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Joan Miró: Wie ein Vogel im Nest

Der Künstler starb am 25. Dezember 1983 in Palma

Viele der Kunstwerke Joan Mirós enstanden auf Mallorca.

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Wenn er malt", hat sein Freund Jean Cocteau gesagt, "dann ist es so, als baue ein Vogel sein Nest." Und wie in einem Nest lebte und arbeitete Joan Miró (1893 bis 1983) auf Mallorca. Mehr als 40 Jahre lang.

Er war zurückhaltend, mochte nicht in den Medien und auf Empfängen erscheinen, er war schüchtern, fühlte sich in seinem Atelier am wohlsten. Was ihn nicht hinderte, ein Leben lang Freundschaften zu pflegen.

Er liebte seine Familie, seine Tochter Dolores, seine Enkelkinder. Mit seiner Frau Pilar Juncosa, einer Mallorquinerin aus Sóller, war er 54 Jahre lang verheiratet. Mit den Worten "M'agarades molt" (Du gefällst mir sehr) begann die Ehe von Joan Miró und Pilar Juncosa. "T'Estim molt" (Ich liebe dich sehr), waren seine letzten Worte an sie, als er am Weihnachtstag 1983 starb.

Er war ein Zauberer, der eine Welt märchenhafter Symbole erschuf: Sterne, Vögel, Sonnen, Fabeltiere und Frauen, immer wieder Frauen. Sein malerisches Werk hat klare Farben: Gelb, Rot, Blau, Farben, die keinen Widerspruch dulden. Wie die Farben seiner Wahlheimat Mallorca.

Seine Zeichnungen, Grafiken und Graffiti sind von ungeheurem Reichtum, seine Skulpturen sind wie "Poesie im Raum", oft nur Objekte und Fundstücke, zu dreidimensionalen Collagen zusammengefügt, danach dann in Bronze gegossen.

Er liebte die Siurells, die heute noch auf der Insel verkauften Tonfiguren, 3000 Jahre alte Formen aus der phönizisch-karthagischen Antike, denen er Eingang in die Kunst der Gegenwart verschaffte.

Andererseits war Miró aber auch erdgebunden und von dieser Welt. Das politische Geschehen verfolgte er immer aufmerksam, auch wenn es nur indirekt Einfluss auf sein Werk hatte. Er empfing gerne Freunde in seinem Haus in Son Abrines, liebte stundenlange Gespräche am Abend.

Bei seiner Arbeit wollte Miró stets allein sein, ungestört, nichts im Atelier durfte verändert werden. Darüber wachte er eifersüchtig. Nur Pilar Juncosa hatte Zugang. Er goutierte ihre Sorgfalt: "Als sei ein Engel durchgegangen ..." Er war fleißig, hatte einen fest strukturierten Alltagsablauf, arbeitete Tag für Tag unbeirrt. Und hinterließ ein ungeheures Oeuvre.
Joan Miró wurde am 20. April 1893 in Barcelona geboren. Sein Vater stammte aus Montroig bei Tarragona, die Mutter aus dem mallorquinischen Sóller. Beide waren nicht von der Begabung ihres Sohnes überzeugt; sie veranlassten ihn, einen "ordentlichen Beruf" zu erlernen. Obwohl der junge Miró ernsthaft Zeichenunterricht nahm, zwang man ihn dazu, die Handelsschule in Barcelona zu besuchen, danach als Gehilfe in der Verwaltung des Handelshauses Dalmau zu arbeiten.

Ein Jahr lang ging das gut, dann brach Miró unter dem Psychostress zusammen. Die Eltern hatten ein Einsehen. Sie begriffen, dass er malen, zeichnen musste.

Im Jahre 1911 entstanden die ersten großen Ölgemälde. Die Eltern konnten nicht verstehen, was da abgebildet ist: Joan Miró hatte die ersten Werke kubistischer Meister gesehen. 1918 erreichte er seine erste große Ausstellung in Barcelona.

Im Jahr darauf reiste er nach Paris, wo er Picasso kennenlernte. Und andere, die sich in den frühen zwanziger Jahren an der Seine niedergelassen haben: Die Schriftsteller Ernest Hemingway, Ezra Pound, Henry Miller, die Maler Max Ernst, George Braque, Juan Gris, Henri Matisse, aber vor allem Paul Eluard, der geistige Vater des Surrealismus, sowie André Masson, André Breton, Alberto Giacometti oder Jean Cocteau.

Damals war Miró ein ganz armer Schlucker: "Ich aß wenig und schlecht. Ich habe gesagt, dass mir zu jener Zeit der Hunger Halluzinationen verursachte, die mir Ideen für Bilder gaben." Im Oktober 1929 kehrte er zeitweilig nach Spanien zurück, fuhr auch nach Palma de Mallorca. Hier heiratete er Pilar Juncosa aus Sóller, mit der er zeitlebens zusammenblieb.

Miró arbeitete, schuf und schöpfte, gab den Dingen eine neue Realität. "Den surrealistischten aller Maler" nannte ihn André Breton 1928. Dennoch - so ganz heimisch gefühlt hat er sich niemals im Kreise der Surrealisten. Und wuchs später über diese Bewegung hinaus.

1940 flüchteten Joan Miró und Pilar Juncosa vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Paris nach Mallorca. Hier kaufen sie am Fuße der Sierra Na Burguesa ein Haus: Son Abrines. Calamajor war damals noch ein stilles Fleckchen, geradezu eine Idylle. Später entstanden rund um das Haus Hochhäuser der hässlichsten Art, die Miró den Blick aufs Meer verbauten, den er so liebte.

Doch Son Abrines wird stets sein Zuhause bleiben: "Yo me siento como un vegetal. Por esto vivo en Palma. Aqui tengo raíces", sagte er: "Ich fühle mich wie eine Pflanze. Deshalb wohne ich in Palma. Hier habe ich Wurzeln." 1955 , als es Miró finanziell besser ging, kaufte er ein Grundstück in unmittelbarer Nähe seines Wohnhauses hinzu. Es war von jeher sein Traum gewesen, ein Atelier mit viel Platz, viel Licht zu haben. Mit Hilfe seines Freundes, des katalanischen Architekten Josep Sert, erfüllte er sich diesen Traum. 1959 kam noch die alte Finca Son Boter hinzu.

Während der Franco-Zeit vermied er jeden öffentlichen Auftritt, nahm keinerlei Ehrungen entgegen, die ihm mehr als einmal angetragen wurden. Bald nach Francos Tod 1975 schenkte er allerdings der Stadt Palma die Skulptur "Personnatge", die heute am oberen Ende des S'Hort del Rei in Palma steht.

In den 50er und 60er Jahren reiste Miró, nahm 1955 und 1959 an der documenta in Kassel teil, hatte Aufträge in den Vereinigten Staaten, hatte internationale Ausstellungen, in London, Paris, New York, Tokio. Auf Mallorca gab es die erste Einzelausstellung erst 1970. In seinen letzten Lebensjahren lebte Joan Miró sehr zurückgezogen.

1972 wurde auf seine Initiative die Miró-Stiftung in Barcelona gegründet, und 20 Jahre später die in Palma.

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