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Balearen-Insel für 24 Millionen Euro zu verkaufen

Im Sommer sind die Strände ein beliebtes Ausflugsziel per Boot oder auch schwimmend und watend. Fotos: UH, Grafik: Josep Canyelles | R.L.

| Mallorca |

Gut 22 Jahre ist es her, dass aus einem launingen Gespräch mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Dionys Jobst die Schnapsidee hervorging, den Spaniern Mallorca für 50 Milliarden Euro abzukaufen und zu einer deutschen Insel zu machen. Handelte es sich damals um eine Sommerloch-Geschichte, so ist der Verkauf von Mittelmeerinseln heute mehr als nur fantasievolle Fiktion.

Das gilt einerseits für Griechenland, das durch einen von Schäuble und Merkel geforderten "Treuhandfonds" im Gegenzug für die Euro-Rettung zum Verschachern diverser (unbewohnter) Eilande an Milliardäre gezwungen ist. Ein Schnäppchen gibt es zum anderen nun aber auch auf den Balearen zu machen: Die Insel S'Espalmador nördlich von Formentera steht für 24 Millionen Euro zum Verkauf.

Nicht etwa, weil das Finanzministerium in Madrid wieder Geldnot plagt, sondern weil sich das britisch-spanische Besitzerpaar Rosy und Norman Cinnamon Planás laut Medienberichten freiwillig zur Veräußerung entschieden hat.

Im Familienbesitz war die mit 1,38 Quadratkilometern sechstgrößte Insel der Balearen seit 1932. Vorfahr Bernardo Cinnamond James hatte S'Espalmador seinerzeit von der einheimischen Familie Tur für 42.500 republikanische Peseten erworben, um in der Umgebung mit Ankermöglichkeiten, Landesteg und Sandstränden jährlich den Sommer zu verbringen.

Bis 1959 entstand schließlich die 478 Quadratmeter große Villa S'Alga mitsamt Kapelle, zwölf Schlafzimmern und acht Bädern sowie das Sommerhaus Es Majoral mit 174 Quadratmetern und vier Gemächern. Die Gebäude sind zwar legal, Nutzung und Instandhaltung gestalten sich aber schwierig, da die Insel nach dem Scheitern eines dubiosen Hotelprojekts mit 4600 Betten im Jahr 1972 heute komplett unter Naturschutz steht.

Zudem wird sie im Sommer täglich von dutzenden von Besuchern angesteuert. Diese kommen entweder mit dem Boot oder waten und schwimmen von der Nordspitze Formenteras aus durch eine nur 50 Meter breite und nicht besonders tiefe Meerenge namens Es Pas de Trucadors. Berufen kann man sich dabei auf das spanische Küstengesetz von 1985, das jedermann den Zugang zum Ufer in erster Meereslinie garantiert, auch wenn es sich um ein Privatgrundstück handelt.

Nicht abgedeckt ist von dieser Regelung jedoch das Baden in den Schlammlöchern beim Strand von Sa Torreta im Nordosten. Das Gebiet steht seit 2006 unter besonderem Schutz, was die Besucher allerdings nicht vom Besuch abschrecken kann. Trotz gegenteiliger Beteuerungen der Eigentümer halten sich im Volksmund Gerüchte von einer gesundheitsförderlichen Wirkung des Fangos.

Beliebt sind Stippvisiten aber nicht nur bei Bootsbesitzern und illegalen Campern, sondern teilweise auch bei Event-Veranstaltern und Brautleuten. Als sich 2011 ein holländisches Society-Paar am Strand das Ja-Wort gab, intervenierte sogar die Guardia Civil, die sich ansonsten selten bis gar nie blicken lässt. Die Geldstrafe blieb mit 2000 Euro allerdings recht moderat. Kummer über Kummer also für Rosy und Norman Cinnamon. Offenbar haben sie die Freude an ihrem Eiland verloren und interessieren sich auch nicht für eine durchaus erlaubte landwirtschaftliche Nutzung der Flächen.

Aber vielleicht findet sich ja bald ein neuer Besitzer, denn historisch wurde S'Espalmador durchaus als Wohnort geschätzt. An der Stelle des Wachturms befand sich einmal ein römischer Gutshof. Und im 16./17. Jahrhundert versteckten sich Piraten und geflohene Sklaven aus Ibiza auf der Insel. Ein deutscher Tourist entdeckte 1996 vier Skelette aus dieser Zeit. Es war kein Fall für die Polizei, sondern für die Archäologen.

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