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Wie sich ein Tänzer aus Venezuela auf Mallorca durchbiss, um seinen Traum zu leben

Juan Mora wollte einfach nur Ballett tanzen und würdig leben. Doch das Asylrecht machte ihm fast einen Strich durch die Rechnung

Der venezolanische Tänzer Juan Mora: Erst hat er sich auf Mallorca als Kellner durchgebissen, jetzt vom Ballet de Barcelona engagiert. | Álvaro Maldonado

| Palma, Mallorca |

Juan Mora war nach Mallorca gekommen, um in Freiheit und Würde leben und seinen Beruf als Ballett-Tänzer ausüben zu können. Doch der Weg dahin war steinig. Es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre als Asylant an den Gesetzen gescheitert. Mora ist 27 Jahre alt und ein Kämpfer. „Aufgeben ist für mich keine Option”, lautet seine Maxime. So etwas sagt sich leicht dahin, wenn man in behüteten Verhältnissen lebt. Doch der Tänzer kommt aus dem autoritär regierten Venezuela, dessen politische und wirtschaftliche Situation katastrophal ist. Mehr als siebeneinhalb Millionen Venezolaner, mehr als ein Viertel der Bevölkerung, haben laut UN-Angaben in den vergangenen Jahren ihr Land verlassen, darunter über eine Million Asylsuchende und 230.000 anerkannte Flüchtlinge.

Einer von ihnen ist Mora. In Venezuela hatte er seine Karriere als professioneller Tänzer beim Ballet del Teatro Teresa Carreño in Caracas begonnen. „Das ist die größte, wenn nicht sogar einzige Ballettkompanie des Landes”, erzählt er und erklärt, warum er dort keine Zukunft für sich sah. „Wegen der schweren Krise musste sich die Kompanie praktisch auf eine oder zwei kleine Spielzeiten im Jahr beschränken, so dass die Möglichkeiten, auf die Bühne zu kommen, so rar waren wie Wasser in der Wüste.”

2019 reifte in ihm der Plan, Venezuela zu verlassen. „Meine Karriere, meine Integrität und meine Träume waren in Gefahr”, schildert er seine damalige Situation. „Nach Spanien zu kommen, schien mir ein guter Ausweg zu sein, um meine Karriere fortzusetzen und meinem Leben ein Minimum an Qualität zu geben.”

Im März 2020 sollte es nach Europa gehen, doch dann kam Covid und Mora musste seine Reise um zwei Jahre verschieben. Erst im März 2022 konnte er in den Flieger nach Spanien steigen. Das Ziel: Mallorca, wo er und sein Partner die Möglichkeit hatten, vorübergehend unterzukommen.

Der Anfang war hart. Ohne Arbeitserlaubnis und Einkommen musste er nach einer festen Unterkunft suchen. Nach monatelangen Versuchen wurde er in das Flüchtlingsprogramm des Spanischen Roten Kreuzes aufgenommen. Das bedeutete, ein Dach überm Kopf und der Lebensunterhalt waren fast ein Jahr lang gesichert.

Im März 2023 erhielt Mora auch eine Arbeitserlaubnis – und befand sich dennoch in einer Sackgasse. „Als Tänzer auf Mallorca zu arbeiten, ist unmöglich und im übrigen Spanien ist das Arbeitsfeld sehr begrenzt”, sagt er. Das Ausland, wo Tänzer gesucht wurden, blieb ihm dagegen bis heute verschlossen. „Ich darf Spanien wegen des Flüchtlingssystems, in das ich eingebunden bin, nicht verlassen.” Statt auf der Bühne zu stehen, schlug sich Mora als Kellner durch. Die bittere Wahrheit: „Ich war wieder an einem ähnlichen Punkt wie in Venezuela, meine Karriere und meine Träume hingen erneut an einem seidenen Faden.”

Der Lichtblick: Mora war mit der Pasodos Dance Company und ihrem Palma Dance Centre in Kontakt gekommen. Deren Gründer und Leiter, Laura Macías und Gavin De Paor nahmen den Tänzer als Vollstipendiaten auf. Unter ihrer Aufsicht übte und trainierte er. „Dank Pasodos konnte ich mich bei mehreren Gelegenheiten präsentieren, kleine Jobs machen und im Ballett aktiv und vorbereitet sein, wieder eine Stelle in einer professionellen Kompanie anzunehmen.”

Diese Stelle hat er nun angeboten bekommen. Nach einer Klasse beim Ballet de Barcelona, die ihm Macías vermittelt hatte, erhielt er das Angebot, in der Wintersaison beim „Nussknacker” mitzuwirken. Lange überlegen musste Mora nicht. „Ich glaube, das ist ein guter Anfang!” (mb)

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