie eben gesagt haben, hört sich so an, als ob Sie gerne einmal wiederkommen würden. Wir haben zum Beispiel im Sommer großartige Konzerte im Innenhof von Schloss Bellver, da gibt es immer auch eine Operngala, eine Gala lirica, wie man das hier nennt. Da ist dann auch das Repertoire vorwiegend italienisch…

GG: Da würde ich mich über eine Einladung sehr freuen und wäre stolz darauf. Ja, ich würde gerne wieder auf diese wunderschöne Insel kommen.

MHM: Hatten Sie denn neben der ganzen harten Probenarbeit auch Gelegenheit einiges von unserer Insel zu sehen?

GG: Leider nicht sehr viel. Ich habe aber die Kathedrale und Schloss Bellver besucht, die Kathedrale ist ja wirklich großartig. Mich hat sie in ihrer Weiträumigkeit an Notre Dame erinnert. Palma ist eine der schönsten Städte der Welt.

MHM: Jetzt habe ich noch eine letzte Frage: Wer ist Ihr Lieblingskomponist?

GG: Ganz klar Verdi. Er stand am Anfang meiner Karriere, mit Verdi habe ich 2005 einen Wettbewerb gewonnen, José Carreras war damals der Chefjuror. Und seitdem habe ich Verdi immer wieder gesungen, Nabucco, Rigoletto, die Traviata, die ganzen großen Verdi-Opern eben. Als nächstes mache ich Macbeth in Dresden, in der Semperoper, darauf bin ich ganz stolz. Wen ich auch sehr mag, ist Puccini. Und jetzt bin ich auch noch Wagner-Fan geworden!

MHM: Eine allerletzte Frage: Was erwarten Sie am Mittwoch von Ihrem Publikum?

GG: Zunächst muss ich einmal alles geben, was ich habe. Und wenn das Publikum das dann auch mit so warmem Applaus honoriert wie gestern bei der Generalprobe, werde ich glücklich sein.

MHM Herr Gagnidze, das wünsche ich Ihnen von Herzen. Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Antworten und meine besten Wünsche für eine großartige Premiere!

Hier noch einmal der Link zum Originalton dieses Interviews.

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