Folgen Sie uns F Y T I R

Messer, Menü, Schnaps: So lief das Männerkochen im deutschen Pfarrhaus auf Mallorca

Regelmäßig trifft sich die sogenannte Pottkieker-Kochtruppe im Gemeindehaus am Ballermann zu Schnitzel, Spätzle und Geselligkeit. MM war dabei und schaute in den Kochtopf

Beim Männerkochen der "Pottkieker" werden gelegentlich auch traditionelle Getränke aus Mallorca oder Südamerika gereicht | Foto: plozano

| Mallorca |

Es wird laut gelacht und gescherzt, und es riecht nach gebratenem Fleisch mit kräftigen Röstaromen beim Mallorca-Männerkochen im Pfarrhaus in Arenal. Als Willkommensdrink erhält jeder Teilnehmer einen peruanischen Traubenbrand mit Zitronensaft und Zuckersirup, den Pisco Sour, den Kirchenvorstand Dietrich H. von einer Südamerika- Reise mitgebracht hat – zum Aufwärmen. Rund ein Dutzend Männer ist an diesem Freitagabend in den frisch renovierten Räumlichkeiten und der Küche der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde auf den Balearen zusammengekommen. Einbis gelegentlich zweimal im Monat findet dort der traditionelle kulinarische Männerabend statt. Nach 18 Uhr trudeln noch einige weitere Koch-Mitstreiter ein. Einer berichtet von einer Autopanne und wird deshalb mit einer Umarmung begrüßt, bis schließlich die komplette Mannschaft, ein 17-köpfiges Team, versammelt ist. "Trudi", der Hund des Pfarrerehepaars, streunt unter dem Tisch umher und hat sichtlich seinen Spaß. In einem Regal steht eine mehrteilige Ausgabe der Lutherbibel, handschriftlich gefertigte Rezepte werden studiert, Kochaufgaben verteilt und delegiert.

Die Schnitzel wurden paniert und nach den Regeln der feinen Kochkunst in der Pfanne gebraten – an diesem Tag stand deutsche Küche auf dem Speiseplan.

Einer der Mitwirkenden hat Bier besorgt, das mit oder ohne Alkohol im Kühlschrank für die fleißigen Köche bereitsteht. Ab und zu wirft Pfarrer Holmfried Braun, der an diesem Abend von vielen "Homi" genannt wird, gut gelaunt einen Blick auf sein Handy, um den Zwischenstand beim Frankfurt-Dortmund-Spiel zu checken, das später 3:3 enden soll. Ja, auch Fußball gehört an diesem Abend dazu – und in diesem Fall trifft das Männerklischee voll zu: Das Spiel ist von großem Interesse. "Homi", der in der Männertruppe auch den Ruf eines "guten Kochs" hat, wie einer der Teilnehmer MM gegenüber verrät, sagt: "Der Chefkoch rotiert. Er plant das Essen, kauft ein und verteilt die einzelnen Arbeitsschritte." Die Idee dazu habe Paul Stijohann, der Mann der Vorgängerpfarrerin, gehabt und der Gruppe auch den Namen Pottkieker gegeben. Auf Norddeutsch heiße das „Topfgucker”. Dabei seien ausdrücklich auch diejenigen willkommen, die kein Kochtalent hätten und lieber zuschauten – ebenso Männer anderer Konfessionen. Viele der Männer im Alter zwischen 50 und 80 tragen Kochschürzen, wirken ausgelassen, ihre Augen leuchten wie bei kleinen Kindern.

2015 rief der Mann der früheren Inselpfarrerin die Gruppe ins Leben

Der 61-jährige Ludger Trapp sagt: "Heute ist das Thema 'Deutsch'. Es gibt Grießklößchensuppe, danach Schnitzel mit Ackersalat und Spätzle." Sogar eine eigene Spätzlepresse habe er mitgebracht, ergänzt der 61-Jährige. "Die Soße ist schon etwas vorbereitet, um die Schnitzel kümmert sich jemand anders, aber wir packen alle mit an." Einige der Anwesenden seien leidenschaftliche Köche, erklärt der frühere Chefreiseleiter von LTUTouristik. Andere hingegen kommen vor allem wegen des gesellschaftlichen Aspekts zu dem Kochevent. "Ehrlich gesagt habe ich selbst wenig Neues gelernt, und wir sind keine Kochschule. Aber wir ergänzen uns gut. Einer von uns, Rainer, ist ein hervorragender Koch und kennt sich bestens mit indischen, orientalischen und scharfen Gerichten aus. Ich bin eher ein passionierter Allrounder, mag asiatisch, türkisch, afrikanisch."

Die einen schneiden und schnibbeln, andere pressen Spätzle oder braten Schnitzel in der Pfanne.

Hanns-Henning Krull gehört zu den dienstältesten Hobbyköchen unter den Anwesenden. Der pensionierte Pfarrer aus dem Frankfurter Raum sagt: "Ich bin seit Anfang an, also seit 2015, mit dabei. Ich halte mich oft auch in Südamerika auf, doch wenn ich auf Mallorca bin, komme ich zur Kochgruppe." Dabei koche Krull in der Männertruppe nach eigenen Angaben zwar gerne, sehe sich jedoch eher als Helfer denn als Chefkoch. Seinen Kompagnons habe er dennoch einst ein ausgefallenes kolumbianisches Rezept präsentiert: "Ich habe hier einmal ein Lomo al trapo zubereitet. Dabei wird ein ganzes Filet großzügig in Salz gewürzt, in ein Baumwolltuch eingewickelt, zugebunden und komplett in Bier getränkt. Danach kommt es für exakt 23 Minuten in einen großen Ofen mit hohen Flammen, der sich im Freien befindet."

Nachdem die Kochtruppe fleißig die Schnitzel flach geklopft, paniert und gebraten sowie die Spätzle fertig gekocht hat, setzt man sich an den Tisch. Zunächst jedoch wird feierlich, zugleich rhythmisch und dynamisch, mit Worten und begleitet von Händeklatschen ein Tischgebet ("Danke Gott, dass du uns speist") im Stil von "We Will Rock You" gesprochen. Fest steht, dass an diesem Abend, an dem neben Suppe auch Salat mit Speck und Croutons sowie Schnitzel mit eigener Soßenkreation auf den Tisch kommen, alle mehr als satt werden. Auch das anschließende Dessert in Form von Salzburger Nockerl lässt keine Wünsche offen. Selbst Pescetarier, wie der englischsprachige Partner von Herztat-Gründer Roland Werner, kommen kulinarisch auf ihre Kosten. Bis in die späten Abendstunden wird geschlemmt, und zum feierlichen Abschied spendiert Pottkieker- Truppenmitglied Thomas, der demnächst nach Paraguay auswandern wird, eine Runde "Berliner Luft". Ein Stück alte Heimat auf Mallorca.

Zum Thema
Meistgelesen