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Töpfermesse auf Mallorca gestartet

Ein Haufen Greixoneras: Traditionelles Tongeschirr bestimmt das Bild der Töpfermesse Fira del Fang. | T. AYUGA

| Marratxí, Mallorca |

Die Fira del Fang in der Gemeinde Marratxí geht ins 35. Jahr. Seit Samstag, 9. März, bis Sonntag, 17. März, öffnet die Keramikmesse im Ortsteil Sa Cabaneta auf dem Areal bei der Kirche Sant Marçal ihre Tore. Dass sie dort stattfindet, hat eigentlich mit dem Nachbarort Pòrtol zu tun, der ebenfalls zu Marratxí gehört. Er gilt als Zentrum der traditionellen mallorquinischen Töpferkunst. Um die Wende von 19. zum 20. Jahrhundert gab es dort 20 Manufakturen.

Bis heute haben sich in Pòrtol knapp ein Dutzend Töpfereien gehalten. Neben 21 Ausstellern aus anderen Orten Mallorcas sowie vier vom spanischen Festland werden sie auf der Messe vertreten sein. Mithin ist die Fira del Fang eine gute Gelegenheit, traditionelle mallorquinische Töpferware für den Hausgebrauch zu sehen – oder auch zu erwerben. Die Bandbreite reicht von Geschirr bis zu diversen Töpfen und Krügen, die zum Teil bis heute in den Haushalten zu finden sind. Andere sind dagegen für den Gebrauch nicht mehr erforderlich, aber als rustikale Dekoration immer noch vorhanden.

Die Greixonera kommt in der mallorquinischen Inselküche nach wie vor zum Einsatz. Sie ist ein flacher Kochtopf mit Henkeln. In ihm werden traditionelle Speisen wie Sopes, Tumbet und Frit zubereitet, ebenso Arroz brut, Caracols und Escaldums. Eine Sonderform der Greixonera ist der höhere Calderó, ein Kochtopf mit Deckel, er eignet sich für Schmorgerichte, Suppen und Eintöpfe mit Hülsenfrüchten. Weil die Tongefäße gut die Wärme halten, werden die Speisen oft direkt in der Greixonera serviert.

In den Zeiten, als es noch keine Kühlschränke gab, wurde das Wasser aus der Zisterne oder auch der Wein in eine Gerra gefüllt, einem riesigen Tonkrug, der im schattigsten Teil des Hauses aufbewahrt wurde. Mit kleineren Karaffen mit Henkel und Schnabel, den Gerretes, wurde die Flüssigkeit aus dem Krug geschöpft und kredenzt.

Nach dem Essen wurde sämtliches Geschirr in Tonschüsseln gespült, den Ribells d‘escurrar, von denen eine für das Seifenwasser genutzt wurde und die andere zum Klarspülen. Ihre Größe entsprach ungefähr der eines Spülbeckens. Auch zum Waschen und Bleichen der Wäsche wurden Ribells benutzt.

Diese Schüsseln dienten nicht nur als Vorläufer von Spül- und Waschmaschine. Bis heute findet man bei Privatschlachtungen die Ribell de matances, in der die Zutaten für die Paprikastreichwurst Sobrassada gemischt werden, ehe man sie in die Schweinedärme stopft – die Knochen und das Schweineschmalz wurden einst nach dem Schlachten in Alfàbia genannten Krügen aufbewahrt.

Tongefäße wurden auch für den Transport von Wasser benutzt. Die Botilla de carreterer hatte einen flachen Bauch und sah bis auf zwei Henkel ähnlich wie eine Feldflasche aus. In ihr nahmen sich die Bauern das Wasser mit, wenn sie zur Arbeit aufs Feld gingen. Die dickbauchige Botilla de barca diente den Seeleuten und Fischern als Wasserbehälter.

Moixinas hießen hohe schmale Krüge, in denen auf dem Land der Urin aus den privaten Nachttöpfen der Hausbewohner gesammelt wurde. Jeden Morgen nach dem Aufstehen wurden die Moixinas geleert. Da sich der Abort gewöhnlich außerhalb des Hauses befand, sparte dieses System den nächtlichen Gang nach draußen, zumal im Winter.

Auch für den außerhäuslichen Gebrauch gab es unterschiedliche Behälter aus Ton. Mit dem Caduf wurde das Wasser aus der Zisterne gezogen. Die Ferrada de munyir war ein Krug mit zwei seitlichen Henkeln und einem breiten Schnabel, in dem beim Melken der Kühe die Milch gesammelt wurde. Der bauchigen Krug namens Conillera mit angefügtem Tunnel dienten Kaninchen und ihrer Brut als Nest. Ein Krug mit Löchern und Deckel war die Caragolera. In ihr wurden die gesammelten Schnecken gehalten. Bevor sie in die Greixonera kamen, wurden sie zur Reinigung ihrer Innereien in der Caragolera mit Mehl und Grünzeug gefüttert.

Die Messe ist montags bis freitags von 10 bis 13.30 Uhr und von 16 bis 19 Uhr geöffnet, samstags und sonntags durchgehend von 10 bis 20 Uhr. Im Hauptzelt gibt es die Ausstellung „Geometric Patterns“ mit Arbeiten von Julio León, Gewinner des Keramikpreises 2019 der Gemeinde Marratxí. „Keramik und Tee“ ist zudem ein Sonderthema der Messe, unter anderem mit einem Workshop am 14. März von 17 bis 19 Uhr (Anmeldung 971-797624) und einer japanischen Teezeremonie am 15. März um 18 Uhr.

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