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So setzt sich ein Deutscher für Menschen mit Depressionen auf Mallorca ein

Der deutsche Radfahrer Raphael Nemethi mit einem Trikot aus seiner Kollektion. | Jaume Morey

| | Mallorca |

Auf Depression als Erkrankung aufmerksam machen: Das hat sich der deutsche Mallorca-Resident Raphael Nemethi im wahrsten Sinne des Wortes aufs Trikot geschrieben. "Fight Depression" prangt auf dem Shirt des Radsportlers. Seit sich vor neun Jahren seine Mutter infolge einer schweren Depression im Alter von 58 Jahren das Leben nahm, will der Deutsche auf ein immer noch "totgeschwiegenes" Problem aufmerksam machen. Raphael Nemethi ist mit der Insel verbunden, seit er acht Jahre alt ist. Die Familie war im Besitz eines kleinen Hauses in Sóller, in dem sie jedes Jahr den Sommer verbrachte. Vor fünf Jahren verkaufte sie es schließlich.

Der Deutsche erinnert sich an seine Mutter Dolores als eine schöne, anmutige Frau, die nach außen hin immer ein Lächeln auf den Lippen trug und einen guten Geschmack für Design und Architektur hatte. Aber hinter verschlossenen Türen lebte sie in einer tiefen Depression, die niemand verstand. "Meine Mutter wollte nicht, dass ich Radprofi werde, weil sie Angst hatte, dass ich stürze. Sie rauchte viel und war oft nervös. Aber ich hätte nie gesagt, dass ich an Depressionen leidet", erinnert er sich an die Zeit, als sich abzeichnete, dass es seiner Mutter nicht gut ging. "Eines Tages rief sie mich an und sagte mir, dass sie so nicht mehr leben könne", erinnert sich der 34-Jährige. Niemand in der Familie ahnte, dass Dolores unter schweren Depressionen litt. Dabei ist die Erkrankung allgegenwärtig. Auch der beste Freund des Radsportlers kämpfte mit Depressionen und versuchte sich das Leben zu nehmen.

In Gedenken an seine Mutter kreierte Raphael Nemethi schließlich eine Kollektion von Fahrradbekleidung namens "Dolores Apparel". Das Logo zeigt die Umrisse des Kopfes seiner Mutter. Ziel der Modelinie ist es nicht nur auf die Krankheit aufmerksam zu machen, sondern Betroffene dazu zu animieren, einen Spezialisten aufzusuchen. "Meine Mutter war drei Monate lang in Krankenhäusern, um ihre Depressionen zu behandeln, aber irgendwann wollte sie keine psychologische Hilfe mehr, weil sie meinte, das könne ihr nicht helfen. Zu dieser Zeit war auch die Beziehung zu meinem Vater nicht die beste, getrennt haben sie sich allerdings nicht. "

Nach der schweren Erkrankung seiner Mutter hat auch Raphael Nemethi seinen Lebenstil umgestellt. "Mein Leben hat sich seit den Geschehnissen verändert. Ich habe versucht, weniger Stress zu haben, was, wie ich weiß, etwas war, worüber meine Mutter sehr besorgt war. Ich versuche, weniger zu arbeiten und treibe viel Sport", so der Deutsche gegenüber der spanischen MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora". Zudem begann Raphael Nemethi selbst mit einer Therapie. "Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie sehr man unter der Erkrankung leidet, wollte ich so früh wie möglich dagegen ankämpfen." Die Kollektion kann in den Sportgeschäften Reynes Cycling in Deià und Sóller erworben werden.

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