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Filmfestival-Glamour auf Mallorca

Festivalleiter Jaume Ripoll bei der Präsentation des AmFF-Programms in Madrid. | AMFF.

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Um kulturelle Großereignisse auf Mallorca anzukündigen, gibt eine Pressekonferenz auf der Insel offenbar nicht mehr genug her. Der neuste Trend: Die Präsentation erfolgt in Madrid. So hielt es im vergangenen März das Mallorca Live Festival, und ein Gleiches tat jetzt das Atlàntida Film Fest (AMFF), mit den maßgeblichen Politikern im Tross, denen keine Reise vor die Kamera zu weit ist.

So wurde also aus der spanischen Hauptstadt mitgeteilt, was von Sonntag, 24. Juli, bis Sonntag, 31. Juli, in der Hauptstadt der Balearen auf der Agenda der zwölften Ausgabe des Festivals steht. Der Stargast des Jahres 2022 wird Isabelle Huppert sein. Die französische Schauspielerin, die zu den Ikonen des europäischen Films zählt und mit Regisseuren wie Claude Chabrol und Michael Haneke zusammengearbeitet hat, wird bei der Abschlussgala am 31. Juli den Master of Cinema Award erhalten. Diese Auszeichnung ging im vergangenen Jahr an die Schauspielerin Judi Dench und 2020 an den Regisseur Stephen Frears.

Dieses Jahr erhält den Preis noch ein weiterer Cineast: der ukrainische Regisseur und Drehbuchautor Sergei Loznitsa, der seit 2001 mit seiner Familie in Deutschland lebt. In Palma wird sein jüngstes Werk „The National History of Destruction” (Die Naturgeschichte der Zerstörung), der im vergangenen Mai bei den Filmfestspielen von Cannes uraufgeführt wurde und beim AMFF seine Spanien-Premiere hat. Der Dokumentarfilm versucht, auf Basis erhalten gebliebener Filmaufnahmen eine Vorstellung vom Ausmaß der Zerstörung der deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg zu gewinnen und regt zur Reflexion über das Trauma und das Schweigen an, das mit dieser Zerstörung verbunden ist.

Huppert und Losznitsa werden dieses Jahr nicht die einziges prominenten Gäste beim AMFF sein. Angekündigt wurde zudem die international renommierte serbische Performance-Künstlerin Marina Abramovic, die im vergangenen Jahr mit dem Prinzessin von Asturien Preis für die Künste ausgezeichnet. Am Eröffnungstag wurde in einer Sondersitzung im Kulturzentrum La Misericòrdia das Video „7 Deaths of Maria Callas” (Die sieben Tode der Maria Callas) vorgeführt, in dem Abramovic neben Willem Dafoe die Hauptrolle spielt. Die Künstlerin, die sich selbst als Patin der Performance bezeichnet, wird außerdem im Mittelpunkt einer Ausstellung in der Galerie Horrach Moyà stehen.

Ein weiterer großer Name ist der von Annie Ernaux. Die französische Schriftstellerin wurde unter anderem als „eine der prägendsten Stimmen der französischen Gegenwartsliteratur” und als „weiblicher Proust” bezeichnet. Die Autorin wird mit „The Super 8 Years” einen sehr persönlichen Film vorstellen. Er basiert auf Aufnahmen aus ihrem Familienleben, die in den 1970er Jahren mit einer Super-8-Kamera gedreht wurden. Chronologisch zusammengestellt von ihrem Sohn David Ernaux-Briot, werden die Aufnahmen überlagert von Non-Stop-Erzählungen, die von Annie Ernaux selbst geschrieben und gesprochen wurden.

Das Festival in Zahlen, das sind ein Etat von einer Million Euro und ein Programm mit 70 Filmen. Zwei Drittel davon sind spanische Erstaufführungen, hinzu kommen 13 Weltpremieren. Auf dem Programm stehen darüber hinaus zwölf Konzerte, außerdem Vorträge und Treffen mit Vertretern der Filmindustrie.

Mit der Premiere des spanischen Filmes „Ramona” begann das AMFF am 24. Juli. Die Hauptrolle bei dem Spielfilmdebüt der Madrilenin Andrea Bagney spielt die Songwriterin und Sängerin Lourdes Hernández, die unter dem Künstlernamen Russian Red musikalisch unterwegs ist.

Den diesjährigen Schlusspunkt setzt am 31. Juli das jüngste Werk des Goya-Preisträgers Kike Maíllo, „El falisficador”. Der Dokumentarfilm ist eine der ersten Auftragsproduktionen für den Streaminganbieter Filmin, dessen Mitbegründer Jaume Ripoll zugleich Leiter des Festivals ist. „El falisficador” handelt von dem katalanischen Künstler und Kunstfälscher Oswald Aulestia Bach.

Auf dem Programm finden sich auch zahlreiche mallorquinische Produktionen, zum Beispiel der Dokumentarfilm „Petricor” von Victòria Morell, der die Geschichte von drei Frauen aus verschiedenen Generationen erzählt, die mit einer Essstörung leben. Der von Nova Producciones produzierte Film wurde am 26. Juli uraufgeführt. Die Produktionsfirma ist Teil der Verlagsgruppe Serra, der auch das Mallorca Magazin angehört.

Auch die erste Folge der Serie „Sicília sense morts”, bei der Lluís Prieto Regie führte und die deutsche Schauspielerin Caren Molinar mitwirkt, wird am 29. Juli Premiere haben. An diesem neuesten Projekt von IB3 sind Filmin, TV3 und À Punt beteiligt, und es wird ebenfalls von Nova Producciones produziert.

Spielorte des Festivals sind das La Misericòrdia, Ses Voltes, Sala Rívoli sowie das Cine Ciutat, des Museu de Mallorca und das Teatre Mar i Terra. Die Einzelkarte kostet 4 Euro und kann über die Website atlantidafilmfest.com reserviert werden. (mb)

Die verschiedenen Sprachen urbaner Kunst zu präsentieren, hat sich die 2B Art Gallery auf die Fahnen geschrieben. In ihren Räumlichkeiten in der Avinguda Joan Maragall 15 in Palma präsentierte sie am 7. Juli ihre erste Ausstellung des Sommers. Die Schau befasst sich mit zwei dieser Sprachen: mit den Werken von James Choules alias SheOne und der Künstlergruppe The London Police.

James Choules stammt aus dem harten Kern der britischen Graffiti-Szene, wo er unter dem Pseudonym SheOne sprühte. In den 1990ern war er ein Pionier beim Übergang von Arbeiten auf Wänden zu Arbeiten auf Leinwand. In diesem Zuge entwickelte sich sein Graffiti zu einer persönlichen abstrakten Sprache, die durch monochrome Spritzer und bewusst gestische Pinselstriche gekennzeichnet ist und sich mit der aktuellen zeitgenössischen Kunst auseinandersetzt. Als Graffitikünstler repräsentiert der in Barcelona lebende Autodidakt die internationale Gegenkultur.

The London Police gehört zur Strömung, die ihre Wurzeln in Comics und Illustrationen hat. Ihre freihändige Arbeit ohne Schablonen und ihre „Lads” genannten Figuren, einfach, frisch, immer positiv und in unwahrscheinliche Abenteuer verwickelt, haben Chaz Barrisson und Bob Gibson einen herausragenden Platz in der Street-Art eingebracht. Nach 22 Jahren hat das Kollektiv mehr als 100 Ausstellungen und Events in mehr als 35 Ländern durchgeführt und seine Arbeiten tauchen weiterhin an vielen Orten in den Straßen auf.

Die Vernissage fand am 7. Juli statt. Die Ausstellung dauert bis Freitag, 5. August.

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