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"Sehe lieber Olivenbäume als TV"

Vater und Sohn Elstner mit dem selbst gemachten Olivenöl.

Pollença, Mallorca |

Moderatoren-Legende Frank Elstner wird im April 73, sein Sohn Andreas im Mai 50. Beide eint die Liebe zu Mallorca. Frank Elstners ältester Sohn (von insgesamt fünf Kindern) lebt seit 16 Jahren fest auf der Insel. MM traf beide in Andreas Elstners Haus in Pollença. Es ist das erste Mal, dass beide gemeinsam ein Interview geben.

Mallorca Magazin: Wie viel Mallorca steckt in den Elstners?

Frank Elstner: Mein Sohn ist ein richtiger Mallorquiner geworden, seine Frau ist Mallorquinerin, dadurch habe auch ich einen sehr guten Kontakt zu den Einheimischen bekommen. Das erste Grundstück habe ich 1973 erworben und dann nach und nach Nachbargrundstücke dazu gekauft. Ich wohne direkt nebenan, jetzt sind wir alle hier ganz gut untergebracht. Andreas macht sein eigenes Olivenöl, das ist sein großes Hobby.

Andreas Elstner: Wir hatten im vergangenen Jahr 600 Kilo Oliven, das waren 70 Liter Öl, 140 Flaschen. Das reicht nicht zum Verkauf, ist als Weihnachtsgeschenk aber wunderbar. Ich hoffe, dass wir irgendwann mal mehr produzieren. Die Idee ist, dass wir irgendwann 500 bis 600 Liter bekommen, dann wird das Ganze interessant, für Restaurants zum Beispiel.

MM: Wie sind Sie denn auf die Insel gekommen und sogar sesshaft geworden?

Andreas Elstner: Mein Vater ist der Schuldige, er hatte ja das Haus gekauft und nach dem Abitur fragte ich ihn, ob ich hier länger Urlaub machen dürfe. Ich durfte und damals habe ich schon meine heutige Frau kennengelernt. Seit 16 Jahren arbeite ich hier. Ich habe in Palma das Büro "Balearic Project" für Projektmanagement. Wir vertreten den Bauherren vor Ort. Derzeit haben wir zwei Hotels an der Playa de Palma, die aufgestockt werden. In der Fertigstellung befindet sich das Portals Hills in Portals Nous, wir haben auch das Hotel Son Claret umgebaut für Herrn und Frau Kühne.

MM: Haben Sie die Krise gut überstanden?

Andreas Elstner: Es gibt zwei Segmente, die momentan noch funktionieren: Hotels und Einfamilienhäuser im hochpreisigen Segment ab zwei Millionen. Die Krise haben wir sehr bemerkt, aber einigermaßen gut überstanden.

MM: Wie sehr fühlen Sie sich nach 16 Jahren als Mallorquiner?

Andreas Elstner: Mit meiner Frau und meiner Tochter reden wir zu Hause überwiegend spanisch. Ich fühle mich mehr als Mallorquiner denn als Deutscher. Wenn Deutsche hier hinkommen und sagen, wir können alles besser, dann habe ich damit ein Problem. Denen versuche ich zu erklären, dass sie den Mallorquinern mit Vorsicht begegnen müssen, den richtigen Weg gehen und nicht mit der Tür ins Haus fallen sollen.

MM: Liegt Ihnen die Inselmentalität?

Andreas Elstner: Die Mallorquiner sind ein Inselvolk und wurden in ihrer Geschichte immer belagert von anderen Leuten. Dadurch sind sie sehr vorsichtig. Wenn man den Kern aber einmal knackt, ist das ganz toll.

Frank Elstner: Der mallorquinische Einfluss in deiner Familie ist stärker zu spüren als der deutsche. Das ist aber sehr schön. Ich glaube, es ist wichtig, dass man nicht mit der Hauruckmethode nach Mallorca kommt und sagt ,Ich habe das Geld und das wird gemacht'. Sondern dass man fragt, was der natürliche Weg auf Mallorca ist. Ich bin unglaublich stolz auf ihn, weil ich weiß, was es heißt, in einem anderen Land Karriere zu machen. Ich habe 40 Jahre in Luxemburg gelebt und war dort auch ein Ausländer. Ich hab mich sehr anstrengen müssen, bevor ich ernst genommen wurde. Meinem Sohn ist genau das besonders gut gelungen.

MM: Wie ist es denn um Ihr Spanisch bestellt?

Frank Elstner: Ich spreche so gut Spanisch, dass meine Enkelin immer wieder etwas zu lachen hat.

MM: Kommt die ganze Familie hier oft zusammen?

Andreas Elstner: Es ist immer etwas los: Ostern, Sommer, Weihnachten kommen wir hier öfter zusammen. Auch Silvester haben wir schon hier gefeiert.

Frank Elstner: Ich lebe in der Finca nebenan mit meinen beiden kleineren Töchtern in den Ferien. Die große Tochter kommt gelegentlich dazu.

MM: Sie sind sehr stolz auf Ihre fünf Kinder...

Frank Elstner: Ich bin höchst zufrieden mit allen meinen Kindern. Und das Schöne an meinem großen Sohn ist: Er hat mich nie gebraucht, um Karriere zu machen.

MM: Sprechen wir von Ihnen: Die SWR-Sendung "Menschen der Woche" wird 2015 eingestellt. Wie oft wird man Frank Elstner künftig im Fernsehen sehen?

Frank Elstner: Wir planen noch bis Ende Oktober mit "Menschen der Woche", dann läuft die Sendung aus. Das haben wir vor zwei Jahren beschlossen und ich bedauere ein bisschen, dass es dieses Format nicht mehr gibt. Ich mache aber weiter die ,Große Schau der Naturwunder' mit Ranga Yogeshwar, arbeite mehr im Hintergrund und werde meine Firma Elstnertainment behalten. Insgesamt werde ich aber ein bisschen weniger tun. Ich werde im April 73, da möchte ich gerne ein bisschen von dem profitieren, was Sie hier sehen.

MM: Verfolgen Sie auf Mallorca auch deutsches Fernsehen?

Frank Elstner: Wenn ich Fernsehen gucke, dann arbeite ich automatisch. Wenn ich auf Mallorca bin, schaue ich mir lieber Olivenbäume an oder fahre mit dem Traktor.

MM: Sie haben aber doch bestimmt noch einiges an Ideen...

Frank Elstner: Als Kreativer suche ich immer Leute, die meine Ideen umsetzen. Andreas, kannst du dich daran erinnern, wir wollten immer ein Altersheim bauen. Ich habe da eine ganz bestimmte Vorstellung, aber wir haben uns noch nicht rangetraut.

MM: Wie müsste ein Altersheim Ihrer Meinung nach aussehen?

Frank Elstner: Man darf den Menschen nicht das Gefühl geben, dass sie auf Abschiebetour sind, sondern dass sie ernst genommen werden und etwas mitgestalten können. Das Geschenk der Erfahrung sollten die jungen Menschen heute vielmehr ausnutzen, da ist ein unglaubliches Kapital vorhanden.

MM: Denken Sie gerne an den letzten Mallorca-Auftritt von Thomas Gottschalk mit "Wetten, dass...?" zurück, wo Sie die letzten fünf Minuten moderierten?

Frank Elstner: Das war wunderbar, vor allem habe ich mit der wunderbaren Cameron Diaz flirten dürfen. Das ZDF hatte Andreas und mich eingeladen. Kurz vorher haben die mich gefragt, ob ich eine Ansage machen wollte, da wollte ich natürlich kein Spielverderber sein.

MM: Hat Ihnen die Show hier auf der Insel gefallen?

Frank Elstner: Da muss ich etwas Kritisches anmerken: Wenn ich mit der größten Show Europas nach Mallorca komme, muss ich auch mit Liebe etwas für die Mallorquiner inszenieren. Das hat mir etwas gefehlt.

MM: Wie viel Elstner wird man künftig noch im TV sehen?

Frank Elstner: Die jungen Leute, mit denen ich in den letzten zwei Jahren zusammengearbeitet habe, sind so voller Ideen. Denen will ich beim Transport ihrer Ideen behilflich sein. Das werde ich machen, solange ich noch einigermaßen richtig ticke. Das wird immer mein Leben sein. Wenn Sie Maler sind, hören Sie auch nicht mit 72 auf zu malen.

MM: Und in naher Zukunft?

Elstner: Unser Nachbarhaus wird verkauft. Wir hoffen einen Nachbarn zu kriegen, der zu uns passt. Als Hypochonder wäre mir am liebsten ein Arzt.

MM: Stimmt das?

Andreas Elstner: Ja. (lacht)

Frank Elstner: Dafür sind mein Sohn und meine Enkelin Sportskanonen.

MM: In welchen Sportarten?

Andreas Elstner: Meine Tochter ist Balearenmeisterin in Rhythmischer Sportgymnastik. Ich bin leidenschaftlicher Surfer, bin mal beim Worldcup vor Sylt 30. geworden. Im Herbststurm am Samstag soll es schön werden, da könnte ich mal wieder raus aufs Meer...

Die Fragen stellte MM-Redakteur Thomas Zapp.

(aus MM 9/2015)

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