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Berühmteste Ex-Bingohalle auf Mallorca vor Comeback – diesmal mit Bühne statt Kugeln

Warum die ehemalige, leer stehende Glückspielhalle in Palma plötzlich zum Magneten für Kulturmacher wird

Die Innenräume wurden vor einigen Jahren für angeblich 15 Millionen Euro zum Casino umgestaltet, das jedoch nie eröffnete | Foto: M. À. Cañellas

| Palma de Mallorca |

Der Verkauf des traditionsreichen Bingo Balear im Zentrum von Palma de Mallorca und die geplante Umwandlung in ein Varieté-Theater sorgt derzeit für ordentlich Bewegung in der Kultur- und Freizeitbranche der Insel. Seit bekannt wurde, dass ein mallorquinischer Unternehmer das gegenüber der Markthalle Olivar gelegene, historische Gebäude übernommen hat, reißen die Anfragen von potentiellen Betreibern nach einem Bericht der spanischen MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“ nicht ab. „Wir haben bereits zahlreiche Anrufe von Unternehmen und Künstlern erhalten, die großes Interesse an dem Projekt zeigen“, bestätigt der neue Eigentümer, Josep Perelló.

Perelló stammt aus Santa Margalida und ist in der Szene kein Unbekannter: Schon vor rund 20 Jahren hatte er versucht, dem legendären Rialto-Kino neues Leben einzuhauchen. Nun will er dem ehemaligen Bingo Balear eine neue Zukunft geben. Das Gebäude erwarb er am 1. Dezember für rund 2,4 Millionen Euro – ein Kauf, der in Palma aufmerksam registriert wurde.

Ein „Geschenk für Mallorca“

„Die Erwartungen sind hoch“, sagt Perelló. „Viele Interessenten wollen diesen Ort betreiben – und das freut mich. Denn dieses Haus ist ein Geschenk für Mallorca.“ Besonders wichtig sei ihm, dass das Projekt in mallorquinischer Hand bleibe und sich an ein lokales wie internationales Publikum richte, ohne seine Identität zu verlieren.

Das Gebäude selbst bringt beste Voraussetzungen mit: Seine Geschichte reicht von Theater- und Kinonutzung bis hin zu Zirkusaufführungen. Genau an diese kulturelle Tradition soll nun angeknüpft werden. Ziel ist ein sogenanntes „Café-Teatro“, also ein Varieté-Theater mit Live-Formaten, Musik, Show und Gastronomie.

Bestlage und exzellenter Zustand

Auch die Lage könnte kaum besser sein: Nur wenige Schritte vom Mercat de l’Olivar und der Plaza de España entfernt liegt das Haus in einer der zentralsten Zonen Palmas. „Ich habe bereits über Vermittler Kaufangebote erhalten“, sagt Perelló, „aber ich habe es gerade erst gekauft – ein Weiterverkauf steht nicht zur Debatte.“

Sowohl mallorquinische als auch katalanische Unternehmen haben bereits ihr Interesse bekundet, den Betrieb des künftigen Theaters zu übernehmen. Parallel dazu laufen im Rathaus von Palma die notwendigen Verfahren zur Änderung der Betriebslizenz.

Besucher potenzieller Betreiberfirmen zeigten sich vor allem vom Zustand des Gebäudes beeindruckt. „Viele waren überrascht, wie gut alles erhalten ist“, berichtet Perelló. Kein Wunder: In früheren Jahren war das Objekt mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Millionen Euro für eine Casinonutzung umfassend renoviert worden.

Der Geschäftsführer von Trui Espectacles, dem Platzhirsch der balearischen Eventszene mit eigenem Show- und Eventtheater in Palma, Miky Jaume, schließt zwar eigene Investitionen aus, unterstreicht jedoch die Bedeutung des Projekts: „In Palma gibt es kaum vergleichbare Orte für diese Art von Kulturangebot.“ Neben dem "Teatre Sans" seien mit dem Cabaret "Botiga des Buffons" und dem "Lisboa" – einst eine feste Adresse für Live-Musik – zentrale Spielstätten verschwunden. Letzteres sei inzwischen „zu einer Cocktailbar für ausländisches Publikum umgewandelt worden“. Das ehemalige Teatre Balear, also das heutige Bingo Balear, wiederzubeleben, wäre für Palma, so Jaume, „ein echter Luxus“ .

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