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Der Kommentar

Die Hatz auf Residenten mit ausländischen Kennzeichen

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Keine Frage, das war clever gemacht. Wer seine Kinder zur Schule bringt, ist bestimmt kein Urlauber. Die Polizei hat bei ihrer Jagd auf Residenten mit ausländischen Autokennzeichen in Calamajor reiche Beute gemacht. Mal sehen, was als nächstes kommt: Straßensperren in Portals, Razzia vorm Lidl? Ausländer, die auf Mallorca leben und das Kennzeichen ihres Herkunftslandes beibehalten, können sich vor Verfolgung nicht mehr sicher fühlen.

Rechtlich ist gegen solche Aktionen nichts zu sagen. Die Gesetze sprechen eine klare Sprache. Dennoch ist es fraglich, ob mit dieser Hatz in einer so durch und durch europäischen Region wie den Balearen das richtige Zeichen gesetzt wird. Denn die Bestimmungen, die dazu ermächtigen, sind schlicht überholt. Die Politiker predigen das vereinte Europa, in dem die Immigration nur noch ein Umzug ist, ja sie schaffen sogar die Residencia ab – aber das Auto braucht noch immer einen ganzen Ordner voll nationaler Papiere. Nonsens. Die europäische Zulassung ist längst überfällig.

Außerdem sollten sich die spanischen Behörden einmal fragen, warum so viele Residenten mit deutscher oder anderer Nummer herumfahren. Europa-Muffel? Kaum. Sie sind es eher leid, sich einem schikanösen Hürdenlauf auf Ämtern auszusetzen und dafür auch noch ausnehmen zu lassen. Wie kann es sein, dass die Ummeldung so kompliziert ist, dass ganze Heerscharen von Gestoren davon leben? Wie kann es sein, dass für ein Auto, das in einem EU-Land schon zugelassen war, im nächsten noch einmal Hunderte, wenn nicht gar Tausende Euro für die Anmeldung fällig werden?

Und wie, bitte schön, kann es sein, dass ein in Deutschland fabrizierter VW, der gut genug für deutsche Straßen ist, in Spanien noch einmal das Plazet eines Ingenieurs braucht, während die Regale der Kaufhäuser voll sind mit Produkten aus China, für die als Qualitäts-Nachweis ein Stempelchen reicht?

Es geht nur ums Geld. Höchste Zeit, dass der Humbug ein Ende findet – ein Fall für Brüssel. Aber bis dahin gibt's nur die Wahl zwischen Pest oder Cholera: zittern oder sich beugen.

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