Folgen Sie uns F Y T I R

Ein Stauffenberg auf Mallorca

Zu Hause im Herzen der Stadt: Dominik Schenk Graf von Stauffenberg auf Palmas Paseo Borne. | nimü

| Mallorca |

"Es ist ein Datum, das unsere Familie bekannt gemacht hat", sagt der 52-Jährige. Er trägt einen berühmten Namen: Dominik Stauffenberg nennt er sich. Genau genommen Dominik Schenk Graf von Stauffenberg. Ein Verwandter von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der durch sein gescheitertes Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Dominiks Großvater war ein Cousin von Claus.

Der Jahrestag. Zeit für Dominik, mal wieder im Internet nach seinem Nachnamen zu suchen. "Neuigkeiten" gebe es fast jedes Jahr. "Es wird immer sehr viel berichtet. Manchmal tauchen Personen auf, die zwar bekannt waren, aber neu beleuchtet werden."

Dominik Stauffenberg kam 1999 nach Mallorca. Er arbeitet als Inneneinrichter bei der Firma Stork in Santa Ponça, wohnt im Herzen von Palma. Geboren wurde er in Lugano und verbrachte seine Jugend in Meerbusch bei Düsseldorf.

Dominik erblickte das Licht der Welt 20 Jahre nach dem Attentatsversuch. Für ihn ist das Geschehene Geschichte. Sein Vater Clemens dagegen hatte die Folgen miterlebt. Denn die Nationalsozialisten wollten die Familien der Verschwörer praktisch auslöschen. "Mein Vater war damals 14. Er ist Teil der sogenannten Volkssturm gewesen und hat zusammen mit Klassenkameraden in München versucht, Flugzeuge abzuschießen." Am 21. Juni wurde Clemens gerufen und nach Hause geschickt, obwohl er bei den Kameraden bleiben wollte. "Man hat ihn dann verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Später kam er nach Dachau." Dann konnte er von den Amerikanern befreit werden und verbrachte die letzten Tage des Kriegs auf Capri.

Viel erzählt hat der Vater später nicht. "Man konnte ihn nicht darauf ansprechen. Wenn er etwas gesagt hat, dann merkte man, dass er nicht gerne darüber redet. Was wir wissen, das wissen wir von unserer Mutter, mit der hat er darüber gesprochen."

Auch Nina, die Witwe von Claus von Stauffenberg hat nach dem Krieg nie viel erzählt, obwohl sie nicht ins KZ deportiert worden war. "Sie hat nie ein großes Interview gegeben", weiß Dominik, der die 2006 verstorbene Nina noch auf Familientreffen kennengelernt hat.

Dominik Stauffenberg wird oft auf seinen Namen angesprochen, wenn Fremde diesen hören. Auch hierzulande in Spanien. Und das hängt nicht zuletzt mit dem Hollywoodfilm "Operation Walküre" aus dem Jahr 2008 zusammen. Nicht alle in der Familie waren begeistert, dass Tom Cruise den Attentäter spielte. Dominik sieht das pragmatisch: "Tom Cruise war der Magnet an der Kinokasse. Durch ihn wurde die Geschichte in viele Länder getragen. Jahrelang schien es doch im Ausland so, als hätte niemand Widerstand geleistet. Durch den Film sind viele Leute aufgewacht und wussten, dass es da ja doch etwas gab. Wenn ich mit Spaniern spreche, die eine Reise nach Berlin planen, dann gebe ich ihnen den Tipp, unbedingt die Stiftung 20. Juli zu besuchen."

Auf Familientreffen der Stauffenbergs, bei denen einmal im Jahr mehr als 100 Träger des Namens zusammenkommen, wird nicht viel über den 20. Juli gesprochen. Das war anders, als der Film aktuell gewesen ist. Dominik weiß, dass einige falsche Details der Tatsache geschuldet sind, dass es sich um eine kommerzielle Hollywoodproduktion handelte. "Wenn man den Film sieht, denkt man, er war ein strenger Mann, nachdenklich, eigentlich sehr preußisch. Aber aus den Erzählungen von Nina wissen wir, dass Claus Stauffenberg tatsächlich sehr herzlich war, sehr witzig, ein Charmeur, ein Lebemann. Ganz anders, als er von Tom Cruise dargestellt wurde."

(aus MM 29/2016)

Zum Thema
Meistgelesen