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Meer, Zitrusfrüchte, warme Steine: Deutsche Geruchsexpertin erklärt, wie Mallorca riecht

Die Residentin Tina Tzschoppe ist internationaler Duftcoach und sagt: "Wenn ich mich auf der Insel bewege, nehme ich nicht nur visuell reichlich wahr, sondern ich erhalte auch über die Nase sensorisch sehr viele Informationen."

Die Deutsche Tina Tzschoppe, 54 Jahre alt und aus Celle in Niedersachsen, arbeitet in ihrer Heimat, in Italien und in Spanien als Duftcoach | Foto: P. Lozano

| Mallorca |

Tina Tzschoppe drückt ihre Begeisterung für Düfte in Sätzen wie diesem aus: "Mir macht es eine Riesenfreude, wenn ich sehe, dass eine Person anfängt, Gerüche bewusst wahrzunehmen und daraufhin strahlt und lächelt!" Tzschoppe, 54 Jahre alt und aus Celle in Niedersachsen, ist Duftcoach in Deutschland, Italien und Spanien. Seit acht Jahren wohnt sie auf Mallorca. In MM verrät die Expertin, wie die Insel für sie duftet.

"Mallorca riecht je nach Ort, Tages- und Jahreszeit sowie Windrichtung vollkommen unterschiedlich", sagt Tzschoppe. "Die Insel hat sehr viele Duftfacetten." Ihr sogenanntes olfaktorisches Profil entstehe aus dem Spannungsfeld von Meer, Stein, Pflanze, Hitze, Mensch und Geschichte. "Wenn ich mich auf Mallorca bewege, nehme ich nicht nur visuell die schönen Farben wahr, das Blau, der Himmel, das Meer, die grünen Wiesen, das Tramuntana-Gebirge, sondern ich erhalte auch über die Nase sensorisch sehr viele Informationen", erklärt Tzschoppe. "Man riecht die Insel, indem man sie durchschreitet!"

Für MM hat Tzschoppe Mallorca in sechs Duftgruppen eingeteilt. Alle weisen sie ein anderes Profil auf und sind in unterschiedlichen geografischen Umgebungen wahrnehmbar. Darüber hinaus wirken sie sich über bestimmte Gefühle auf den Menschen aus.

Das Meer

Diese Duftgruppe charakterisiert sich unter anderem durch Wind und Weite. In ihrem Profil sind Meersalz, Jod und ozonische Frische enthalten. "Auch nasse Felsen und sonnengewärmtes Holz von Booten und Stegen spielen eine Rolle", so Tzschoppe. "Dazu kommt der menschliche Faktor durch sonnenverwöhnte, gebräunte Haut und Sonnencreme."

Diese Gerüche könne man an der Küste erleben, so die Expertin, besonders an Felsbuchten. "Morgens früh oder bei aufkommendem Wind; an Küsten, wo Seil, Holz und Metall mitschwingen", nennt Tzschoppe weitere Situationen. Zuletzt sei der Strand eine gut geeignete Zone, um diese Düfte zu wahrzunehmen.

Als Wirkungen nennt die Expertin "Freiheit, Klarheit, mentale Weite und Entlastung". Der Meeresgeruch Mallorcas sei trocken, mineralisch und salzig. Er wirke erdend und gleichzeitig befreiend – ein Duft, der den Kopf frei mache.

Die Steppe

Diese Duftgruppe charakterisiert sich durch wilde Kräuter und Hitze. Ihr Profil enthält Rosmarin, Thymian, Salbei, wilder Fenchel, herber Lavendel und trockene Erde. "Wir können diese Gerüche im Inselinneren wahrnehmen, an Wanderwegen, im Tramuntana-Gebirge und besonders intensiv in der Mittagshitze", so Tina Tzschoppe.

"Dort duftet es nach Ursprünglichkeit und Lebenskraft, die uns aufweckt; nach archaischer Ruhe." Diese Düfte entstünden durch Sonne auf Pflanzen, so die Expertin. Sie seien herb, fast medizinisch und erzählten von Widerstandsfähigkeit, vom Überleben unter Hitze und Trockenheit.

Zitrushaine

"Bitterorange und Zitrone vermitteln Leichtigkeit und Optimismus", erklärt Tzschoppe. Weitere Bestandteile dieser Duftgruppe seien grüne Blätter und feuchte Erde im Schatten. Dazu kämen leicht blumige Nuancen. "In den Tälern des Tramuntana-Gebirges – allem voran in Sóller – sind diese Gerüche besonders präsent", sagt die Expertin. Was die Tageszeiten betrifft, so komme das resultierende Gefühl der Klarheit frühmorgens oder abends am besten zur Geltung. "Zitrus auf Mallorca fühlt sich auch mediterran-elegant an", führt Tzschoppe aus. Es rieche grün, eher bitter und lebendig. Dieser Duft von gepflegter Natur, von Mensch und Landschaft im Einklang sei besonders nach Regen wahrzunehmen.

Kiefern, Pinien und Hitze

In Küstennähe und in Pinienwäldern sind auf Mallorca Tina Tzschoppe zufolge Kiefernharz, warme Nadeln und trockener Staub zu riechen. "Diese Elemente geben uns ein Gefühl der Geborgenheit", erklärt sie. Dazu kämen leicht rauchige Noten, die sich wärmend auf die menschlichen Emotionen auswirken würden. "Sommerliche Sinnlichkeit", benennt die Expertin einen weiteren Effekt. "Dieser Duft wirkt fast umhüllend. Er verbindet Natur mit Körper – sonnengetränkt und beruhigend." Besonders am Nachmittag setze die tiefe Entspannung ein.

Stein, Erde und Geschichte

"Das Profil dieser Duftgruppe setzt sich aus Kalkstein, Staub und warmen Mauern zusammen", sagt Tzschoppe. Alte Holztüren und Patina von Möbeln sowie architektonischen Strukturen seien weitere Elemente. "Wir können diesen Geruch in alten Dörfern und in der Mittagssonne wahrnehmen", so die Expertin. "Wir finden ihn in Kirchen, Innenhöfen und Klöstern."

Der Duft dieser Orte bewirke ein Gefühl der Zeitlosigkeit und Beständigkeit, sagt 
Tzschoppe. "Er vermittelt Ruhe und wir fühlen uns, als ob wir in die Geschichte eintauchen würden." Mallorca rieche hier still, so die Expertin.

Die Nacht

Die letzte Duftgruppe definiert sich über die Themen Körper, Rauch und Wärme. "In Gassen und auf Terrassen erzeugen warmer Stein, Haut und Tabak ein Gemisch, das Sinnlichkeit vermittelt", hat Tzschoppe beobachtet. Ergänzt werde das Profil durch Holzrauch, Wein und leise, florale Noten wie Jasmin und Nachtblüher.

"Wenn wir diese Stoffe an späten Sommerabenden wahrnehmen, fühlen wir Nähe und Gelassenheit. Vielleicht werden wir auch leicht melancholisch", bemerkt die Expertin. In der Nacht werde Mallorca intim. Die Hitze gebe gespeicherte Düfte frei und gipfele in einem warmen, menschlichen Akkord.

Fazit

"Mallorca riecht nach Gegensätzen", schließt Tzschoppe. "Trocken trifft auf frisch und herb begegnet weich." Olfaktorisch beschreibt sie die Insel als langsam, naturverbunden, warm und lebendig. "Hier empfinde ich eine ausgeprägte körperliche Leichtigkeit", fügt die Deutsche hinzu.

In ihrer Arbeit als Duftcoach kreiert Tzschoppe geruchliche Parcours, um das sensorische System ihrer Kunden zu sensibilisieren und diese dazu zu bringen, bewusster wahrzunehmen. "Man muss sich bewusst auf Gerüche konzentrieren, auf sie achten", ist die Residentin überzeugt. Es sei sehr spannend, wenn sie mit Menschen spazieren geht, sie diese auf Düfte in der Umgebung hinweist und ihrer Begleitung plötzlich "die Nase öffnet". Tzschoppe ist überzeugt: "Wenn man sich auf die Suche nach Gerüchen macht, hat man reichlich Möglichkeiten auf der Insel."

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