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Palmas unfreundliche Seite

Abweisende Architektur: Warum Mallorcas Städte manchmal absichtlich unbequem sind

Palmas Stadtmobiliar ist oft alles andere als einladend. Doch ob unbequeme Bänke oder Metallspikes auf dem Sims eines Geschäfts: Alles hat seinen Grund. Die Frage ist: Zu Recht?

Möglichst unbequem: Armlehnen auf der Sitzbank sollen das Ausbreiten der Beine und das Hinlegen verhindern. | Pere Serra

| | Palma, Mallorca |

Mallorcas Städte sind nicht nur einladend. Bänke, die durch Armlehnen abgetrennt sind, um zu verhindern, dass man sich hinlegt, Bushaltestellen, an denen die einzelnen Sitze so weit voneinander entfernt sind, dass man nur im Sitzen darauf Platz nehmen kann, oder Metallspikes und -ringe, die verhindern, dass man auf dem Fenstersims eines Ladens sitzt: Dies sind einige Beispiele in Palma für eine unfreundliche, um nicht zu sagen abweisende Architektur. Natürlich nicht für jedermann und jederfrau. Sie wurden absichtlich so gestaltet, dass man sie nicht auf unzivilisierte Weise nutzen kann.

Der Sozialanthropologe José Mansilla verwendet dafür den Begriff „Anti-Personen-Stadtmöblierung”. Seiner Meinung nach legt sie „bestimmte Verhaltensweisen fest oder verhindert eine nicht vorgesehene Nutzung, beispielsweise von Obdachlosen und Bettlern, herumtollenden Kindern und Straßenmusikern oder illegalen Straßenverkäufern, die ihre Ware auf Decken feilbieten, und junge Leute, die nachts im öffentlichen Raum ihre „Botellones”, ihre Trinkgelage, abhalten.

Für Mansilla, der an der Universitat Autònoma de Barcelona lehrt, ist die Stadtplanung mithin „eine ideologische Disziplin”. Und dies bewertet er durchaus politisch: „Es gibt Parteien, die Plätze oder Straßen nicht so sehr als Orte der freien Begegnung, sondern des Konsums betrachten und alles dafür tun, dass sie mit dem Konsum und dem Verkehr verbunden sind, während andere der Meinung sind, dass der Raum für entkommerzialisierte Aktivitäten oder einfache Geselligkeit genutzt werden sollte”, sagt er. Seine Schlussfolgerung: „Der abweisende Städtebau ist ein Instrument, um die Stadt in den Dienst der globalen Wirtschaft zu stellen. Sein Fehlen oder ein freundlicherer Städtebau geht in die entgegengesetzte Richtung.”

Aus der Sicht eines Praktikers ist die Sache jedoch so einfach nicht. Der Architekt Pere Serra Amengual blickt auf mehr als 40 Jahre Erfahrung im öffentlichen und privaten Bereich zurück. Er war der erste Leiter der Umgestaltung des Stadtviertels Ciutat Vella, bei der in Barcelona zwischen 1986 und 1992, am Vorabend der Olympischen Spiele, unter anderem die Viertel Raval, Barri Gòtic und Barceloneta umgestaltet wurden. Ein aufregendes Projekt, das aber auch mit ernüchternden Erfahrungen verbunden war. „Wir bauten ein Gebäude im Raval, das im Erdgeschoss über prächtige, etwa fünf Meter hohe Veranden verfügte. Dieser Raum wurde zu einem Ort für Obdachlose. Was war die Folge? Die kommerzielle Verödung dieser Straßenseite, obwohl wir eigentlich wirtschaftliche Aktivitäten schaffen und die Randexistenz des Viertels verringern wollten. Was haben wir dann getan? Anstatt Spikes aufzustellen, haben wir die Vordächer entfernt und die Geschäfte nach vorne an die Fassade verlegt. Wir hatten keine andere Wahl", so der Architekt.

Fragt man Serra nach seiner Meinung zu abweisender Architektur, antwortete er zunächst mit einer Gegenfrage: „Abweisung gegenüber wem? Für mich gibt es zwei Arten von Abweisung: Die Abweisung sozial gefährdeter Gruppen beunruhigt mich. Die Abweisung gegenüber Randgruppen nur relativ, obwohl die Grenze zwischen den beiden Gruppen oft verschwimmt. Ich verteidige die Rolle der Architektur im Kampf gegen den Vandalismus, aber ich bin dagegen, dass schutzbedürftige Gruppen bei der Nutzung des öffentlichen Raums behindert und verfolgt werden.”

Auch Palmas Oberbürgermeister Jaime Martínez ist Architekt und verfügt über eine langjährige Erfahrung in Städtebau. Nach einem Blick auf einige der hier abgebildeten Fotos konstatiert er, dass „diese Art von Gestaltung nicht an das 21. Jahrhundert angepasst ist. Diese Elemente berücksichtigen nicht die heutige Situation”. Gegen den Begriff „Anti-Personen-Architektur” des Anthropologen José Mansilla hat Martínez nichts einzuwenden. Sein Credo: „Die Elemente auf den Wegen müssen die Menschen dazu einladen, die Stadt zu erleben, und für sie nützlich sein, nicht nur auf ästhetischer Ebene. Sicherlich würden ein Vater oder eine Mutter mit ihren Kindern eine Bank bevorzugen, die nicht von ihnen getrennt ist. Wir müssen an integrative Elemente denken, die einen nicht ausgrenzen.”

Der Politiker ist der Meinung, dass „es keinen Sinn macht, wenn das Design wichtiger ist als die Funktion. Skulpturen sind da, um gesehen zu werden, und städtische Elemente sind da, um genutzt zu werden”, bringt er dies auf einen Nenner. „Es muss ein Gleichgewicht gefunden werden; es muss das Auge erfreuen, aber auch funktional sein. Was die Zweckentfremdung von Dingen angeht, so arbeiten wir an einem wichtigen Teil, nämlich an den städtischen Verordnungen. Für jeden öffentlichen Raum, jedes Element oder jede Dienstleistung gibt es eine korrekte Form der Nutzung, die in den Verordnungen festgelegt ist”, sagt Martínez und fügt hinzu: „Es Zeit ist, kreativ zu sein.”

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