Am vergangenen Wochenende sowie zu Beginn der Woche kehrte der "Schwarzmeer-Kosake" Peter Orloff, ehemaliger Ballermann- Interpret, für einen Besuch auf seine geliebte Sonneninsel zurück. Dabei zeigte er sich in einem Hotel an der Cala Fornells verliebt an der Seite seiner Jugendliebe Gaby (Gabriela Castro), mit der er hier ein paar schöne Tage verbrachte. Sein letzter musikalischer Auftritt auf der Insel liegt bereits Jahre zurück: Peter Orloff, der heute 82 Jahre alt ist, prägte in den 1980er- und 1990er-Jahren mit seinen Auftritten die Bühnen am Ballermann auf Mallorca.
Im Gespräch mit MM blickt das Schlager-Urgestein zurück: "Das war damals absolut keine feste Saison, wie man sie heute kennt. Ich wurde immer wieder für einzelne Auftritte eingeflogen. Meistens für ein paar Tage, manchmal sogar nur für zwei oder drei Tage am Stück." Gleichzeitig war Orloff in Deutschland stark eingebunden und absolvierte eine Vielzahl an Terminen – von Konzerten über Fernsehsendungen bis hin zu Studio-Produktionen. "Meine Shows und Auftritte waren eng getaktet. Und dann kam eben Mallorca dazwischen – meist kurzfristig organisiert", sagt er.
"Oberbayern" war damals zentraler Treffpunkt der Szene an der Playa
Auch das Mallorca Magazin, das bereits seit Juni 1971 erscheint, sei ihm seinerzeit als führendes Inselmedium in die Hände gefallen. „Ich habe das damals nicht im klassischen Sinne am Kiosk gekauft. Man könnte eher sagen, ich habe es zugeteilt bekommen. Ich war mit verschiedenen Veranstaltern unterwegs – mit Leuten, die sich um Shows, Künstler, Technik und Auftritte gekümmert haben”, so Orloff. Schon damals sei der Ballermann ein Ort gewesen, an dem eine ausgelassene Stimmung geherrscht habe. Die großen Player wie der Bierkönig oder der Megapark existierten in ihrer heutigen Form noch nicht; andere Clubs prägten das touristische Geschehen und bildeten dessen Zentrum. "Die eigentliche Musik- und Partyszene spielte sich in den Lokalen ab, etwa im Oberbayern. Das war damals einer der zentralen Orte", erinnert er sich.
Die Partys seien von großer Intensität gewesen, wie Orloff bestätigt: "Die Auftritte waren oft sehr spät. Zwei, drei Uhr nachts, das war völlig normal. Und danach war die Nacht noch nicht vorbei. Es ging weiter, oft noch etwas essen oder Treffen mit Kollegen." Nach den Shows habe man das Adrenalin zunächst herunterfahren müssen – und sei in typisch spanischer Gelassenheit speisen gegangen, was fast schon ritualhaften Charakter angenommen habe. Ein beliebter Treffpunkt der Musiker sei damals das Restaurant Ca'n Torrat gewesen, bekannt für seine Fleischgerichte vom Holzkohlegrill.
Überschaubarer Künstlerkreis, aber intensive Partys am Ballermann
"Manchmal sind wir danach noch mit Leuten aus der Szene raus, auch auf Boote oder Yachten. Wenn es morgens hell wurde, ging das Leben einfach weiter", so der Sänger. Vieles vom touristischen Treiben an der Playa de Palma habe sich direkt am Strand abgespielt. "Der Strand selbst war eher dieser offene Bereich, diese große Fläche, die man heute als 'Ballermann' im Kopf hat – gefeiert wurde aber vor allem in den Clubs und Lokalen." Eine weitere prägende Figur der damaligen Szene war für Peter Orloff sein Freund und Kollege, der Volkssänger Heino.
"Heino und ich waren einmal gleichzeitig vor Ort und haben abwechselnd im Oberbayern gesungen. Es war kein riesiger Kreis an Künstlern, wie man ihn sich vielleicht vorstellt, sondern eher ein überschaubares, aber sehr aktives Umfeld". Heino, mit bürgerlichem Namen Heinz Georg Kramm, trat eigenen Angaben zufolge bereits Ende der 1980er-Jahre als Sänger am Ballermann auf – zeitweise sogar als Vertretung für Roy Black, der wenige Jahre später verstarb. Wie Orloff weiter berichtet, soll er sich mit Heino und anderen Künstler phasenweise sogar dieselbe Unterkunft geteilt haben – ein Gästehaus der Playa-Wirtin Beatrice Ciccardini und ihres damaligen Ehemanns Miguel Pascual.
Einer seiner Hits war "Königin der Nacht" in 1978
Ciccardini übernahm 1984 das Lokal "Oberbayern" auf Mallorca, das sich schnell zu einem zentralen Treffpunkt der deutschen Schlager- Szene entwickelte. Dort traten zahlreiche Künstler auf, darunter auch Roy Black, Günther Gabriel, Jürgen Drews, Wolfgang Petry, Costa Cordalis. Heute führt die inzwischen 69-jährige Beatrice Ciccardini seit fast zwei Jahrzehnten die Kultkneipe "Café zur Krone" an der Playa de Palma. Für Peter Orloff sind die Erinnerungen an seine Mallorca-Zeit bis heute lebendig und farbenreich. "Ich würde sagen, grob überschlagen war ich fünf bis zehn Mal im Jahr da. Das ist aber wirklich eine Schätzung. Es gab Jahre, da war es mehr, und Jahre, da war es weniger", erinnert er sich. Fotos mit Handys oder Reels auf Social Media, wie sie heute selbstverständlich sind, gab es damals noch nicht. Entsprechend greift der Sänger vor allem auf sein Gedächtnis zurück. "Es war schon sehr voll auf der Insel. Vielleicht nicht in der heutigen, extremen Dimension, aber für die damalige Zeit war das eine sehr dichte, sehr lebendige Szene."
Seit 33 Jahren leitet Peter Orloff den Schwarzmeer-Kosaken-Chor
Ein mögliches musikalisches Comeback auf Mallorca schließt der Sänger, der Hits wie "Königin der Nacht" (1978) sang, nicht aus. Denn der heute 82-Jährige, der 2019 bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” den dritten Platz belegte und vom Publikum zum "Dschungelkönig der Herzen" gewählt wurde, steht weiterhin aktiv auf der Bühne. Seine Karriere führt ihn bis heute rund um die Welt. Dabei bewegt er sich musikalisch zwischen zwei Welten – als Schlagersänger und als Interpret klassischer Chormusik. Seit mehr als 33 Jahren leitet Peter Orloff den Schwarzmeer- Kosaken-Chor, mit dem er bereits vor über sechs Jahrzehnten seine musikalische Laufbahn begonnen hatte. "Ich spiele über 100 Konzerte im Jahr und bin dabei viel unterwegs – in Deutschland natürlich, aber als Schlagersänger auch in Thailand, Mexiko, der Dominikanischen Republik und auf Fuerteventura."
Das Geheimnis seiner langen Karriere und seiner anhaltenden Vitalität sieht Orloff in Disziplin und einem bewussten Lebensstil. Obwohl er in jungen Jahren auch eine Karriere als Profiboxer in Erwägung gezogen hatte, setzt er bis heute auf Kontinuität und einen fitnessbewussten Lebensstil: "Ich habe mein Leben lang Sport gemacht, ich achte auf mich, ich bleibe aktiv."