Das stille Wohnviertel Son Espanyolet in Palma auf Mallorca war einst ein Hort der nachbarlichen Beschaulichkeit in jenem Ensemble an traditionellen Reihenhäuschen und Hinterhofgärten. Doch dann war es mit Ruhe vorbei, als ein norwegischer Investor dort einige der Immobilien in Unterkünfte für Ferienvermietung umwandelte. Einheimische Anwohner, die am nächsten Tag arbeiten mussten, und ausländische Urlauber am Pool im Partymodus, Tür an Tür, Wand an Wand und Patio an Patio – das vertrug sich auf Dauer schlecht.
Jetzt trennt sich das Unternehmen Alzina Living von seinen Ferienunterkünften in Son Espanyolet. Die Bewohner des Viertels, das stark unter Gentrifizierung leidet, warnen, dass der norwegische Unternehmer seine beiden letzten Villen, die noch für touristische Vermietung genutzt wurden, zum Verkauf anbietet. Dennoch ist das kein wirklicher Sieg für die Nachbarn.
Das sagen die Anwohner
Wie Ferràn Aguiló, Präsident der Anwohnervereinigung von Son Espanyolet, erklärt, „beobachten wir die Situation aufmerksam. Wir wissen nicht, ob der nächste Eigentümer noch schlimmer sein wird, ob es sich vielleicht um einen Hedgefonds handelt. Denn zumindest bei dem bisherigen Eigentümer Erik Oren wussten wir, wer der Mann ist.“ Außerdem, so die Nachbarn, lebte der Norweger in Palma, konkret im Stadtteil Santa Eulàlia, was den Kontakt zu ihm erleichterte. Derzeit vermarktet Alzina Living nur noch zwei Ferienunterkünfte: die Villa Son Mas mit 16 Betten sowie die Villa Sant Josep mit elf. Obwohl bereits Reservierungen für das kommende Jahr möglich sind, stehen die zwei Häuser auf dem Immobilienportal Idealista sowie weiteren zum Verkauf.
Die Villa Son Mas wird den Angaben zufolge für drei Millionen Euro angeboten. Laut Anzeige handelt es sich um „eine wahrhaft einzigartige Immobilie, sowohl wegen der Größe des Grundstücks als auch wegen ihrer wertvollen Lizenz für Ferienvermietung (ETV). Ein Ort mit einer magischen und bezaubernden Atmosphäre, eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Außerdem besteht die Möglichkeit, im hinteren Bereich des Grundstücks einen Parkplatz anzulegen.“
Was die Villa Sant Josep betrifft, liegt der Einstiegspreis bei 2,6 Millionen Euro. „Was diese Immobilie wirklich auszeichnet, ist ihre seltene touristische ETV-Lizenz für bis zu 11 Personen, was sie zu einer außergewöhnlichen Gelegenheit sowohl zum Wohnen als auch als Investition macht“, heißt es in der Anzeige.
Der norwegische Unternehmer trat in dem Viertel eindrucksvoll in Erscheinung, als er 2018 auf einen Schlag ein Dutzend Häuser in Son Espanyolet erwarb. Seitdem unternahm er zahlreiche Versuche, Son Espanyolet in eine Art horizontales Hotel zu verwandeln.
Tatsächlich „besaß er etwa zehn Häuser, die er umgebaut hatte, und jedes von ihnen verfügte über bis zu 14 Betten. Insgesamt hatte er Unterkünfte für mehr als 150 Personen geschaffen. Darüber hinaus hatte er ein weiteres Haus gekauft und umgebaut, um es in eine Zentralküche zu verwandeln, die die übrigen Häuser versorgen sollte, hinzu kam ein Empfangs- und Wartungszentrum“, so Aguiló. Mit anderen Worten: Erik Oren hatte mitten in einem Wohnviertel im Herzen von Palma ein Resort geschaffen.
Nach dem Druck der Anwohner, die die zahlreichen Belästigungen durch die Partys der Gäste seiner Villen angezeigt hatten, musste Oren sich schließlich zum Immobilienentwickler umorientieren. Da er keine Ferienunterkünfte mehr betreiben darf (bis auf die zwei genannten Ausnahmen), widmet er sich nun dem Bau von Reihen-Einfamilienhäusern im Viertel, deren Preise deutlich über einer Million Euro liegen.
Aguiló warnt, dass dies keineswegs eine Niederlage für Oren sei: „Er hat die Häuser für rund eine halbe Million Euro gekauft und verkauft sie jetzt für drei Millionen. Das war für ihn äußerst profitabel. In der Mas-Straße, wo sich seine Villen befinden, werden derzeit zehn von insgesamt 40 Häusern angeboten.“ Das Fazit Aguilós: Das Wohnviertel Son Espanyolet steht zum Verkauf – und das zu einem absurd hohen Preis.