Am Dienstagnachmittag hat ein Großbrand das Zentrum von Palma de Mallorca erschüttert. Dabei ist eine Penthousewohnung im siebten Stock eines Hochhauses teilweise komplett ausgebrannt. Der Vorfall ereignete sich am Stadtring Avenidas und wurde von zahlreichen Augenzeugen begleitet, teilweise kam der Feierabendverkehr zum Erliegen. Wie die MM-Schwesterzeitung “Ultima Hora” berichtet, hat dieser Brand auch die Schattenseiten der Wohnungsnot ans Tageslicht befördert.
Denn in der ausgebrannten Wohnung lebten sieben Erwachsenen und ein Kind unter einem Dach – acht fremde Menschen in einer WG, weil sie sich die hohen Mietpreise auf Mallorca und insbesondere die in der Inselhauptstadt nicht leisten können. Alle Bewohner sind südamerikanischer oder afrikanischer Herkunft, sie sind keine Okupas, sondern arbeiten für ihren Lebensunterhalt.
„Zum Glück gab es keine Opfer, das ist ein Segen Gottes“, sagte einer der Mieter der Wohnung, die am Dienstagabend mitten in Palma de Mallorca in Brand geraten war. Er stand dabei neben drei weiteren Erwachsenen, die mit ein paar Taschen voller Habseligkeiten im Treppenabsatz warteten – inzwischen war es Nacht – auf eine Lösung, die nicht kam. Vier weitere Personen, darunter ein Minderjähriger, hatten die Wohnung kurz zuvor verlassen, nachdem sie mit ansehen mussten, wie die Flammen mindestens das Wohnzimmer, die Terrasse und eines der Schlafzimmer zerstörten.
Prekäre Wohnverhältnisse
Doch nicht alle hatten die Möglichkeit, fern vom gesundheitsschädlichen Ruß zu übernachten. Es blieb ihnen nichts anderes übrig. Der Großbrand in dem Hochhaus legte für alle sichtbar eine Realität offen, die nur wenige wahrhaben wollen: prekäre Wohnverhältnisse und die auf Spanisch umgangssprachlich „piso patera“ genannten – überbelegte Wohnungen.
Wie “Ultima Hora” erfuhr, besteht der am Dienstag betroffene Wohnblock im Herzen der Stadt aus großzügigen, rund 120 Quadratmeter großen Apartments in bester Lage – entsprechend teuer und für eine einzelne Familie mit bescheidenem Einkommen kaum bezahlbar. Die vom jüngsten Brand betroffenen Bewohner, die sich die Miete teilen und die Zimmer untereinander aufteilen, sind mehr als sieben Personen.
Letzte Chance: WG-Leben
Für diese Menschen – die arbeiten und die Wohnung nicht besetzt haben – ist das Teilen der einzige Weg, auf dem heutigen Wohnungsmarkt auf Mallorca eine Unterkunft zu finden. Viele von ihnen waren zum Zeitpunkt des Brandes nicht einmal zu Hause und erfuhren erst nach Feierabend von dem Unglück.
„Ich weiß nicht genau, wie viele dort wohnen, es sind viele“, sagte einer der Nachbarn – nicht verärgert, sondern eher mitfühlend angesichts der Tatsache, dass die Bewohner gezwungen sind, sich die Räume zu teilen, nur um ein Dach über dem Kopf zu haben, ohne schon zu Monatsbeginn finanziell ruiniert zu sein. Mit allem, was das bedeutet: Zusammenleben auf engstem Raum, gemeinsame Badnutzung, geteilte Kosten und feste Zeitpläne für alles.
Die aufgestapelten Kleidungsstücke hatten ihren Sinn. Ebenso wie das rituelle Räuchergefäß, das dem überbelegten Apartment „gute Energien“ bringen sollte – es war Auslöser des ersten Brandes und indirekt auch des zweiten, nachdem eine noch glühende Kohle zwischen den Kleidungsstücken zurückgeblieben war, mit denen man die ersten Flammen zu löschen versucht hatte.
Harte Realität des Mietmarktes
Mindestens ein Minderjähriger, der wegen Rauchvergiftung im Krankenwagen behandelt werden musste, sowie sieben Erwachsene – eine Frau mit Verbrennungen im Gesicht, an Händen und Füßen – lebten in der ausgebrannten Wohnung. Eine Realität, die sich angesichts des Vorfalls nicht beschönigen lässt und die zur vorsorglichen Evakuierung sowohl dieser Bewohner als auch Dutzender weiterer Nachbarn führte. So schwierig die Lage zuvor schon war – jetzt ist sie noch schlimmer. Die erheblichen materiellen Schäden sind eben nur das: materiell.
Schweigen, größtmögliche Zurückhaltung, Sorge und traurige Gesichter – mehr war nicht zu sehen, als sie von Medienvertretern und zahlreichen Schaulustigen umringt wurden, die den Brand im siebten Stock mitverfolgten. Vielleicht, so hoffen sie, würde das Feuer – wie es manche Strömungen der buddhistischen Philosophie lehren – ihre Lage reinigen und eine neue Chance schaffen, zumindest den vorherigen Zustand wiederherzustellen.
Mehr bräuchte es gar nicht. Einfach nur nicht noch schlechter dastehen. Doch wenn das in Palma de Mallorca möglich wäre, dann müsste wohl die ganze Stadt brennen, um einen Wohnungsmarkt neu zu starten, der uns alle gezwungen hat, das Unmögliche als Normalität hinzunehmen.