Es heißt, dass sich manch einer bei all den Paellas und Albóndigas auf Mallorca nur zum Ballermann traut, um einfach mal wieder eine Currywurst zu essen. So wie er oder sie das früher vielleicht mal auf einem Bahnsteig im Ruhrgebiet oder am Niederrhein getan hatte, mit kaltem Zigarettenrauch in der Nase und Geratter auf den Gleisen ...
Zwar muss man auf Mallorca für das bekanntlich zum deutschen Kulturgut zählende kulinarische Erzeugnis inzwischen leider deutlich tiefer in die Tasche greifen, doch das geschmackliche Erweckungserlebnis ist vergleichbar. Zumal man an der Playa durchaus in der Regel die klassische Currysauce nimmt und nicht einfach nur Mercadona- oder Lidl-Ketchup mit einem gelben Pulver mischt.
Wer nicht allzu viel Geld abdrücken möchte, möge den Wurstkaiser neben dem Mega-Park aufsuchen. Dort gibt es die Currywurst mit Brot im klassischen Pappbehälter für fünf Euro, was nach einer neuen, erst vor wenigen Wochen erarbeiteten Studie noch immer deutlich mehr als im Ruhrgebiet ist, der Ursprungsgegend des rötlichen Gerichts. Dort oszilliert der Durchschnittspreis zwischen fast unschlagbar niedrigen 2,83 Euro in Moers, 3,05 Euro in Gelsenkirchen und 3,18 Euro in Duisburg.
Die Wurstkaiserwurst schmeckt – wie es sein muss – leicht pikant und hinterlässt im Gaumen und Rachen einen würzigen Nachgeschmack. Ein Schluck Bier trägt dazu bei, dass vor lauter Wonne erst recht bei geschlossenen Augen ein leichter Höhenflug des Körpers zu verspüren ist. Dieter Habermann aus Düsseldorf ist ebenfalls guter Dinge, nachdem er so eine Wurst vertilgte: "Mindestens zweimal pro Woche muss das auf jeden Fall sein", so der erfahrene Ballermann-Tourist gegenüber MM.
Auch ein multikulturelles Erlebnis
Ähnlich angenehm mundete dem MM-Testesser die Wurst in der Grillmeister-Filiale an der Ecke der berühmten Schinkenstraße mit dem Carrer Llaut. Im Unterschied zum Wurstkaiser gibt es hier immerhin richtige Tische, an die man sich setzen kann. Beim Verputzen des Erzeugnisses, das aus Bratwurst oder Brühwurst mit oder ohne Darm hergestellt wird, kann man denn auch vor lauter Freude lustvoll die Beine nach vorn strecken, während man draußen die Straßenhändler und Exzesstouristen in Augenschein nimmt. Allein der Preis stört etwas, 5,99 Euro erscheinen recht viel für die paar Stücke, die er wie beim Wurstkaiser im rechteckigen Pappbehälter serviert bekam. Für einen Euro mehr erhält man im Grillmeister immerhin eine XXL-Version der Speise, die – so heißt es – im fernen Jahr 1936 in Duisburg erfunden und in Berlin verfeinert wurde.
9,60 Euro für die Wurst nebst Pommes frites, Krautsalat, Mayonnaise und Ketchup, die im wohl deutschesten aller Ballermann-Lokale, dem legendären Deutschen Eck, verlangt werden, sind eher verschmerzbar. In dem proppenvollen, von den umtriebig-humorvollen nordrhein-westfälischen Wirten Michael und Felicitas Bohrmann seit fast ewigen Zeiten geschmissenen Lokal heißt das Gericht nicht – wie woanders – rotzig "Mantaplatte", sondern schlicht "Currywurst mit Pommes" und schmeckt denn auch zu seinem Vorteil eher unrustikal.
Es füllt den Magen, ohne dass man sich allzu sehr gemästet fühlt. Beim Schmaus kann man nach Lust und Laune andere Gäste beobachten – vom jugendlichen Fußballfreund mit Vereins-T-Shirt über den in die Jahre gekommenen Managertypen bis zum unauffälligen spanischen Angestellten, der an einem "café cortado" nippt. Und so kann das Verspeisen einer Currywurst auf Mallorca auch irgendwie ein multikulturelles Erlebnis sein.