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Playa-Wirte

"Eine Ermahnung genügt": So zähmt eine deutsche Ballermann-Wirtin ihre Party-Gäste

Seit 16 Jahren ist Felicitas Bohrmann die "gute Seele" des Kult-Lokals "Deutsches Eck" an der Playa de Palma. Mit MM sprach sie über den Job, den sie liebt

Felicitas Bohrmann liebt ihren Job als Gastwirtin. Im Deutschen Deck geht es familiär zu | Foto: Patrick Czelinski - plozano

| Playa de Palma, Mallorca |

Der Duft von Brathähnchen liegt in der Luft, von allen Seiten klingen aneinanderschlagende Biergläser. An den Tischen des Restaurants Deutsches Eck an der Playa de Palma unterhalten sich die Gäste angeregt. Von abgeflauter Nebensaison ist wenig zu spüren. Das Lokal ist gut gefüllt. Vor dem Wirtshaus stehen Grüppchen biertrinkender Gäste in auffälligen Kostümen. Adiletten mit weißen Tennissocken stechen ins Auge – trotz der für Mallorca kühlen 15 Grad im Januar.

Seit 2010 steht hier Gastwirtin Felicitas Bohrmann hinter dem Tresen und zapft ein Kölsch nach dem anderen, das sie meist kranzweise an die Tische bringt. Die gute Laune scheint ihr dabei nicht auszugehen. "Ich liebe meine Arbeit", sagt die gebürtige Bochumerin.

"Für die Gastronomie muss man geboren sein"

Sie behält die Gäste stets im Blick, damit niemand vor einem leeren Glas sitzt oder hungrig bleibt. "Für die Gastronomie muss man geboren sein. Entweder man hasst sie oder man liebt sie", sagt Bohrmann. Ihre Leidenschaft für den Beruf entdeckte sie früh. In Deutschland absolvierte sie eine Ausbildung zur Fachfrau für Systemgastronomie, sammelte bei Schützenfesten und ähnlichen Veranstaltungen erste Erfahrungen und lernte, im Trubel schnell zu arbeiten.

Schon als Kind reiste sie mit ihrer Familie häufig nach Mallorca. Die Insel ließ sie nicht mehr los. "An diesem schönen Fleckchen Erde sah ich mich später wohnen", sagt sie. 2008, im Alter von 23 Jahren, wanderte sie schließlich aus. Beruflich führte ihr Weg direkt zurück in die Gastronomie, zunächst ins Restaurant XII Apóstoles. "Dort wollte ich unbedingt arbeiten, weil ich schon mit meinen Eltern in unseren Familienurlauben dort gegessen habe", erzählt sie.

Ihrem heutigen Mann Michael begegnete sie erst später. Kennengelernt haben sich die beiden im Deutschen Eck, das Michael Bohrmann bereits 2004 eröffnet hatte. "In meinem ersten Jahr auf der Insel war ich mit einer Freundin dort einen Kaffee trinken. Sie kannte Michael persönlich und stellte uns einander vor", erinnert sich Bohrmann. "Es hat nicht sofort zwischen uns gefunkt. Wir waren zunächst ein Jahr befreundet." Erst später entwickelte sich eine Beziehung.

"Ein großer Altersunterschied beginnt erst bei 25 Jahren"

Heute sind sie 41 und 57 Jahre alt. Ob sich der Altersunterschied von 16 Jahren in Beziehung oder Zusammenarbeit bemerkbar macht? "Ach was", sagt Bohrmann lachend. Ein wirklich großer Altersunterschied beginne für sie erst bei 25 Jahren. Wenn es Meinungsverschiedenheiten gebe, liege das weniger am Alter als an unterschiedlichen Herangehensweisen. "Er kommt vom Mars, ich von der Venus", sagt sie schmunzelnd. Privat und beruflich seien sie ein eingespieltes Team. Mittlerweile ist sie Mitinhaberin des Deutschen Ecks.

Im Lokal selbst herrscht eine Atmosphäre, die an ein großes Wohnzimmer erinnert. Mitarbeiter und Gäste scheinen sich zu kennen. "Hey, du bist ja aus dem Mutterschaftsurlaub zurück. Wie geht’s dir denn?", ruft ein Mann im Entenkostüm einer Bedienung zu. "Es geht hier sehr persönlich zu", sagt Bohrmann. Das gelte für die rund 30 Angestellten ebenso wie für die Kundschaft. Von hoher Mitarbeiterfluktuation könne keine Rede sein, viele Bedienungen seien seit Jahren Teil des Teams.

Der Mann im Entenkostüm verfolgt das Gespräch und beugt sich vor. "Ich habe hier sogar Weihnachten gefeiert. Wir achten aufeinander", sagt er und nimmt einen Schluck Bier. Am Vortag habe er zu viel getrunken, erzählt er. "Dann sagte mir Feli: Hör mal, jetzt musst du aber etwas essen, sonst kippst du mir hier um." Das Deutsche Eck sei für ihn wie eine zweite Familie.

"Meist reicht eine kurze Ermahnung"

Bohrmann lächelt. "Ich freue mich riesig über jedes Wiedersehen", sagt sie. Nach ihren Angaben sind mittlerweile mehr als 85 Prozent der Gäste Stammkunden, die bei ihren Mallorca-Aufenthalten regelmäßig vorbeischauen. Verläuft im Deutschen Eck tatsächlich immer alles so harmonisch? "Hier verhält sich kaum jemand daneben", sagt Bohrmann. Sollte doch einmal jemand über die Stränge schlagen, reiche meist eine kurze Ermahnung. Was sie allerdings störe, seien die vielen Aufkleber, die Gäste überall hinterließen. "Deshalb haben wir ein Stickeralbum angeschafft, um das in den Griff zu bekommen."

Auch das Familienleben außerhalb der Gastronomie komme nicht zu kurz. Die inzwischen zehnjährige Tochter habe sich an die arbeitsintensiven Sommermonate gewöhnt. Dafür bleibe im Winter mehr Zeit für gemeinsame Reisen, etwa nach Gran Canaria oder in die Dominikanische Republik. "Wir feiern übrigens auch privat gerne auf der Partymeile. Wir sind hier zu Hause", sagt Bohrmann und blickt durch das gut gefüllte Lokal. "Ich liebe es."

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