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Respekt

Der Bundespräsident, Mallorca und die Medien

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Mittwochabend war ich besonders gespannt auf die abendlichen Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen: Wer würde wie über den Besuch des Bundespräsidenten auf Mallorca berichten?

Weder in Vox („Der Tag”), Sat1 („18.30”), RTL („RTL aktuell) noch im ZDF („heute” und „heute journal”) oder den ARD-„Tagesthemen” wurde der Besuch erwähnt. Lediglich die „Tagesschau” widmete ihm genau 15 Sekunden.

Größer war die Resonanz in der deutschen Printmedien; der „Bild”-Zeitung war das Ereignis ganze zwölf Zeilen wert.

Dabei war es durchaus ein wichtiges. Nicht nur, weil zum ersten Mal ein deutsches Staatsoberhaupt auf der Insel weilte, die jeder zweite seiner Landsleute schon besucht hat; vor allem deshalb, weil das Mallorca-Bild in Deutschland derzeit vielfach verzerrt ist. Schuld hat die Berichterstattung bestimmter deutscher Medien.

Dies sprach Rau in seiner Rede in Palma an: Ihm scheine das Zusammenleben von Einheimischen und Besuchern zu gelingen – „auch wenn einzelne Boulevard-Blätter – vor allem zur Urlaubszeit – manchmal das Gegenteil suggerieren”. Und Rau sagte weiter: „Immer mehr Urlauber entdecken: Mallorca, das ist weit mehr als nur Strand und Sonne. Das ist abwechslungsreiche Landschaft und reiche Kultur, das sind liebenswürdige Menschen. So kann ein respektvoller Umgang miteinander entstehen – am Urlaubsort und darüber hinaus.”

Genau diesen Umgang pflegen gewisse deutsche Medien nicht. Im Kampf um Auflage und Einschaltquoten zählen weder Respekt noch Wahrheitsliebe. Ein Mord im Urlaubsparadies? Tolle Story! Schmuddelstreifen aus dem „Oberbayern”? Zum x-ten Male wiederholen! Nackte Spiele im heißen Sand: Geil! Der Ballermann längst tot? Für uns lebt er weiter! Nur Sex und Crime verkauft sich aus Mallorca, anderes interessiert nicht.

Deutschlands oberster Repräsentant kennt die Insel und ihre Probleme gut. Deshalb konnte er in Palma eine so bemerkenswerte Rede halten. Er hat sich bei den Mallorquinern für das Fehlverhalten mancher Landsleute entschuldigt, er hat um Verständnis und Verständigung geworben, und er hat das Mallorca-Bild vieler Landsleute zurechtzurücken versucht. Leider unter Ausschluss eines großen Teils der deutschen Öffentlichkeit.

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