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"Es darf auch mal ein Glas Wein sein": Die Tricks einer deutschen Langlebigkeits-Expertin auf Mallorca

Ulla Rahn-Huber hat mehrere Bücher über das Thema geschrieben. Die Insel, auf der sie lebt, biete gute Voraussetzungen, um gesund alt zu werden

Umgeben von Lavendelbüschen und Margeriten tankt Ulla Rahn-Huber ihre Batterien auf: Für sie unverzichtbar, um lange gesund und möglichst fit zu bleiben. | Foto: Ricarda Hollain

| Andratx, Mallorca |

Ihre Liebe zu Mallorca - und ganz besonders zu Andratx - verdankt Autorin, Dolmetscherin und Übersetzerin Ulla Rahn-Huber einem Zufall. Der ereignete sich vor mehr als 40 Jahren in Nürnberg. Bei ihrer Arbeit in einer Nachhilfeschule traf sie dort auf eine Familie aus Mallorca: "Die Mitglieder sprachen kaum Deutsch, ich übersetzte für sie, half bei Behördengängen. So habe ich mir damals meine mallorquinische Familie an Land gezogen", erzählt Rahn-Huber lächelnd beim MM-Gespräch.

Als Dank luden die Mallorquiner ihre deutsche Freundin mit Mann und Kindern auf ihre Insel ein. Zu der Zeit steckte der Tourismus noch in den Kinderschuhen. "Im Hafen von Andratx besaß die Familie ein schlichtes, schönes Ferienhaus, direkt am Meer. Wir hatten traumhafte Ferien", erinnert sich Rahn-Huber an den ersten Besuch auf Mallorca. Die Hügel ringsherum waren zur der Zeit noch unbebaut, es gab weite Pinienwälder und wenig Touristen. So nahm die Liebe zur Baleareninsel Gestalt an.

"Heilende Ausstrahlung"

Mit den Jahren und den häufigen Besuchen wuchs der Wunsch, selbst ein Haus dort zu besitzen, wo der Geist zur Ruhe kam und die Familie unbeschwerte Momente inmitten von nahezu unberührter Natur verbrachte. Fündig wurde Rahn-Huber mit einem Grundstück und einem kleinen Häuschen, gelegen zwischen Dorf und Hafen Andratx. "Orte können eine bestimmte Ausstrahlung haben, eine, die heilend ist", erklärt es Rahn-Huber. Eine Erfahrung, die sie vor Jahren selbst mitmachen musste.

Nach einer Erkrankung überlegte sie, wie sie die Selbstheilungskräfte ihres Körpers anregen könnte und begann für ein weiteres Buchprojekt zu forschen. Bald stieß sie auf die "Blue Zone": spezifische geografische Regionen der Welt, in denen Menschen überdurchschnittlich alt werden. Dazu zählen das japanische Okinawa und das italienische Sardinien im Mittelmeer. Hier werden besonders viele Bewohner 100 Jahre alt und sind dabei gesund und fit. Grund dafür sei ein ganzheitlicher Ansatz, so die Forschung. Diesen wollte auch Rahn-Huber bei sich selbst anwenden.

Autorin Rahn-Huber kennt Mallorca seit Jahrzehnten und damit den Benefit, den die Insel bietet. Der Blue-Zone kommen die Balearen dabei schon recht nahe. Foto: R. Hollain

Auf Reisen nach Japan und Sardinien führte sie zahlreiche Interviews mit betagten Menschen. Ihr Fazit: "Die inneren Wächter müssen aktiviert werden, wenn sie wachgerüttelt werden, dann besinnt sich der Körper auf die fünf Säulen der Langlebigkeit". Diese setzen sich aus Genetik, Ernährung, das Leben in Gemeinschaft, Spiritualität und auch Bewegung zusammen. Doch eine zu strikte Auslegung sei nicht nötig, um Körper und Geist gesund zu halten, erklärt die Buchautorin. "Ausgewogen sollte es sein. Es darf auch mal ein Glas Wein getrunken werden."

Auch gegen schnelle Snacks habe sie nichts, erklärt die 70-Jährige mit einem Augenzwinkern: "Ein Pamboli ist auch Fastfood: es ist mit einer Scheibe Brot, Knoblauch und geriebenen Tomaten sehr schnell zubereitet - aber dabei gesund". Diese Ernährungsweise der "Dieta mediterránea", findet sich ebenso auf Mallorca wie auf den Ländern der Blue Zone wieder. Longevity bedeutet eben nicht, teure Cremes zu kaufen oder in Faceliftings zu investieren. "Eine Gelassenheit, eine positive Grundhaltung ist wichtig für ein langes gesundes Leben. Ich habe auch die japanische Lebensweise Ikigai für mich entdeckt", so die Süddeutsche. Das Konzept kann mit Lebenssinn übersetzt werden.

Soziale Plattform

So findet die Autorin neben ihrem Engagement in ihrem großen Garten Erfüllung bei einem weiteren Hobby, das sie fit hält: Der Kunstverband Arts Society fördert auch auf Mallorca die Wertschätzung von Kunst und Kultur. Seine multinationale, englischsprachige Gemeinschaft trifft sich regelmäßig im Artmadams Hotel in Palma. Eine Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, Kontakte zu pflegen und die japanische Lebensphilosophie aktiv anzuwenden.

Durch die Forschung zur Langlebigkeit im asiatischen Raum trat ein weiterer Aspekt in das Leben der Mutter und Großmutter: "Ich begann, mich näher mit der Geschichte Japans während des 2. Weltkriegs zu beschäftigen". Daraus entstand dann ein weiteres Buch unter dem Pseudonym Katharina Seewald, der Roman "Demnächst in Tokio". Neue Projekte entstehen so fast von selbst und tragen dazu bei, dass Rahn-Huber sagt: "Das Leben auf Mallorca ist wunderbar."

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