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Wohnungsnot auf Mallorca: 1200 Euro für ein WG-Zimmer – Ehepaar zieht in Wohnwagen

"Ein Job garantiert dir heute kein Dach mehr über dem Kopf", sagt der Mann, der einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat

In diesen Wohnmobilen rund um Palma de Mallorca leben sogar Menschen trotz ihrer festen Jobs | Foto: P. Pellicer

| | Palma, Mallorca |

Die Wohnungsnot auf Mallorca hat viele Gesichter: Weil sie sich die horrenden Mietpreise auf der Insel nicht mehr leisten können, leben Menschen in Zelten an der Ringautobahn um Palma, oder ziehen in Wohngemeinschaften mit anderen Familien. Rund um die Inselhauptstadt finden sich auch immer mehr Wohnwagen, die nicht für Ausflüge gedacht sind, sondern als regulärer Lebensraum dienen.

Einige dieser Camper finden sich in dem Viertel Es Secar de Real unweit des Universitätskrankenhauses Son Espases in Palma de Mallorca. Hier lebt der 43-jährige José Luis (Name von der Redaktion geändert) seit einigen Monaten mit seiner Frau im Wohnwagen von Freunden. Er arbeitet im Gastgewerbe mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag, seine Partnerin ist aktiv auf Arbeitssuche. Bevor die beiden diese Entscheidung trafen, hätten sie „immer und immer wieder“ eine Wohnung gesucht – doch die Preise hätten ihnen sämtliche Türen verschlossen, erzählt er im Gespräch mit der MM-Schwesterzeitung “Ultima Hora”.

1200 Euro für ein WG-Zimmer

Die Mieten sind durch die Decke gegangen. Man wollte 1200 Euro von uns für ein Schlafzimmer in einer Wohnung, die wir uns mit einer weiteren Person geteilt hätten“, sagt der Mann. Mit nur einem festen Einkommen im Haushalt sei ein Mietvertrag unter solchen Bedingungen unmöglich gewesen. „Ich lebe hier, weil wir uns eine Wohnung nicht leisten können. Es ist traurig, dass selbst ein Job dir kein Dach über dem Kopf garantiert.“

Die Entscheidung des Paares sei nicht über Nacht gefallen. „Niemand möchte in einem Wohnwagen leben, aber wir befinden uns in einer Extremsituation“, betont er. Seit einigen Monaten versuchten sie nun, so viel wie möglich zu sparen, während sie weiter nach einer bezahlbaren Unterkunft suchten. „Wenn wir etwas zu einem vernünftigen Preis mieten könnten, wären wir nicht hier.“

Der Alltag der beiden unfreiwilligen Camper verläuft unauffällig. Tagsüber ist kaum Bewegung zu sehen, doch nachts „wird es für viele zum Schlafzimmer“. „Heute sind wir es, morgen werden andere denselben Schritt gehen“, sagt José Luis nachdenklich – ein weiterer Fall in der Wohnungsnot, die in Palma de Mallorca und auch an vielen anderen Orten der Insel herrscht.

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