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„Keine Frucht berührt den Boden”

Auf Mallorca hat Mitte Oktober die Olivenernte begonnen

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Wenn Joan Miralles Besucher über sein Landgut führen möchte, dann wirft er den Motor seines Quads an. Das Motorrad mit den vier Rädern ist ein Gefährt, das zwar röhrt wie ein Hirsch, aber leichtfüßig wie ein Reh über das gepflügte Erdreich dahingleitet. Von den Hügeln des Anwesens, das auf halbem Weg zwischen Algaida und Randa liegt, eröffnen sich immer wieder atemberaubende Ausblicke auf den Klosterberg.

Rund 200.000 Quadratmeter, also rund 20 Hektar Grund, nennt Joan Miralles auf der Finca Treurer sein Eigen. 14 Hektar der hellen Kalksteinerde sind seit vier Jahren bepflanzt, mit 3200 jungen Ölbäumen. 80 Prozent von ihnen gehören zur Olivensorte Arbequina.

Im Frühjahr dieses Jahres vermarktete Miralles erstmals das Olivenöl seiner Finca, und zwar gleich unter dem Güte- und Herkunftssiegel der anerkannten Anbauregionen für mallorquinisches Olivenöl, der "Denominació d'Origen (DO) Oli de Mallorca". 3600 Liter kamen damals von den Ölfrüchten der jungen Bäume zusammen. Mit der zweiten Ernte, die auf der Treurer-Finca Anfang November beginnt, erwartet den Hausherr einen voraussichtlich doppelt so hohen Ernteertrag.

Das Landgut unterscheidet sich deutlich von den historischen Olivenplantagen in der Serra de Tramuntana. Die dort zum Teil 400 Jahre alten Ölbäume befinden sich auf schwer zugänglichen Parzellen hoch in den Bergen. Die Pflege der Haine und das Ernten sind Handarbeit pur - und damit teuer.

Auf dem Gut Treurer - eines von mehreren, die in den vergangenen Jahren außerhalb der Tramuntana entstanden - sind die Bäume nach einem Raster in jeweils fünf Meter Abstand zueinander gepflanzt, die Reihen jeweils acht Meter auseinandergezogen. "So kann der Traktor problemlos durch die Zeilen fahren", sagt Miralles. Die Bewässerung und Düngung ist computergesteuert, die Ernte erfolgt per Vollernter. Das ist eine fahrbare Maschine, die um jeden Baum ein fächerartiges Auffangnetz spannt und die Früchte mit luftdruckbetriebenen Greifarmen aus der Baumkrone kämmt. "Bei uns berührt nicht eine Olive den Erdboden", sagt Miralles sichtlich stolz. Eine Kostprobe des Öls beweist: es ist ein sehr mildes, buttriges, aromatisches Öl, ohne Schärfe und kratzigen Abgang im Rachen.

Das sind Tropfen, wie sie auf Mallorca im Trend liegen, seitdem sich die 2004 gegründete DO für Qualität starkmacht. Die Lust der Konsumenten auf neue Geschmackserlebnisse rund ums Olivenöl hat zu einem regelrechten Boom geführt: Noch vor sechs Jahren wies die DO lediglich ein halbes Dutzend beste Markenöle auf. Das neueste Werbeposter der Organisation wartet nun mit 41 Produkten auf. Neben der Tramuntana-Region entstanden neue Plantagen etwa bei Manacor, Campos, Llucmajor, Muro, Capdepera oder Algaida, so wie die Finca von Joan Miralles.

Der ehemalige Hotelier hat in seinen Traum vom eigenen Olivenöl bislang rund 500.000 Euro investiert (ohne den Kauf des Anwesens). Doch der Geschäftsmann folgte damit nicht lediglich einer Laune. "Für mich als Unternehmer muss dabei auch eine Rendite herausspringen." Den "break-even", also die kostendeckende Produktion, hofft Miralles mit der Ernte des Jahres 2011 zu erreichen.

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