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Mal eine Wachtel vom Rost gefällig? In diesem Restaurant auf Mallorca werden Sie liebevoll verköstigt!

Das Son Bascós befindet sich ganz in der Nähe des malerischen Mühlendorfes Montuïri

Restaurant-Betreiberin Antònia Miralles Martorell schmeißt den Laden seit vielen Jahren mit mehreren anderen Mitarbeitern. | Foto: it

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Wer eine auf dem Rost gebratene Wachtel zur eigenen Zufriedenheit verspeisen will, muss eine von zwei Vorgehensweisen virtuos beherrschen: Entweder er ist in der Lage, mit Messer und Gabel so feinfühlig zu hantieren, dass es für ihn keine Schwierigkeit darstellt, kleine Fleischstücke von den oft winzigen Knochen zu trennen. Oder er ist fähig, mit den bloßen Händen so zu agieren, dass am Ende ein perfekt abgenagtes Miniskelett auf dem Teller übrig bleibt.

Angenehmer und weniger zeitraubend ist die zweite Variante, wie der MM -Testesser im Restaurant Son Bascós bei Montuïri erleben konnte, zumal man dort zur Endreinigung der Finger ein feuchtes Tüchlein hingelegt bekommt. „Eine einzelne Wachtel stillt selbst den kleinen Hunger kaum”, gibt Antònia Miralles Martorell zu, die das bei Insulanern populäre, etwas abgelegene und seit geschlagenen 37 Jahren existierende Lokal einst von ihren Eltern erbte. „Unser begehrtester Teller sind deshalb zwei gebratene Wachteln mit Pommes frites oder Salat.” Wer dann noch vorgeschaltet Wachteleier mit Aioli und Landbrot verputzt, verlässt den Tisch garantiert nicht hungrig.

Und er ist auch nicht viel ärmer als vorher. Denn das Stargericht kostet schlappe 11,90 Euro, die Begleitteller 2,90 Euro. Und wenn man noch Hunger auf eine dritte „codorniz” hat – so heißt die Wachtel auf Spanisch – muss man nicht mehr als 4,70 Euro extra hinlegen.

„Früher züchteten wir hier auch Wachteln, weshalb das Restaurant als Ergänzung entstand”, so Antònia Miralles Martorell. Die irgendwie ulkigen und zugleich filigranen Vögel werden ihren Angaben zufolge seit dem Jahr 2020 nirgendwo mehr auf Mallorca gemästet, weshalb sie die geschlachteten Flattertiere auf dem spanischen Festland einkauft.

Im Son Bascós geht es wunderbar familiär zu

Die unkonventionelle Kost begeistert vor allem alteingesessene Mallorquiner aller Altersklassen, die besonders am Wochenende in Scharen kommen, wenn das Restaurant auch mittags ab 13 Uhr geöffnet hat. Unter der Woche ist es montags und dienstags geschlossen und ansonsten nur abends ab 20 Uhr zugänglich (Reservierung: www.sonbascos.com ).

Im Son Bascós geht es ein wenig zu wie im nicht weit entfernten kultigen Schneckentempel Es Cruce. Der Unterschied ist, dass bei Antònia Miralles Martorell alles intimer über die Bühne geht, familiärer. Mit drei bis vier Helfern schmeißt die Wachtelkönigin der Insel den Laden, man hat viele Stammgäste, darunter auch deutsche. „Bei Touristen sind wir eher unbekannt, aber Residenten schätzen uns”, so die Betreiberin.

Im Son Bascós durchzuckt einen ein Gefühl, das selten auf der massifizierten und gentrifizierten Insel geworden ist: Hier erlebt man eine unverfälschte Authentizität, die – sofern die Wachtel-Miniknochen zwischen den Zähnen knacken – noch uriger wirkt. Über das reine kulinarische Erlebnis hinaus bietet sich in dem Kenner-Restaurant die Gelegenheit, die einzelnen Insel-Phänotypen zu studieren – vom rotzig-katalanistischen jungen Biertrinker-Mann über die voluminöse Familien-Patriarchin und den feixenden Schuljungen bishin zum graumelierten konservativen Rentner mit Lacoste-Pullover.

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