Mitten in der Altstadt von Palma de Mallorca, in einer versteckten Straße nur einen Steinwurf von der Lonja und dem Regierungssitz Consolat de Mar entfernt, begeht dieses bescheidene und fest etablierte Restaurant mit mallorquinischer Küche sein 70-jähriges Bestehen. Im Laufe der Jahrzehnte ist hier die unterschiedlichste Kundschaft eingekehrt. Seit seinen Anfängen in Familienhand, hat sich der „Celler Pagès”, was sich als Land- oder Bauernkellerei übersetzen ließe, unter den Lokalen mit traditioneller Küche einen festen Platz erobert – dank seiner angenehmen Atmosphäre, des aufmerksamen Services, klassischer und gut zubereiteter Gerichte sowie nur sehr sparsamer Zugeständnisse an Innovationen.
Ein weiterer Pluspunkt dieses Hauses ist das seit vielen Jahren angebotene Mittagsmenü, das sich im Laufe der Zeit behutsam verändert hat und aufgrund seiner Qualität und seines guten Preises (18 Euro) nach wie vor eine zusätzliche Attraktion für die zahlreichen einheimischen wie auch auswärtigen Gäste darstellt.
Der Standort im Carrer Felip Bauzà 2, an dem sich das Lokal seit 1956 befindet – eine Gedenktafel in der Straße erinnert an dieses inzwischen ehrwürdige Datum –, ist schlicht, mit einem rustikalen Touch. Der Raum ist in zwei durch Stufen getrennte Bereiche gegliedert. Die Einrichtung wird geprägt von bäuerlichen Arbeitsgeräten an den Wänden – Mistgabeln, Sicheln, Vogelfallen – sowie von Gemälden, die Künstler als Erinnerung an schöne Stunden in diesem Hause hinterlassen haben.
Das Restaurant Celler Pagès ist weiterhin eine feste Größe innerhalb der mallorquinischen Gastronomie. Er ist ein Teil jener „sieben großartigen” Restaurants, die der Gastrokritiker Andrés Valente vor einigen Jahren in der MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora” erwähnte: Café Balear, Can Eduardo, Can Nofre, Celler Pagès, Can Tomeu (in Orient), El Tritón und El Túnel – eine Riege, die leider immer kleiner wird.
Der Celler Pagès hält sich dank des Engagements der Eigentümerfamilie und ihrer Treue zu dem, was sie am besten beherrscht: traditionelle Gerichte, gut gekocht und zu fairen Preisen. Genau das suchen die Gäste, in dem Wissen, dort zudem eine warme Atmosphäre, einen freundlichen und aufmerksamen Service sowie Gerichte „wie früher” vorzufinden. Wie in den Restaurants vergangener Zeiten: keine Überraschungen, aber alles appetitlich.
Das Erfolgsrezept des Kult-Restaurants
Wahrscheinlich ist genau dies das Erfolgsrezept all jener Jahre, in denen dort eine heterogene Kundschaft bewirtet wird. Im Celler Pagès legt man großen Wert auf die Verwendung saisonaler Produkte, die um weitere Zutaten ergänzt werden, um besonders gelungene Kreationen abzurunden. Besonders erfreulich sind stets die ausgezeichneten, gefüllten Auberginen, die Zucchini mit Zuckerrohrhonig, das Tumbet mit Spiegelei sowie die hervorragenden mallorquinischen Brotsuppen mit Gemüse (Sopas mallorquinas) – auch wenn mir das Gemüse beim letzten Mal etwas zu bissfest war.
Sehr gelungen sind die meisten Klassiker des Hauses: Frito und Lende mit Tumbet, Zunge mit Kapern, Lammkoteletts mit Kartoffeln und roter Paprika oder die nicht ausgelösten Schweinsfüße. Hin und wieder kündigt eine Schiefertafel interessante Gerichte außerhalb der Standardkarte an, etwa Artischocken nach römischer Art (zur Saison), gefüllte Cannelloni, ein hervorragender Tintenfischeintopf mit Sobrassada oder sogar Ente mit Pflaumensauce. Ofenapfel, hausgemachte Kuchen, Flan und Pudding sind als Dessert ein sicherer Abschluss. Das Weinangebot hingegen ist lediglich solide und noch ausbaufähig.
Der Innenraum des Lokals mit bequemen Stühlen und Tischen samt karierten Tischdecken trägt dazu bei, dass der Aufenthalt in dieser gemütlichen Kellerei – inzwischen in der Hand der dritten Generation, mit José Antonio Amengual an der Spitze – zu einem angenehmen Erlebnis wird. Aufmerksamer Service und moderate Preise machen dieses Haus zu einem lebendigen Zeugnis der guten gastronomischen Geschichte Palmas, das erfreulicherweise weiterhin bei bester Gesundheit ist.