Folgen Sie uns F Y T I R

Wohnungsmisere: Erste Gemeinden auf Mallorca greifen zu drastischen Maßnahmen

Die Landesregierung preschte jüngst mit einer Mindestwohndauer von fünf Jahren vor. Erst wer so lange in der Gemeinde gemeldet ist, soll Zugang zur öffentlich gefördertem Wohnraum bekommen. Etliche Kommunen legen die Latte deutlich höher.

Sóller fordert für den Zugang zu öffentliche gefördertem Wohnraum 18 Jahre Zugehörigkeit im Ort | Foto: Joan Alemany Llovera

| | Palma, Mallorca | |

Angesichts des Wohnungsnotstands setzen die ersten Kommunen auf Mallorca die Hürden für den Zugang zu öffentlich geförderten Eigenheimen höher. Nach Informationen der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" verschärfen derzeit mehrere Gemeinden die Voraussetzungen für den Erwerb von sogenanntem VPO-Wohnraum (viviendas de protección oficial) und gehen damit teils deutlich über die Vorgaben der Regionalregierung hinaus. Ziel ist es, Einheimische gegenüber Zuzüglern zu bevorzugen.

Die konservativ geführte Landesregierung unter Ministerpräsidentin Marga Prohens (Volkspartei, PP) hatte kürzlich beschlossen, den Zugang zu öffentlich gefördertem Wohnraum auf Personen zu beschränken, die seit mindestens fünf Jahren auf den Balearen gemeldet sind. Doch immer mehr Kommunen halten diese Frist für unzureichend. Nach Angaben der Regionalregierung haben bislang fünf Gemeinden auf Mallorca beantragt, die erforderliche Mindestwohndauer weiter anzuheben.

In Esporles, das von der regionalistischen Partei Més regiert wird, sind inzwischen sieben Jahre Wohnsitz Voraussetzung. Die gleiche Frist gilt für ein neu genehmigtes Wohnbauprojekt im Küstenort Peguera in der Gemeinde Calvià, die von einer Koalition aus PP und Vox geführt wird. In Inca, wo die Sozialdemokraten regieren, erhalten junge Menschen unter 35 Jahren erst dann Vorrang, wenn sie seit mindestens acht Jahre im Ort leben. Sencelles, verwaltet von der Regionalpartei PI, geht noch weiter und setzt für junge Bewerber sogar zehn Jahre Ortszugehörigkeit voraus.

Den bislang strengsten Maßstab legt der vom Massentourismus besonders betroffene Küstenort Sóller an: Dort werden bei der Vergabe öffentlicher Wohnungen junge Menschen bevorzugt, die seit mindestens 18 Jahren im Ort gemeldet sind. Und der nächste Ort steht in den Startlöchern: In Pollença zeigte sich Bürgermeister Martí March offen dafür, ein ähnliches Modell zu prüfen.

Esporles war die erste Gemeinde, die eine solche Verschärfung einführte. Der Ort gilt als die wohlhabendste Kommune der Balearen. Bürgermeister Josep Ferrà (Més) begründet den Schritt mit einer "akuten Notlage" auf dem Wohnungsmarkt. In Esporles träfen "zwei Faktoren zusammen: wenig öffentliches Bauland und eine enorme Nachfrage", erklärte Ferrà. Der durchschnittliche Kaufpreis für ein Haus liege bei rund 600.000 Euro – eine Summe, die für die meisten Einheimischen unerschwinglich sei.

In den anderen Gemeinden sieht es nicht besser aus. In Calvià etwa kostet eine Immobilie im Schnitt inzwischen rund drei Millionen Euro, wie Zahlen von Immobilienmaklern unter Berufung auf das Grundbuchamt zeigen.

Die Regionalregierung verteidigt den Kurs der Kommunen. Aus dem Wohnungsbauministerium heißt es, alle Maßnahmen des jüngst verabschiedeten Sofortprogramms zielten darauf ab, bezahlbaren Wohnraum für die ansässige Bevölkerung zu schaffen. Baleares primero (deutsch: Bewohner der Balearen zuerst) lautet die Prämisse. Die Einführung einer fünfjährigen Mindestwohndauer sei dabei ein landesweit neuer Ansatz gewesen. Man gehe davon aus, dass weitere Gemeinden "ähnliche Regelungen prüfen". Solange die Anspannung auf dem Wohnungsmarkt unverändert hoch bleibe, werde die Landesregierung diese Linie unterstützen, heißt es aus dem Ministerium.

Zum Thema
Meistgelesen