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Entspannt am Berg überholen

Monika (r., ohne Antrieb) lächelt tapfer, Miguel (l., mit Antrieb) überholt gleich ohne große Mühen.

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Monika Fiedler sieht nicht nur sportlicher aus, sie ist auch die deutlich bessere Radfahrerin: Schließlich nimmt die Mitarbeiterin der jährlich auf Mallorca stattfindenden Roadbike-Messe an der Playa de Muro regelmäßig an Marathon-Läufen teil und ist eine hervorragende Radfahrerin. Dennoch lässt sie der MM-Redakteur am Aufstieg zum Mirador auf der Halbinsel La Victoria locker stehen - ein bisschen wie weiland Lance Armstrong den bedauernswerten Jan Ullrich bei der Tour de France.

Aber keine Sorge: Die MM-Redaktion hat nicht das leistungsfördernde Doping entdeckt, sondern Fahrräder mit Hilfsmotor. Gemeinhin nennen die sich E-Bikes, bei unserem handelt es sich um ein Pedelec. Der Motor wird nicht per Knopfdruck zugeschaltet sondern durch das Treten der Pedale aktiviert. Dazu später mehr.

Diese Art moderner E-Bikes sind auf den ersten Blick nicht von handelsüblichen Sporträdern zu unterscheiden. Unser Modell, das XDuro Race des deutschen Herstellers Haibike, verrät sich durch einen gut sichtbaren Ladeakku am Unterrohr des Zweirads. Zweites Merkmal: Einen Tachometer, über den man auch den 250-Watt-Motor steuern kann, der ohne Pedalunterstützung 25 km/h schafft.

Damit gilt das Pedelec in Deutschland noch als Fahrrad. Auf gerader Strecke erreicht man mit dem 18,1 Kilogramm schweren Renner aber ohne große Anstrengung 45 Stundenkilometer. "Turbo" lautet die entsprechende Einstellung auf dem Tachometer. Der ein oder andere Sportler staunt nicht schlecht, als der Redakteur an ihm vorbeibraust. Und selbst am Berg, siehe am Anfang des Textes, kommt man problemlos mit 20 Stundenkilometer hoch, deutlich schneller als der motorlose Rest.

Doch wer hier vergisst, dass er auf einem "Pedelec" sitzt, hat ein Problem. Wer nicht fleißig in die Pedale tritt, wird nicht besser vom Fleck kommen, der Elektromotor wirkt nur bei Kurbelbewegung, sprich: Pedalbewegung.

Wir lernen: Der Motor belohnt gewissermaßen fleißige Strampler, einfach auf Turbo schalten und auf dem größten Ritzel an den Berg gehen - das funktioniert nicht. Am Berg empfiehlt sich daher wie bei einem normalen Fahrrad, ein paar Gänge herunterzuschalten, um möglichst viel treten zu können, dann langsam den Motor hochschalten und siehe da: Die anderen zweirädrigen Straßenteilnehmer werden einfach stehen gelassen. Ein netter Gedanke: Wer nicht genau hinschaut, hält den radunerfahrenen Redakteur für eine Sportskanone.

Welchen Nachteil hat das Bike also noch außer dem ebenfalls recht sportlichen Anschaffungspreis von 5999 Euro? Bei längerem Fahren im "Turbo"-Modus entlädt die Batterie sich relativ schnell, was man an der schwindenden Zahl der Restkilometer erkennt, welche einem der Tachometer ebenfalls anzeigt. Ungünstig, wenn das am Anfang eines Bergs passiert, das relativ schwere Bike ohne Motorleistung den Berg hinaufzubringen gehört zu den eher schweißtreibenden Angelegenheiten.

Das Ladeset ist dafür problemlos über die Steckdose zu nutzen. Wer also einen netten Wirt findet, kann sich in einer anderthalbstündigen Pause den Akku wieder aufladen. Hier gäbe es bestimmt noch Verbesserungspotenzial, wie ein Mitfahrer anmerkt: Ein sich durch Pedalleistung wieder selbst aufladender Akku.

Für die knapp 14 Kilometer lange Strecke von der Playa de Muro bis La Victoria in Alcúdia hat der "Saft" jedoch problemlos gereicht, um Monika auch auf den letzten Kilometern noch einmal das Hinterrad zu zeigen. Das war natürlich völlig unfair, aber die Sportlerin gönnte dem Radsportlaien seinen Spaß und zeigte häufiger an: "Überhol mich ruhig." Gern geschehen.

(aus MM 16/2015)

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